Wie würde sich die Einführung neuer Bus-Tarife in Konstanz auf das bestehende System auswirken? Würden zum Beispiel Monats- oder Jahrestickets teurer, wenn ein Kurzstrecken-Ticket eingeführt würde? Antworten auf diese und weitere Fragen wollen die Stadtwerke Konstanz an diesem Donnerstag ab 17 Uhr bei einer Veranstaltung im Energiewürfel geben. Drei Experten diskutieren über Vor- und Nachteile von verschiedenen Tarifmaßnahmen.

Stadtwerke beim Thema Kurzstrecke gesprächsbereit

Lange sperrten sich die Stadtwerke gegen die Einführung von günstigen Tickets für kurze Wege. Im Mai dieses Jahres äußerte sich Geschäftsführer Norbert Reuter offener gegenüber der Idee. Bei einer Sitzung des Technischen und Umweltausschuss erklärte er zum Kurzstreckenticket: "Es wird nach einer geeigneten und einfachen Lösung gesucht, die dann auch schnell eingeführt werden könnte."

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Günstige Kurzstrecke = hohe Kosten für Stadtwerke?

Gleichwohl betonte er: Neue günstigere Tickets könnten zu Ungerechtigkeiten bei bestehenden Tarifen führen. Beispielhaft führte er die Kosten der Stadtwerke einer Reduzierung von 50 Prozent auf Einzelfahrkarten an: drei Millionen Euro jährlich. Auch gegenüber dem vom Jungen Forum Konstanz (JFK) und der Freien Grünen Liste (FGL) vorgeschlagenen fahrscheinfreien Samstag zur Entlastung des Verkehrs zeigte sich Reuter skeptisch: "Das widerspricht der bisherigen Strategie, höhere Anreize für Stammkunden durch rabattierte Zeitkarten oder Mehrfahrtenblöcke zu schaffen."

Modell aus der Region Rhein-Neckar: Bezahlen pro Kilometer

Dass mit neuen günstigen Tickets bestehende teurer werden müssten, nennt auch Thomas Schweizer eine "Herausforderung". Er ist einer der Referenten bei der Informationsveranstaltung am Donnerstag und arbeitet für den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) als Abteilungsleiter für Tarife und Marketing. Schweizer wird den Besuchern den sogenannten Luftlinientarif vorstellen.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt in Heidelberg wurde das Modell 2017 für den gesamten VRN zwischen Homburg und Tauberbischofsheim eingeführt. Seither bezahlen Erwachsene 1,20 Euro als Grundpreis plus 20 Cent pro Kilometer. Abgerechnet wird per Smartphone-App. "Beim Einsteigen meldet sich der Fahrgast dort an, beim Aussteigen wieder ab", erklärt Schweizer. Bezahlt wird per Lastschrift am Ende der Monats, das Tageslimit liegt bei zwölf, das Monatslimit bei 90 Euro.

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Skepsis von einigen Kunden über Erfassung von Daten

Die bisherigen Erfahrungen seien vorwiegend positiv, jedoch räumt Schweizer ein: "Natürlich sind nicht immer alle Kunden zufrieden gewesen." Probleme hatte es unter anderem bei der Bedienung der Smartphone-App gegeben. Auch dass diese den Standort der Fahrgäste per GPS erfasste – laut Thomas Schweizer durch den Landesdatenschutzbeauftragten als unbedenklich eingestuft – habe nicht jedem gefallen. Eine Alternative wäre gewesen, die Strecke vorab festzulegen und zu bezahlen. "Wir wollten, dass sich Fahrgäste spontan entscheiden können, wo sie aussteigen möchten", erklärt der Tarif-Fachmann des VRN. Wer seinen Standort nicht preisgeben will, habe weiter die Möglichkeit, herkömmliche Tickets zu nutzen.

Ziel: Mehr Autofahrer auf den Öffentlichen Nahverkehr bringen

Anderen Städten würde er "klar zu einem solchen Luftlinientarif per Check-in und Check-out raten". Dass dieser besonders Gelegenheitsfahrer anspreche, hält er für sinnvoll. So könne man Menschen, die sonst fast immer das Auto nutzen, zum Umsteigen bewegen. Dies würde jedoch der bisherigen Konstanzer Strategie widersprechen, vor allem auf Stamm- und Mehrfachkunden zu setzen. Schweizer betont daher: "Ein neues Modell muss immer ins bestehende Tarifsystem passen."

Eine Randerscheinung mit Potenzial?

Für den VRN sei das kilometergenau abgerechnete Ticket noch eine Randerscheinung. Im Vergleich zum Gesamtumsatz von mehr als 300 Millionen bewegen sich die Einnahmen aus dem Luftlinienticket noch in einem kaum messbaren Bereich von deutlich unter einem Prozent. Doch die Idee habe laut Schweizer Potenzial – nicht nur für Kunden, sondern auch aus unternehmerischer Sicht – und müsse daher "als Thema von Verkehrsanbietern beackert werden". So habe sich der Umsatz des Luftlinientarifs zuletzt bereits auf 630.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. "In diesem Jahr rechnen wir mit 800.000 bis 900.000 Euro", fasst Schweizer zusammen.

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