Insgesamt sind die Straftaten in der Doppelstadt im vergangenen Jahr um 9,5 Prozent auf von 4386 auf 3989 Fälle gesunken. Das war die positive Botschaft, die bei einer Pressekonferenz der Stadt gemeinsam mit Vertretern der Polizeireviere und des Kriminalkommissariats, verkündet wurde. Wie Thomas Barth, Revierleiter in Villingen, erklärte, liege ein Fokus der Arbeit bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität. Hier bestehe die Möglichkeit, frühzeitig kriminelle Karrieren zu verhindern.

  • Ein krasser Fall: Detlef Eggert, der stellvertretende Leiter des Kriminalkommissariats, konnte hier anhand eines aktuellen Falles aufzeigen, wie hervorragend die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendämtern klappt. Ende 2017 meldeten Schulsozialarbeiter in Schwenningen, dass eine Gruppe von Jugendlichen anfangen würde, andere Schüler zu mobben, zu bedrohen und zum Diebstahl anzuleiten. "Das waren alarmierende Tendenzen und es war klar, dass wir gleich reagieren müssen, damit sich diese Strukturen nicht verfestigen." Es sei schnell eine Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen worden, um klar zu machen: "Der Staat schaut nicht tatenlos zu, sondern reagiert." Die ungefähr 18 Mitglieder der Gruppe, die sich selbst als "Kanakengang" bezeichnete, sind laut Eggert zwischen 12 und 16 Jahre alt. Sie haben in größerem Umfang Ladendiebstähle begangen und andere Jugendliche dazu angestiftet. "Auch sind Mitschüler bedroht worden und sie mussten Geld abgeben", schildert Detlef Eggert das Vorgehen.
     
Das könnte Sie auch interessieren
  • Die Ermittlungsgruppe: In der Ermittlungsgruppe hat die Kriminalpolizei mit den Jugendsachbearbeitern der Reviere, den Jugendämtern von Stadt und Kreis, Schulen, Schulsozialarbeitern und der Staatsanwaltschaft Konstanz bestens zusammengearbeitet. "Das war für alle ein Novum und wir mussten auch viele Dinge klären, was ist rechtlich zum Beispiel erlaubt, welche Grenzen setzt der Datenschutz beim Austausch von Informationen", so Eggert. Ein Jugendstaatsanwalt kam aus Konstanz und war vor Ort tätig. Es gab elf Wohnungsdurchsuchungen, auch bei zum Teil nicht strafmündigen Jugendlichen, um beispielsweise das Diebesgut zu beschlagnahmen. "Da stand die Staatsanwaltschaft voll dahinter."
  • Die Maßnahmen: In Fallkonferenzen, auch mit den Eltern der betroffenen Jugendlichen, ist in enger Absprache aller Beteiligten das weitere Vorgehen besprochen worden. "Wir haben auch versucht, den Eltern klar zu machen, dass sie Verantwortung tragen." Erfreulicherweise sei es gelungen, rund 80 Prozent der Banden-Mitglieder wieder auf den rechten Weg zu bringen: "Sie haben einen Schulabschluss gemacht und befinden sich zum Teil in einer Ausbildung." Nach den Erfahrungen von Detlef Eggert wird es immer Jugendliche geben, bei denen sich trotz aller Anstrengungen eine kriminelle Karriere nicht vermeiden lässt, weil eventuell das Umfeld zerrüttet ist.
  • Dauerhafte Ermittlungsgruppe: Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit sei beschlossen worden, die Ermittlungsgruppe "Jugend" dauerhaft im Kriminalkommissariat anzusiedeln. Fünfeinhalb Stellen sind dafür veranschlagt worden, so sei gewährleistet, dass man im Falle von Jugendkriminalität schnell reagieren könne, was hier immens wichtig, um erfolgreich arbeiten zu können. "Die Polizeireviere haben für diese Ermittlungsgruppe auch Personal abgegeben, was uns natürlich schmerzt, aber es ist ein Erfolgsmodell", so Alexander Türschmann vom Polizeirevier Schwenningen. Der hohe Personaleinsatz mache sich bezahlt: "Das ist eine Investition in die Zukunft." Die neue Ermittlungsgruppe kümmert sich in Zukunft auch um Fälle vermisster Jugendlicher, da hier wirklich viel Fachkompetenz gebündelt sei.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €