Über Monate war die Brigach im Sommer 2021 eine Großbaustelle. Scheinbar sind die Arbeiten beendet – aber der Eindruck täuscht.

Hochwasserschutz ist nicht erst seit der verheerenden Überschwemmungs-Katastrophe bei Ahrweiler ein Thema. Auch an Brigach und Breg gibt es immer wieder bange Tage, wenn viel Niederschlag oder Schmelzwasser die Bäche über die Ufer treten lässt.

Die Brigach Mitte Januar: Schnee und Eis und dazwischen der Bach, der an der Paradiesgasse wie fast immer von Enten (vorne links) bevölkert ist.
Die Brigach Mitte Januar: Schnee und Eis und dazwischen der Bach, der an der Paradiesgasse wie fast immer von Enten (vorne links) bevölkert ist. | Bild: Trippl, Norbert

„Im Hinblick auf den Klimawandel gewinnt neben der Erfassung des Hochwasserabflusses auch die Dokumentation der Niedrigwasserabflüsse zunehmend an Bedeutung“, erklärte im Sommer 2021 Projektleiter Benno Schulz vom Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium und fügte hinzu: „Die Messdaten des Pegels sind eine wichtige Entscheidungshilfe für die Umweltverwaltung und die Gewässernutzer, um in anhaltenden Trockenzeiten zum Beispiel Wasserentnahmen steuern zu können.“

Spannend wird es auch bei Niedrigwasser

Der neue Pegel hat insgesamt verbesserte Messbedingungen, „um die Wasserstände und damit auch die Abflüsse im Gewässer genauer messen zu können“, so eine Sprecherin. Dies wirke sich vor allem auch im Bereich von Niedrigwasserphasen aus, „da bisher hier die Erfassung keine gute Qualität geliefert hatte“, heißt es weiter erklärend vom Präsidium.

Die Arbeiten, die im Juni begonnen hatten und von vielen Schaulustigen beobachtet wurden, sollten im Oktober beendet sein. 500.000 Euro wird das Gesamtprojekt kosten.

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Die Messspanne wird aber in Bezug auf die mit dem Klimawandel vermutlich verstärkt und länger andauernden Zeiten mit Niedrigwasser wichtig, um Phasen mit weniger Wasser im Bachbett besser steuern zu können. Die Experten sprechen hier auch von Niedrigwasser-Management.

Messen und dann reagieren

Konkret heißt das: Die Bäche sollen wie hier an der Brigach insgesamt als bedeutsame, ökologische Lebensräume von Kleintieren, Fischen und Vögeln mehr geschützt werden. „Eine Beschränkung von Nutzungen“, so die Sprecherin des Regierungspräsidiums, soll hier gezielter und detailgenauer ansetzen können.

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Neben den verbesserten Messbedingungen wurde durch den Umbau auch die Durchgängigkeit für Fische und Klein-Lebewesen am Pegelstandort hergestellt, sodass eine Durchwanderung nun möglich ist, die bisher nur sehr eingeschränkt gegeben war. Im Klartext: Die Bäche sollen für Wassertiere und deren Nahrungsketten auch flussaufwärts erreichbare Lebensumgebungen bieten.

Pegelhaus und Technik fehlen

Heute, im Januar 2022, räumt das Regierungspräsidium auf Nachfrage des SÜDKURIER ein: „Es fehlen noch das Pegelhaus und die Messtechnik, um den Wasserstand zu messen, sowie weitere Parameter wie Temperatur, Leitfähigkeit, Sauerstoff und pH-Wert festzustellen“. In einem Pilotversuch wollen die Behörden an der Villinger Brigach hierzu viel mehr Daten als früher erfassen. Eine Sprecherin der Behörde sagt nun: „Pegelhaus und Messtechnik sollen nach jetzigem Stand bis spätestens Anfang März stehen und betriebsbereit sein.“

Datenschatz seit 1958 gespeichert

Bis März ist vermutlich das erste Hochwasser des Jahres durch das hohe Villinger Bachbett gerauscht. Die Januar-Schneefälle sind aktuell vom Frost fixiert und werden mit der nächsten Stafette wärmerer Tage schmelzen.

Video: Fröhlich, Jens

Die Messstelle an der Villinger Brigach ist in der Höhe der hier querenden Paradiesgasse einer von rund 80 Pegeln im Regierungsbezirk Freiburg, der seit 1958 eine lange Datenreihe hat und dessen Messwerte für verschieden wasserwirtschaftliche Fragestellungen wie die Bemessungen von wasserbaulichen Anlagen, Bewertung von Einleitungen, Stützstellen für die Berechnung von Hochwasser-Gefahrenkarten oder die Erfassung der veränderten Abflusssituation in Zeiten des Klimawandels herangezogen wird.

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Zudem ist die Messstelle ein regionaler Alarmpegel nach dem Hochwasser-Alarmplan des Landratsamtes Schwarzwald-Baar, um im Hochwasserfall die Abflusssituation an der Brigach einschätzen zu können und entsprechende Maßnahmen regional steuern zu können.

Ein System, das die Bürger schützt

Im Verbund mit den weiteren Pegeln in Donaueschingen an Brigach und Breg und an der jungen Donau, ist er im Hochwasserfall eine wichtige Stelle für die Einschätzung der Entwicklung von Hochwassern.

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