Viel ist experimentiert worden, seit klar ist, dass sich die Menschheit um alternative Energiequellen kümmern muss. Der Atomausstieg und die Klimaziele stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen. Denn auf dem Weg zur Klimaneutralität kann sich keine Gemeinde mehr vor der Verantwortung drücken. Das versuchte Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger den Gemeinderäten in einem glühenden Vortrag ans Herz zu legen. Seine Idee: „Wir brauchen Photovoltaik nicht nur auf unseren Dächern; wir brauchen Freianlagen in der Gemeinde.“

Sonne zehnmal effizienter als Biogas

Sechs bis zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen würden bereits zur Energieerzeugung in Biogasanlagen genutzt. Allerdings habe sich gezeigt, dass das nicht die effektivste Methode sei. Es sei nicht ausgeschlossen, dass eine solche Anlage in Ebringen wieder stillgelegt werde. „Auf der gleichen Fläche könnten wir in einem Solarpark zehnmal so viel Energie ernten wie mit Biogas“, sagt Klinger. Er kommt zu dem Schluss: „Wir müssen Flächen für Photovoltaik-Freianlagen anbieten.“ Andere Hegau-Gemeinden seien hier schon weiter.

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Zehn Flächen auf Gottmadinger Gemarkung eignen sich theoretisch für Solarparks

Doch wo hat die Gemeinde solche Flächen? Um wirtschaftlich betrieben werden zu können, müssten pro Anlage mindestens drei zusammenhängende Hektar zur Verfügung stehen. Das dürften außerdem keine landwirtschaftlichen Vorrangflächen sein. Bei seinen Recherchen hat Bauamtsleiter Urban Gramlich gemeindeeigene Liegenschaften, zum Beispiel entlang der Autobahn ausfindig gemacht. Bei ausreichender Größe könne die Kilowattstunde Strom für vier bis fünf Cent erzeugt werden. Erstaunt war man allerdings in der Verwaltung, dass die Energieversorger, über deren Netze der erzeugte Strom zunächst eingesammelt und dann wieder an die Nutzer verteilt werden müsste, darauf nicht vorbereitet seien.

Als Beispiel für eine Mehrfachnutzung eines Geländes führte Micheal Klinger einen Solarpark in Moss an, der auf einer ehemaligen Deponie installiert wurde. Zwischen den Panelen weiden Schafe.
Als Beispiel für eine Mehrfachnutzung eines Geländes führte Micheal Klinger einen Solarpark in Moss an, der auf einer ehemaligen Deponie installiert wurde. Zwischen den Panelen weiden Schafe. | Bild: Trautmann, Gudrun

Nicht alle Flächen werden für die Lebensmittelproduktion benötigt

Bevor Klinger mit den Räten in die Diskussion ging, nahm er ihnen das Ja-Aber aus dem Mund. „Ich weiß, dass jetzt Bedenken wegen des Flächenverbrauchs kommen werden“, sagt der Bürgermeister und schiebt gleich hinterher: „Maisfelder sind nicht schöner als Solarmodule.“ Ein Foto mit Kornblumen vor Solarpanelen soll den Gegenbeweis liefern. Den Vorwurf des Flächenverbrauchs kontert Klinger mit der mittlerweile bundesweit bekannt gewordenen gigantischen Lebensmittelverschwendung. Fast ein Drittel wandert in den Müll. Hier müsse ein Umdenken bei den Verbrauchern stattfinden. Dann würden auch weniger Hektar Ackerland für die Lebensmittelproduktion benötigt. Der Umweltbeauftragte der Gemeinde, Eberhard Koch (FWG), erinnert an die Stilllegung von Flächen vor 20 Jahren, um die Überproduktion von Lebensmitteln zu stoppen.

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Die Kommune will Vorbild sein und eigene Flächen zur Verfügung stellen

Die Gemeinde solle mit gutem Beispiel vorangehen und entsprechendes Gelände zur Verfügung stellen, schlug Klinger vor. Dafür brauchte er die Zustimmung des Gemeinderates. Wie solche Solarparks aussehen, können Interessierte bei der Randegger Ottilienquelle oder auf einer ehemaligen Mülldeponie in Moos oder Rickelshausen besichtigen. Doch jeder kennt solche Anlagen in der Region oder entlang von Autobahnen.

Gemeinderäte wollen die Bauern nicht im Stich lassen

Walter Beyl (FWG) erklärte: „Ich stehe hinter dem Projekt, obwohl Gottmadingen wenig geeignete Flächen hat.“ Er geht davon aus, dass 1,5 Prozent der Offenlandflächen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Solarparks nötig wären. Bernd Schöffling (CDU) hält es für sinnvoll und angesichts des technischen Fortschritts für möglich, als Gemeinde zwei bis drei größere Freianlagen zu betreiben. Stephanie Feißt-Ruh (FWG) ist grundsätzlich für den Bau eines Solarparks, solange einzelne Landwirte nicht eingeschränkt werden. Für Bernhard Gassner (SPD/UL) ist der Bau von dezentralen Solarparks die konsequente Folge nach dem Beschluss, auf den öffentlichen Dächern Sonnenstrahlen in Strom zu verwandeln. Bereits vor 20 Jahren hat Gottmadingen mit der Nutzung von Sonnenstrom auf öffentlichen Dächern begonnen und damit Pionierarbeit geleistet. Heute können durch moderne Technik noch mehr Dächer in dieses Programm aufgenommen werden.

Fachwissen von Projektentwicklern ist gefragt

Ulrich Rüede (FWG) forderte Lösungsangebote für die Landwirte, wenn diese sich an Solarparks beteiligen. Florian Schönle (FWG) hatte mit dem Thema noch ein Problem, weil noch viel zu wenig Wissen über solche Anlagen in der Gemeinde vorhanden sie. Er forderte Beratung durch einen Projektentwickler ein.

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