Es ist ein Grundstück, wie es am ganzen Bodensee kein zweites gibt. 40.000 Quadratmeter groß, direkt an der Uferpromenade gelegen, mit riesigen alten Bäumen – und Baurecht. Ein Projekt, wie es auch über den Bodensee hinaus derzeit beispiellos ist. Ein Gesundheitshotel, das im Südwesten den Begriff Luxus neu definieren würde, mit baubiologisch einwandfreien Zimmern in nachhaltiger Holzbauweise, umfassendem medizinischem Angebot und Gästen, die durchschnittlich elf Tage bleiben und dafür 14.000 Euro bezahlen.

Und es ist ein Thema, das im diskussionsfreudigen Konstanz erneut die Frage aufwirft, wohin sich die Stadt entwickelt, welchen Wert Natur hat und wie viel Einfluss eine überschaubare, aber lautstarke Gruppe von Kritikern haben soll. Darum geht es beim Projekt "Sea Palace", das ein Schweizer Hotelier auf einem der wertvollsten Baugrundstücke im Südwesten errichten will.

Es geht um Wellness, Gesundheit, Schönheit und Leistung

Hans Jürg Buff heißt der Investor, er betreibt mehrere Hotels in St. Moritz, und er hat sich einen Partner an die Seite geholt, der genau weiß, wie man mit dem Wunsch der Menschen nach Gesundheit, Entspannung und Sinnstiftung Geld verdienen kann. Der Mediziner Axel Witasek hat ähnliche Projekte in mehreren europäischen Ländern mit aufgebaut und war im Lanserhof bei Innsbruck lange Jahre ärztlicher Leiter.

Er weiß, was Top-Gäste wollen: Eine kluge Mischung aus Naturheilkunde und Schulmedizin, Entgiftungen und Entschlackungen (von deren Wert nicht alle Ärzte überzeugt sind), eine höhere körperliche Leistungsfähigkeit und attraktives Aussehen – aber auch Antworten auf unklare Beschwerden und eine besondere Zuwendung bei chronischen Krankheiten. Das alles soll das "Sea Palace" bieten, und das Ziel ist hoch gesteckt: "Wir wollen das beste Gesundheitsresort in Europa sein".

Der Konstanzer Promi-Arzt Kurs Mosetter ist auch mit an Bord

Sein Kollege Henning Sartor ist wissenschaftlicher Leiter der Internationalen Gesellschaft der Mayr-Ärzte, die das Therapiekonzept des Darmsanierungs-Pioniers Franz Xaver Mayr (1875–1965) weiterführen – er soll ärztlicher Leiter in Konstanz werden. In aller Offenheit sagt er: Eine Klinik wird das nicht, und in eine Klinik wollen auch die zahlungskräftigen und oft prominenten Gäste nicht, "es wird kein Krankenhaus, sondern ein Gesundheitshaus."

Dabei will er auch Ärzte aus der Region einbinden und hat bereits den Konstanzer Mediziner Kurt Mosetter gewonnen, der die Myoreflextherapie erfunden hat und mit seinen Patienten wie Fußball-Weltstars selbst berühmt wurde.

Das sind die Köpfe hinter dem Projekt Gesundheitshotel (von links): Pablo Horvath (Chur), Architekt; Henning Sartor, (Wien), wissenschaftlicher Leiter der Internationalen Gesellschaft der Mayr-Ärzte; Hans Jürg Buff (St. Moritz), Investor und Hotelbetreiber; Alex Witasek (Wien), CEO Internationale Gesellschaft der Mayr-Ärzte.
Das sind die Köpfe hinter dem Projekt Gesundheitshotel (von links): Pablo Horvath (Chur), Architekt; Henning Sartor, (Wien), wissenschaftlicher Leiter der Internationalen Gesellschaft der Mayr-Ärzte; Hans Jürg Buff (St. Moritz), Investor und Hotelbetreiber; Alex Witasek (Wien), CEO Internationale Gesellschaft der Mayr-Ärzte. | Bild: Jörg-Peter Rau

Der Baubürgermeister sieht die Stadt "einig", dass sie das Projekt will

Doch nicht alle stimmen Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn zu, der auf einer Pressekonferenz der Investoren am Mittwoch erklärte: "Ganz Konstanz ist sich einig, dass es das richtige Konzept für Konstanz ist." Eine Initiative kämpft seit Jahren dafür, dass das Parkgelände in öffentlichen Besitz kommt, konnte dafür allerdings nie politische Unterstützung oder nennenswert Geldgeber gewinnen.

Auch die Fällung von Bäumen für den Neubau stößt auf Kritik, und weil der Bebauungsplan für das Gelände schon 41 Jahre alt ist und für einen typischen 90er-Jahre-Postmoderne-Großbau aufgestellt wurde, geht es auch um Überschreitungen bei der Baumasse, die Buff sich im Rahmen des amtlichen Ermessens genehmigen lassen will. Genau das beschäftigte die rund 200 Bürger am meisten, die sich bei einem Ortstermin informierten und teils unversöhnlich auf den Investor zugingen.

Investor Hans Jürg Buff ist entschlossen und guter Dinge

Buff selbst ist gleichwohl guter Dinge. Er rechnet fest mit einer Baugenehmigung, nachdem er zuletzt noch etwas umplanen ließ. Die Bäume wolle er weitgehend erhalten, dem Park aber, wohl auch mit der Kettensäge, seine alte Gestalt als Landschasftsgarten zurückgeben. 2018 Baubeginn, im Frühjahr 2021 Eröffnung, Baukosten von 40 bis 55 Millionen Euro und eine Gesamtinvestition von 70 Millionen Euro, rund 100 neue Arbeitsplätze – das ist sein Plan. Dass er ihn verwirklichen will, daran lässt er keinen Zweifel. So, wie Bürgermeister Langensteiner-Schönborn von Unterstützung im Rathaus spricht, aber auch erklärt: "Wir erteilen keine Gefälligkeitsbaugenehmigungen."

 

Der Bauplatz

Das Luxus-Gesundheitshotel soll auf dem Büdingen-Areal in Konstanz entstehen. Es liegt neben herrschaftlichen Gründerzeit-Häusern an der Seestraße und hat seinen Namen von einem längst abgerissenen Sanatorium, das dort bis in die 1960er-Jahre ein Dr. Büdingen betrieb. In der Folge wurde es mehrfach verkauft, etliche Anläufe zur Bebauung mit einem Hotel – nichts anderes ist zulässig – scheiterten. 2016 kaufte Hans Jürg Buff das Areal, nachdem es die letzte Besitzerin, die Baden-Württembergische Versorgungsanstalt für Ärzte, aus dem Büchern haben wollte. Der Preis soll bei knapp zehn Millionen Euro gelegen haben, was für die Lage und Größe günstig wäre. (rau)

Das Areal war schon einmal Standort für ein Sanatorium: Erst als Hotel gebaut, wurde das Gebäude später zu einer Heilanstalt. Auf dessen Leiter Dr. Büdingen geht auch der Name des Geländes in Premiumlage zurück.
Das Areal war schon einmal Standort für ein Sanatorium: Erst als Hotel gebaut, wurde das Gebäude später zu einer Heilanstalt. Auf dessen Leiter Dr. Büdingen geht auch der Name des Geländes in Premiumlage zurück. | Bild: Sea Palace AG