Das Klinikum Landkreis Tuttlingen stellt die Weichen auf Zukunft: Nachdem die Bewältigung der Pandemie die Bedeutung des Klinikums für die Versorgung der Bevölkerung im Landkreis verdeutlich hat, plant das Klinikum mit der Errichtung eines Bettenhauses und eines Funktionsbaus für die langfristige Sicherung der wohnortnahen Versorgungsbedarfe eine zeitgemäße Infrastruktur.

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Nach Abschluss der dann noch anstehenden letzten Sanierungsarbeiten im Bestand ist das Klinikum auf die bestehenden Herausforderungen an eine moderne Medizin und den demographischen Wandel gut vorbereitet.

Zwei neue Gebäude

Mehrere Alternativen zur baulichen Umsetzung wurden vom Büro Wörner Traxler Richter Architekten und dem Klinikum ausgearbeitet – für den Aufsichtsrat des Klinikums war die Entscheidung klar: Der Bau zweier Gebäude, dem Bettenhaus E und einem Funktionsbau F zur Unterbringung eines zentralen OPs, einer Intensivstation und Sterilgutversorgung ist die beste Lösung.

Die aktuelle Planung der Baumaßnahmen: Mittelbau plus Bauteil A bis D bilden den Bestand. In Bauplanung befinden sich das Bettenhaus E, ein Funktionsgebäude F sowie das Parkhaus.
Die aktuelle Planung der Baumaßnahmen: Mittelbau plus Bauteil A bis D bilden den Bestand. In Bauplanung befinden sich das Bettenhaus E, ein Funktionsgebäude F sowie das Parkhaus. | Bild: Klinikum Tuttlingen

So können zum einen die erheblichen Risiken von Sanierungsarbeiten bei laufendem Betrieb auch mit Blick auf die Patienten vermieden werden und zum anderen ermöglichen es die so freiwerdenden Flächen dem Klinikum, sich zukunftssicher aufzustellen: Den wachsenden Bedarfen an diagnostischen und interventionellen Leistungen der Inneren Medizin kann durch sanierte und erweiterte Flächen im A-Bau beispielsweise Rechnung getragen werden.

Konkrete Planungen

Das neue Bettenhaus E wird auf drei Stockwerken 100 Betten im Wesentlichen im Zwei-Bett-Zimmerstandard unterbringen. Das Baufeld ermöglicht ausreichende Abstandsflächen zum Bestand bei gleichzeitig funktionaler Anbindung an den Bestand über einen ein- oder zweigeschossigen Verbindungsgang. Der Kubus mit Lichthof schafft auf den Stationen ein gerade für ältere Menschen angenehmeres Raumgefühl, als dies bei langgestreckten Bauten der Fall ist.

Fünf OP-Säle

Der Operationsbereich wird mit fünf Operationsräumen und einem Eingriffsraum nach Ansicht der Planer den derzeitigen und künftigen Bedarfen gerecht. Einer dieser Operationsräume wird für Notfälle immer zeitnah frei sein, so die Planung, was angesichts eines Anteils von 27 Prozent Notfällen an allen Eingriffen für die Versorgungssicherheit erforderlich ist. Der Bereich des Eingriffsraums wird vom übrigen OP abtrennbar sein, sodass hier auch Patienten mit Infektionen sicher behandelt werden können.

Acht Beatmungsplätze

Die neue Intensivstation wird acht Beatmungsplätze und weitere acht Überwachungsplätze vorhalten, von denen ein Teil temporär für die Durchführung von Beatmungen aufgerüstet werden kann. Damit kann diese Säule der Notfallversorgung beispielsweise für Patienten mit Schlaganfällen oder unklaren Brustschmerzen gestärkt werden. Die Sterilgutversorgung, welche benutzte OP-Instrumente wiederaufbereitet, wird wie bisher auf die Bedarfe der Klinik ausgerichtet sein – wobei eine Modernisierung zur Verbesserung der Abläufe und Sicherstellung der Qualität in diesem hochsensiblen Bereich führt.

Moderates Wachstum möglich

Planungen für die Nachnutzung freiwerdender Flächen: Aus Sicht des Landkreises als Träger ist die Zukunftssicherheit mit Blick auf die Flächenbedarfe ein sehr starkes Argument für die Lösung zweier Neubauten. Die zusätzlich gewonnenen Flächen bewegen sich dabei in einer moderaten Größenordnung, der Typus einer kompakten Klinik mit kurzen Wegen bleibt erhalten. Gleichzeitig können im Rahmen anstehender Sanierungen im Bestand durch neue Anordnungen von Funktionseinheiten Betriebsabläufe verbessert und Flächenansätze an aktuelle Erfordernisse angepasst werden. Die Klinik ist damit auf ein moderates Wachstum eingestellt, welches beispielsweise mit Blick auf die Geriatrie erwartet wird. Nach der Fertigstellung der Neubauten werden die Räumlichkeiten des alten Funktionsgebäudes saniert und es kann unter anderem das bereits erwähnte Diagnostik- und Therapiezentrum der Inneren Medizin umgesetzt werden.

Kosten und Förderung

Nach derzeitiger Kostenschätzung (Basis Preisstand Q1 2020) werden für das Bettenhaus und den Funktionsneubau insgesamt rund 60 Millionen Euro aufzuwenden sein. Die Kosten für den Funktionsneubau F sind im Vergleich zur ursprünglichen Sanierungslösung nicht sehr viel höher, da diese mit einer Entkernung und einem Neuaufbau der dafür vorgesehenen Flächen einhergegangen wäre. Für die Sanierung der freiwerdenden Flächen werden die Kosten nach aktuellem Stand bei noch nicht abgeschlossener Planung auf circa zehn Millionen Euro geschätzt.

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Für die Baumaßnahmen wird eine Förderung beim Sozialministerium beantragt. Erste Gespräche haben die grundsätzliche Förderfähigkeit bestätigt, wobei die konkrete Förderquote erst anhand der noch zu erstellenden Entwurfsplanungen festgelegt werden kann. Für den Landkreis ist dies eine enorme Investition in die Sicherung der Gesundheitsversorgung, die aber im Vergleich mit den Kosten baulicher Entwicklungen an anderen Klinikstandorten als sehr wirtschaftlich erscheint.

Neues Parkhaus geplant

Der konkrete Baubeginn des Bettenhauses wird davon abhängen, dass das Thema Parken am Klinikum gelöst ist: Auf Grund der Baulogistik werden nämlich Flächen im Bereich des bestehenden Besucherparkplatzes benötigt. Um Engpässe vor allem in der Bauphase zu vermeiden, wird ein Parkhaus geplant, welches vor Beginn der Baumaßnahmen fertiggestellt werden soll. Zudem wurde ein Bedarf von 150 Stellplätzen zusätzlich zu den vorhandenen im Rahmen eines Verkehrsgutachtens in 2019 ermittelt. Auch diese sind in dem Parkhaus mit insgesamt 300 Stellplätzen, welches auf einem Teil der Fläche des derzeitigen Besucherparkplatzes errichtet wird, berücksichtigt. Das Parkhaus wird sich durch seinen Betrieb refinanzieren.