Die Handballdamen des Sportvereins Allensbach (SVA) spielen aktuell in der dritten Liga. Das ist beachtlich für eine kleine Gemeinde – und viele Jahre hielt sich das Team sogar in der zweiten Bundesliga. Möglich ist das nur, weil Gemeinde und SVA in den 1980er-Jahren den Mut und das Geld aufbrachten, das Sportzentrum Kaltbrunn zu planen. Wobei der damalige Bürgermeister Helmut Kennerknecht betont: „Die Hauptsache war die Sporthalle.“ Denn damit hatte alles angefangen.

„Die Handballdamen waren im Sport immer das Aushängeschild für Allensbach“, berichtet Kennerknecht. Schon in den 50ern sei das ein gutes Team gewesen – damals noch im Feldhandball. In der Saison 1977/78 spielten die Allensbacherinnen in der Verbandsliga mit um die Meisterschaft, damals noch in der 1971 eingeweihten Bodanrückhalle. Bis es zum Heimspiel gegen die SG Dornstetten kam.

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Der damalige Vorsitzende Kurt Geisenberger erinnert sich noch gut: „Die waren mit dem Bandmaß da.“ Die Verantwortlichen aus Dornstetten maßen genau, ob das Spielfeld den Vorgaben des Verbands entsprach. „Es fehlten vier Meter in der Länge. Wenn sie gewonnen hätten, hätten sie wahrscheinlich gesagt: Okay.“

1982: So sah Kaltbrunn in den 1980er-Jahren aus. Das Sportzentrum war erst in Planung. Bevor es losgehen konnte, musste die Gemeinde erst alle Grundstücke kaufen. In Kaltbrunn selbst war die Freude über das Sportzentrum geteilt; unter anderem gab es Bedenken wegen der Größe und des befürchteten Lärms.
1982: So sah Kaltbrunn in den 1980er-Jahren aus. Das Sportzentrum war erst in Planung. Bevor es losgehen konnte, musste die Gemeinde erst alle Grundstücke kaufen. In Kaltbrunn selbst war die Freude über das Sportzentrum geteilt; unter anderem gab es Bedenken wegen der Größe und des befürchteten Lärms. | Bild: Luftbild: Günther Sokolowski

Doch Dornstetten legte Einspruch beim Verband ein. Der SVA habe falsche Maße gemeldet. Alle Heimspiele der Allensbacherinnen wurden daraufhin als verloren gewertet – und dem Verein noch 50 Mark Ordnungsstrafe aufgebrummt.

Ein Spielfeld mit den Maßen 40 mal 20 Meter war nötig. Der damalige Trainer und Manager Manfred Lüttin habe dabei Gas gegeben, berichtet Kennerknecht. „Er sagte: Sie besorgen die Halle und ich die zweite Bundesliga.“ Der Aufstieg dorthin gelang schließlich 1989.

Der Bau war ein Kraftakt für Sportverein und Gemeinde Allensbach, bilanzieren der damalige SVA-Vorsitzende Kurt Geisenberger (links) und der frühere Bürgermeister Helmut Kennerknecht. Doch es habe sich gelohnt, die Halle füge sich gut in die Landschaft ein.
Der Bau war ein Kraftakt für Sportverein und Gemeinde Allensbach, bilanzieren der damalige SVA-Vorsitzende Kurt Geisenberger (links) und der frühere Bürgermeister Helmut Kennerknecht. Doch es habe sich gelohnt, die Halle füge sich gut in die Landschaft ein. | Bild: Zoch, Thomas

Die Damen spielten derweil viele Jahre in Radolfzell. Und Gemeinde und SVA begannen mit der Planung für das Sportzentrum, in dem auch der Tennisclub und der Kraftsportverein unterkommen sollten. So eine multifunktionale Anlage sei damals ein innovatives Konzept gewesen, meint der frühere Bürgermeister (1983 bis 2015).

Zudem: Je mehr Vereine beteiligt waren, desto höher der mögliche Zuschuss. Der betrug dann 560.000 Mark bei 6,2 Millionen Mark Gesamtkosten – für die Gemeinde das teuerste Projekt in den 1980er-Jahren. Die Planung wurde dann auch noch mal abgespeckt.

Wie sich Kaltbrunn seit Anfang der 80er-Jahre doch verändert hat. Rechts in der Mitte ist der Sportkomplex zu erkennen, der ab 1990 gebaut werden konnte. Aber das ist nicht der einzige Neubau, der seitdem dazugekommen ist.
Wie sich Kaltbrunn seit Anfang der 80er-Jahre doch verändert hat. Rechts in der Mitte ist der Sportkomplex zu erkennen, der ab 1990 gebaut werden konnte. Aber das ist nicht der einzige Neubau, der seitdem dazugekommen ist. | Bild: Lukas Ondreka

Ein wichtiger Baustein sei es gewesen, dass der SVA seinen früheren Sportplatz an die Gemeinde abgab, so Kennerknecht. Aus diesen 1,2 Hektar wurde das Baugebiet am Röhrenberg. Man habe damit rund 2,5 Millionen Mark für das Sportzentrum eingenommen. Doch es sei zunächst schwierig gewesen, einen Standort zu finden, so Kennerknecht und Geisenberger.

Nach jahrelanger Planung in den 1980ern konnten Kurt Geisenberger (links) und Helmut Kennerknecht am 1. Oktober 1990 endlich den Spatenstich vollziehen. Die Planung wurde dabei etwas abgespeckt. Anfangs sollte an die Sporthalle noch eine Gymnastikhalle angegliedert werden, der Fußballplatz eine Tartanbahn bekommen. Und ein Zeltplatz für die Jugend aus der Region war ebenfalls vorgesehen. Der Komplex war ein Werk es damals jungen Allensbacher Architekten Hartmut Hügel.
Nach jahrelanger Planung in den 1980ern konnten Kurt Geisenberger (links) und Helmut Kennerknecht am 1. Oktober 1990 endlich den Spatenstich vollziehen. Die Planung wurde dabei etwas abgespeckt. Anfangs sollte an die Sporthalle noch eine Gymnastikhalle angegliedert werden, der Fußballplatz eine Tartanbahn bekommen. Und ein Zeltplatz für die Jugend aus der Region war ebenfalls vorgesehen. Der Komplex war ein Werk es damals jungen Allensbacher Architekten Hartmut Hügel. | Bild: Architekt Hartmut Hügel/hfr

Der jetzige, der teils im Landschaftsschutzgebiet liegt, sei nur möglich gewesen durch den damals neuen Flächennutzungsplan. In Kaltbrunn war die Freude geteilt. Vor allem die Anwohner im Lindenweg hätten Lärmbelästigung gefürchtet, weshalb es einen Lärmschutzwall brauchte. Wozu Geisenberger anmerkt: „Ich habe in den 19 Jahren, in denen ich Vorsitzender war, keine Reklamation bekommen.“

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Im Gemeinderat und beim SVA habe es kritische Stimmen wegen der Größe gegeben. Bis dann am 1. Oktober 1990 endlich der erste Spatenstich vollzogen werden konnte. Einweihung war im August 1992; damals noch mit rotem Hartplatz statt Fußballrasen.