Kaffeemaschinen, Wasserhähne, Autos, Maschinen in der Industrie: Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch die Zahl der Schnittstellen, an denen Menschen und Maschinen aufeinandertreffen und auf Anhieb reibungslos funktionieren müssen. Deshalb gibt es seit einem Jahr einen neuen Bachelorstudiengang an der Hochschule Furtwangen (HFU), der sich genau mit diesem Zusammenspiel beschäftigt.

Was macht ein Ingenieurpsychologe?

"In der Ingenieurpsychologie arbeiten Ingenieure, Designer und Psychologen zusammen, um den Nutzern die Bedienung ihrer Maschinen möglichst leicht zu gestalten", erklärt Professor Gerald Schmidt, der zusammen mit seinem Kollegen Stefan Pfeffer den Studiengang auf dem Hochschulcampus in Tuttlingen leitet. "Es geht hier um den sogenannten Joy of Use, also die Bedienfreude und Benutzerfreundlichkeit von Objekten", so Schmidt. Wenn ein Anwender eine Maschine oder seinen gesamten Arbeitsplatz möglichst leicht bedienen kann, sammelt er positive Erfahrungen bei der Benutzung, was im Endeffekt zur Zufriedenheit mit dem Produkt führt.

Sie forschen auf dem Campus der Hochschule Furtwangen in Tuttlingen an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: Die Studentinnen Behiye Kurban und Kerstin Rohrmann zusammen mit ihren Professoren Stefan Pfeffer und Gerald Schmidt.
Sie forschen auf dem Campus der Hochschule Furtwangen in Tuttlingen an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: Die Studentinnen Behiye Kurban und Kerstin Rohrmann zusammen mit ihren Professoren Stefan Pfeffer und Gerald Schmidt. | Bild: Kevin Rodgers

Breite Produktpalette

Um die Interaktion der Menschen und ihrer Geräte zu testen, sammeln die Tuttlinger Ingenieurpsychologen Informationen und werten diese anschließend aus. Im Falle von neuen Wasserhähnen geschieht dies beispielsweise über Prototypen, die von Probanden getestet werden. Daraus können Rückschlüsse gezogen werden, etwa in welchem Winkel der Bewegungssensor am Wasserhahn angebracht werden sollte. "Es geht oft auch darum, Bestehendes zu hinterfragen", erklärt Stefan Pfeffer.

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Neben Geräten und Maschinen geht es auch um das Design des eigentlichen Arbeitsplatzes. "Das fängt mit ermüdungsfreier Beleuchtung an und reicht bis hin zur konkreten Position von Arbeitsmitteln oder dem Menüaufbau in Bedienelementen von Maschinen. "Gameification", also das Hinzufügen von spielerischen Elementen, nennt der Fachmann einen derart unter die Lupe genommenen Arbeitsplatz. "Die Bedienung soll natürlich schnell und fehlerfrei gelingen. Gleichzeitig soll der Mensch dabei nicht kaputtgehen", so Pfeffer. Beispiele hierzu findet man in der Industrie, aber auch bei Fluglotsen oder beim Militär.

Der Tower des Münchner Flughafens: Der Arbeitsplatz von Fluglotsen ist herausfordernd und darf deshalb keine Fragen offen lassen.
Der Tower des Münchner Flughafens: Der Arbeitsplatz von Fluglotsen ist herausfordernd und darf deshalb keine Fragen offen lassen. | Bild: Deutsche Flugsicherung

Technik ist nicht immer Fortschritt

Ein besonders einprägsames Beispiel aus dem Alltag ist die zunehmende Digitalisierung im Auto. Dort, wo früher noch Knöpfe die Lautstärke geregelt oder die Temperatur verändert haben, ziehen immer mehr berührungsempfindliche Touchscreens ein.

Autofahren ist zu 90 Prozent eine visuelle Aufgabe. Kommen durch einen Touchscreen neue Impulse für das menschliche Auge, bedeutet das zusätzliche Arbeit für das Sehorgan. Deshalb sind Touchscreens aus ingenieurpsychologischer Sicht weniger prakisch als etwa Dreh-Drück-Knöpfe oder klassische Tasten.
Autofahren ist zu 90 Prozent eine visuelle Aufgabe. Kommen durch einen Touchscreen neue Impulse für das menschliche Auge, bedeutet das zusätzliche Arbeit für das Sehorgan. Deshalb sind Touchscreens aus ingenieurpsychologischer Sicht weniger prakisch als etwa Dreh-Drück-Knöpfe oder klassische Tasten. | Bild: Kevin Rodgers

Ein Trend, der von den Ingenieurpsychologen skeptisch gesehen wird. "Autofahren ist zu 90 Prozent eine visuelle Aufgabe. Kommen durch einen Touchscreen neue Impulse für das menschliche Auge, bedeutet das zusätzliche Arbeit für das Sehorgan", erklärt Stefan Pfeffer. Deshalb sind Touchscreens aus ingenieurpsychologischer Sicht weniger prakisch als etwa Dreh-Drück-Knöpfe oder klassische Tasten.

Eine Idee des Marketings

Die Touchscreens, so die Hochschulprofessoren, seien eher eine Erfindung des Marketings. Aus haptischer Sicht sinnvoller wären weiterhin die lange bekannten und erprobten Tasten, mit denen die Hände die Augen beim Autofahren entlasten können.

Mythos Porsche 911: Seit seiner Präsentation 1963 entwickelt der Sportwagenbauer den Elfer bis heute stetig weiter. Im Bild links ein 2.0 Coupé von 1964 und rechts ein Carrera 4S Coupé der aktuellen Baureihe 991.
Mythos Porsche 911: Seit seiner Präsentation 1963 entwickelt der Sportwagenbauer den Elfer bis heute stetig weiter. Im Bild links ein 2.0 Coupé von 1964 und rechts ein Carrera 4S Coupé der aktuellen Baureihe 991. | Bild: Porsche

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