Sieben positive Fälle am Mittwoch, 15 am Donnerstag, zehn am Freitag – die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis Tuttlingen steigt aktuell wieder stärker an. Landrat Stefan Bär geht davon aus, dass der Landkreis bald die sogenannte Vorwarnstufe überschreiten wird, das heißt 35 Fälle auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Bild: Müller, Cornelia

Sogar ein Überschreiten des Schwellenwerts der Sieben-Tage-Inzidenz von 50 auf 100000 Einwohner schließen Kreisverwaltung und Gesundheitsamt nicht aus. Das würde bedeuten, dass der Kreis als Risikogebiet gilt, mit weitreichenden Folgen hinsichtlich der Restriktionen. Zu den Hauptursachen der Entwicklung zählt eine Hochzeitsfeier. In vier Schulen und einem Kindergarten gab es Positivfälle.

Hochzeitsfeier als Auslöser

Im September und August hatte es noch besser ausgesehen. Rund 95 Prozent der Infizierten waren getestete Reiserückkehrer aus unterschiedlichen Ländern, von Osteuropa über Finnland bis Mexiko. So sagt Landrat Bär: „Die jüngsten Fälle sind eindeutig einer Hochzeitsfeier zuzuordnen.“ Das Gesundheitsamt müsse etliche Kontaktpersonen nachverfolgen.

Ein positiver Fall zieht meist eine Vielzahl von Kontaktpersonen nach sich. So ließen sich Infektionen in Familien, in Schulen, in Sportvereinen und auch Betrieben ausmachen. Bei den Schulen sind laut Stefan Bär einzelne Klassen im Otto-Hahn- und Immanuel-Kant-Gymnasium betroffen, ebenso in der Steinbeis-Schule sowie der Schildrainschule (alle in Tuttlingen). Außerdem der Kindergarten „Am Bach“ in Wurmlingen. Bei den getesteten Mitschülern habe sich laut Stefan Bär kein positiver Fall ergeben. Dennoch sind alle in 14-Tage-Quarantäne.

„Alle Waffen im Einsatz“

„Die neuen Zahlen haben uns mit Wucht getroffen und wir sind mit allen Waffen im Einsatz, um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern“, so Siegfried Eichin, Leiter des Gesundheitsamts, beim Pressegespräch. Mehrfach wurde die Behörde für ihre schwierige Arbeit auch personell aufgestockt.

Derzeit zehn Schwerpunktpraxen

Wie Sozialdezernent Bernd Mager betonte, verfügt der Landkreis, was die Tests angeht, derzeit über zehn Schwerpunktpraxen und das zentrale Testzentrum in Spaichingen. Komme es im Winter zusätzlich zu Corona noch zu vermehrten Grippeerkrankungen, könnte Spaichingen zur allgemeinen Fieberambulanz ausgebaut werden.

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Sollten sich die Fallzahlen im Landkreis Tuttlingen weiter nach oben entwickeln, sind zunächst die Gemeinden als Ortspolizeibehörden, dann in der nächsten Stufe das Landratsamt mit strengeren Restriktionen gefragt. Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 auf 100.000 Einwohner werden Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer beschränkt, in privatem Umfeld auf 25. Wird der 50-er-Schwellenwert erreicht, dürfen sich noch 25 Teilnehmer öffentlich treffen und zehn privat.

Kreis droht zum Risikogebiet zu werden

Die Verantwortlichen sind sich der Auswirkungen solcher Einschränkungen auf die Gastronomie und zum Beispiel Vereine bewusst und bedauern sie. Würde der Kreis tatsächlich als Folge weiterer zunehmender Fallzahlen die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 auf 100000 Einwohner übersteigen, wäre er Risikogebiet, was zum Beispiel Ein- und Ausreisen von/in andere Bundesländer beeinflussen würde.

Das Ziel: Kein zweiter Lockdown

Das Ziel sei, so Bär, kein zweiter Lockdown. Gaststätten, Läden, Geschäfte sollen geöffnet bleiben, Vereine sich mit Maß treffen dürfen, ebenso Privatleute.“ Sowohl Bär als auch Eichin äußerten Verständnis, dass sich die Menschen nach so langer Zeit wieder nach Kontakten und Ausgelassenheit sehnen, appellierten aber weiter an die Disziplin der Kreisbewohner, was Maskenpflicht, Abstandsregelung und Hygiene angeht. Außerdem sprachen sie die Empfehlung aus, auf eine Teilnahme an größeren Veranstaltungen möglichst zu verzichten.