Auf dem Gelände des Segelclubs Bodman ging es in den vergangenen Tagen rund. 20 Soldaten des Bereichs Unterstützung vom Ausbildungszentrum Spezielle Operationen aus Pfullendorf hatten hier ihre Zelte aufgeschlagen. Sie übten drei Tage lang verschiedene Verfahren zur Bergung von Personen im Wasser. Außerdem wurden die Boote, die rund neun Monate nicht im Einsatz waren, getestet.

Der Startpunkt für die Vorübung der Bundeswehr ist zum zweiten Mal beim Segelclub Bodman. Corona-bedingt tragen alle Soldatinnen und Soldaten einen Mund-Nase-Schutz.
Der Startpunkt für die Vorübung der Bundeswehr ist zum zweiten Mal beim Segelclub Bodman. Corona-bedingt tragen alle Soldatinnen und Soldaten einen Mund-Nase-Schutz. | Bild: Claudia Ladwig

Der Segelclub gewährte den Soldaten bereits zum zweiten Mal Quartier, erklärte Wolfgang Roth, der bei den Übungen vorbeischaute. Hauptmann Frank Moser, nebenamtlicher Presseoffizier des Ausbildungszentrums, dankte für die Bereitstellung der Infrastruktur.

Auch Hauptmann Volker Wolff, Leiter des Bereichs Unterstützung, lobte, die Kommunikation passe hervorragend, viele Dinge könne man im Vorfeld abstimmen. „Das ist fast ein freundschaftliches Verhältnis, was sich da aufbaut.“

Bei der Vorübung trainieren die Bootsführer, damit sie später bei der Wasserlandung der Fallschirmspringer genau an der richtigen Stelle sind, um diese aufzunehmen. Jedes Boot wird dann einen Springer samt Fallschirm bergen.
Bei der Vorübung trainieren die Bootsführer, damit sie später bei der Wasserlandung der Fallschirmspringer genau an der richtigen Stelle sind, um diese aufzunehmen. Jedes Boot wird dann einen Springer samt Fallschirm bergen. | Bild: Claudia Ladwig

Eigentlich hätte die Vorübung schon im Mai stattfinden sollen. Da durften die Soldaten der Bundeswehr aber noch nicht auf den See. Deshalb lag die Vorübung diesmal recht kurz vor dem Sprungdienst, der am 25. August beginnt. Frank Moser sagte, das Hygienekonzept des Ausbildungszentrums wird auch hier strikt eingehalten. So übernachteten beispielsweise nur zwei statt sonst vier Personen in einem Zelt. Einige Soldaten fuhren am Abend nach Hause, andere zurück in die Kaserne.

Auf Kommando nähern sich die vier Boote an, um sich mitten auf dem See nebeneinander zu legen. Das Verfahren nennt sich taktisches Anlegen.
Auf Kommando nähern sich die vier Boote an, um sich mitten auf dem See nebeneinander zu legen. Das Verfahren nennt sich taktisches Anlegen. | Bild: Claudia Ladwig

Normalerweise sind bis zu zehn Boote im Einsatz, dieses Mal nur vier. „Viel mehr Leute könnten auch nicht teilnehmen, weil wir gar nicht so viele Bootsbediener haben“, sagte Moser. Der Lehrgang für den Bootsführerschein sei dieses Jahr ausgefallen. „Wir haben jetzt schon Leute ausgeliehen, tauschen aber auch durch. Die Bootsführer können nicht den ganzen Tag in der prallen Sonne sein“, so Moser.

Vier Soldaten befinden sich im Wasser und müssen in der Übung gerettet werden. Sie helfen sich auch gegenseitig ins Boot.
Vier Soldaten befinden sich im Wasser und müssen in der Übung gerettet werden. Sie helfen sich auch gegenseitig ins Boot. | Bild: Claudia Ladwig

Bei der Vorübung trainierten die Soldaten unter der Leitung von Hauptfeldwebel Mike Supper verschiedene Verfahren. Stabsunteroffizier Alexander Kriger, selbst ein erfahrener Bootsführer, leitete die anderen Soldaten wegen der Manöver auf dem See an. Er hatte auch die Übungsinhalte mit festgelegt.

Hauptmann Volker Wolff erläuterte: „Die Bootsführer werden geschult, damit sie mit dem Boot klarkommen. Wir üben das taktische Anlegen und das Aufnehmen von Personen aus dem Wasser. Am Ende haben wir drei Tage lang das Material bewegt und wissen, ob alles funktioniert oder an welchen Stellschrauben noch gedreht werden muss.“

Eigentlich gebe es solche Übungen viel zu selten, ergänzte Frank Moser. „Aber wir haben wenig Luft, die Lehrpläne sind total voll.“

Mann über Bord – jetzt muss es im Ernstfall schnell gehen. Das erste Boot nähert sich, um den Soldaten aufzunehmen.
Mann über Bord – jetzt muss es im Ernstfall schnell gehen. Das erste Boot nähert sich, um den Soldaten aufzunehmen. | Bild: Claudia Ladwig

Ab dem 25. August findet dann die Übung Notverfahren Wasserlandung statt. 330 Fallschirme stehen dafür zur Verfügung. Wenn diese im Einsatz waren, wird die Übung beendet, denn die Fallschirme müssen trocknen. Nach ihrem Sprung und ihrer Bergung werden die Soldaten in ihren nassen Uniformen zurück nach Neuhausen gefahren. Von dort startet das Flugzeug dann zum nächsten Durchgang.

Die Fallschirmspringer stammen überwiegend vom Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf, aber auch wenige andere Teilnehmer werden springen. „Wegen Covid-19 haben wir die Anzahl der Gastspringer diesmal auf ein Minimum reduziert, damit sich das Personal nicht so vermischt“, erklärt Frank Moser.

Für die Fallschirmspringer, unter denen sich auch Frauen befinden, sind die Sprünge über dem Bodensee ein besonderer Höhepunkt, doch hauptsächlich dienen sie zur Übung des Notverfahrens Wasserlandung. „Die Springer brauchen vier Sprünge pro Jahr, um ihren Schein zu erhalten. Die Wasserlandung ist keine Pflicht, aber das Beherrschen des Verfahrens kann Leben retten. Es gibt jedoch nur ganz wenige Möglichkeiten dazu“, führte Moser aus.

Zwanzig Soldatinnen und Soldaten des Bereichs Unterstützung nehmen an der Vorübung in Bodman teil
Zwanzig Soldatinnen und Soldaten des Bereichs Unterstützung nehmen an der Vorübung in Bodman teil | Bild: Claudia Ladwig

Während der Fallschirm-Übung gibt es zwar eine Übungsanmeldung, aber keinen gesperrten Bereich auf dem Bodensee. Frank Moser sagte: „Der Schiffsverkehr bleibt wie immer. Wir weisen auf die Übung hin, können aber keinem verbieten da zu fahren, wo wir springen.“

Gerne hätte er das Mobil vom Karrierecenter aufgestellt und an einem Infostand interessierten Zuschauern Rede und Antwort gestanden. Die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen könne diesem Wunsch jedoch nicht entsprechen, da sie Corona-bedingte Auflagen habe, bedauerte der Presseoffizier.

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