Zwei geplante Windräder in der Nähe einer bestehenden Anlage oberhalb des Engener Stadtteils Stetten werden nun doch nicht gebaut. Im Zug der Vorprüfungen hat das Singener Unternehmen Solarcomplex als Projektierer drei Nistplätze des geschützten Rotmilans festgestellt. Im Zusammenhang mit drei geplanten Windenergie-Anlagen auf der Gemarkung der Stadt Tengen im Gewann Brand sei in einem Bürgerbeteiligungsprozess im Engener Bereich Staufenberg ein Ersatz-Standort gesucht und gefunden worden. Dies, „um auf auf einen sehr nahe am Engener Ortsteil Stetten gelegenen Windkraft-Standort zu verzichten“, berichtet Bene Müller, Geschäftsführer von Solarcomplex.

Bild: Steller, Jessica

„Nun wurden bei der Artenschutz-Voruntersuchung im genehmigungsrechtlich maßgeblichen 1000-Meter-Radius drei Rotmilan-Horste entdeckt, sodass der Standort Staufenberg nicht weiter verfolgt wird“, so Bene Müller.

1,6 Kilometer von Stettener Kirche entfernt

Die Hegauwind-Gruppe (sie soll nach Verenafohren auch die geplanten neuen Windräder betreiben) habe den Bereich um das Gewann Brand nach einem neuen weiteren Ersatzstandort überprüft und einen neuen Windpark-Plan festgelegt. Dieser sei so angepasst, dass wieder alle drei Anlagen auf der Gemarkung Tengen stünden. Allerdings halte der neue dritte Standort einen Mindestabstand von 1.600 Metern zum Bezugspunkt Kirche Stetten ein, betont Müller.

Abstand schriftlich vereinbart

„Dieser Abstand war zwischen Solarcomplex und der Stadt Engen für den Fall, dass der Ersatzstandort Staufenberg zur Umsetzung kommt, schriftlich vereinbart worden. Auch wenn dieses nun nicht möglich ist, möchten die Projektbeteiligten bestmöglich auf die Belange der Bürger in Stetten Rücksicht nehmen“, betont der Solarcomplex-Geschäftsführer. Auch im neuen Windpark-Plan werde von einem Stromertrag von etwa 10 Millionen Kilowattstunden je Windenergie-Anlage ausgegangen. Das stelle einen erheblichen Beitrag zum dringend notwendigen Klimaschutz dar.

Standort wird als gleichwertig erachtet

Und wie bewerten die Sprecher der Initiative Hegaublick aus Stetten den neuen Standort, die Absage der Windkraft-Anlagen Staufenberg und den neuen Standort des dritten Windrades im Brand? „Der Standort ist meines Erachtens nach etwa gleichwertig wie der im Staufenberg“, sagt Siegfried Münzer. Die Initiative setze sich aber weiterhin dafür ein, dass überhaupt keine Windräder zwischen Watterdingen und Stetten gebaut werden.

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„Wir wollen den massiven Eingriff in die schöne Landschaft verhindern. Es braucht keine Windkraft, wenn es andere, viel günstigere Möglichkeiten gibt, regenerativen Strom zu erzeugen, wie durch Solaranlagen“, sagt Münzer.

„Ich bedaure, dass die geplanten Windpark-Anlagen am Staufenberg nicht gebaut werden können.“Johannes Moser, Bürgermeister von Engen
„Ich bedaure, dass die geplanten Windpark-Anlagen am Staufenberg nicht gebaut werden können.“Johannes Moser, Bürgermeister von Engen | Bild: privat

„Für uns Stettener ist es wichtig, dass die Anlage nicht direkt vor unserer Haustüre gebaut wird. Das wäre bei den ursprünglichen Plänen der Fall gewesen. Der neue Standort ist wenigstens nicht direkt von Stetten aus einsehbar“, sagt Michael Mayer, ein weiterer Sprecher des Dorfes. „Wir schätzen es, dass sich die Bürgermeister von Tengen und Engen, Marian Schreier und Johannes Moser, darum bemüht haben, eine bessere Lösung für Stetten zu finden. Wenn nun der Staufenberg nicht zum Zug kommt, ist das nicht politisch gescheitert, sondern am Milan“, so Mayer.

Meinungen sind im Dorf unterschiedlich

„Im Dorf gibt es verschiedene Meinungen. Die meisten Bürger würden wohl auf ein Windrad in ihrer Nähe verzichten. Es gibt aber auch Stimmen, die es akzeptieren, wenn Windkraft in unserer Region erzeugt wird, wie die von jungen Leuten“, so Mayer. „Ich bin aber froh, dass ich nicht aufwache und auf ein Windrad blicken muss“, betont er.

Nicht im direkten Blickfang

Der Engener Bürgermeister Johannes Moser bedauert, dass die Anlagen im Bereich Staufenberg aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht umsetzbar seien. „Der Standort wurde von einer großen Mehrheit der Bürger mitgetragen und hätte einen insgesamt höheren Beitrag für den Klimaschutz geleistet“, so Moser. Er bedanke sich bei der Hegauwind-Gruppe und dem Projektentwickler Solarcomplex, dass diese nicht auf den alten strittigen Standort zurückgehen. Der neu geplante Bereich der dritten Windenergie-Anlage liege deutlich weiter entfernt vom Stettener Ortskern und nicht im direkten Blickfeld Richtung Hegau/Bodensee, betont Moser.

Der Anlagentyp und damit auch die Höhe der Windkraft-Anlagen Brand stehe noch nicht fest, erklärt Bene Müller auf SÜDKURIER-Nachfrage. Der Bauantrag soll im letzten Quartal 2021 gestellt werden.

So hat sich die Suche nach den Windkraft-Standorten entwickelt

  • Nach dem Bürgerentscheid: Bei einem Tengener Bürgerentscheid gab es ein Votum von etwa zwei Dritteln Stimmenanteile für die Verpachtung von gemeindeeigenen Flächen für den Bau des neuen Windparks Brand zwischen den Gemarkungen von Watterdingen und Engen-Stetten. Von den bis zu drei dort geplanten Windkraftanlagen hatte die nördliche im Engener Stadtteil Stetten Widerspruch geerntet, da sie vom Ort aus von vielen Gebäuden aus gut zu sehen wäre. Der Engener Bürgermeister Johannes Moser hatte daraufhin einen Vorschlag in die Diskussion gebracht, wonach die Betreibergesellschaft Hegauwind auf die umstrittene nördliche Anlage verzichten sollte, wenn dafür auf einem Alternativ-Standort auf Engener Gemarkung ein oder zwei Anlagen errichtet werden könnten.
  • Die Stettener Abstimmung: Nach einer Vorprüfung wurde der Standort Staufenberg als voraussichtlich geeignet eingestuft und in einer Bürgerumfrage den Stettener Bürgern zur Abstimmung vorgelegt. Bei einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent befürworteten fast 90 Prozent der abgegebenen Stimmen den Standort Staufenberg. Er wäre von Stetten aus fast nicht sichtbar gewesen.
  • Hegauwind: An der Projektgruppe für den Windpark Brand zwischen Watterdingen und Stetten sind zehn Stadtwerke und Bürgerenergie-Unternehmen innerhalb der Gesellschaft Hegauwind beteiligt: die Stadtwerke Engen, Stockach, Singen, Radolfzell, die Gemeindewerke Steißlingen, die Thüga, die Bürgerenergie Bodensee eG und Solarcomplex sowie aus der Schweiz die EKS und SH Power.