Es ist der langersehnte Lichtblick am Ende eines langen Tunnels. Wenn die Inzidenzzahlen weiterhin unter der Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner bleiben, treten ab kommender Woche Lockerungen der Corona-Verordnungen in Kraft. Das bedeutet unter anderem, dass Ferienvermieter wieder Gäste beherbergen dürfen. Drei Ferienvermieterinnen schildern, wie sie sich auf die ersten Gäste freuen. Sie üben aber auch harsche Kritik an den Regelungen der vergangenen Monate, in der sich die Tourismusbranche von der Politik im Stich gelassen fühlte.

Leerstand seit November

Elke Henninger vom Schweizermichelhof in Brigach, Elke Bähr vom Kernenhof in Oberkirnach und Silke Dold vom Farnbauernhof in Schönwald atmen auf. „Endlich dürfen wir wieder Feriengäste empfangen.“ Seit November standen Zimmer und Ferienwohnungen leer, die Gästebetten blieben unbenutzt.

Öffnung in letzter Sekunde

Für die drei Ferienvermieterinnen kommt die jetzige Öffnung buchstäblich in letzter Sekunde. „Die Situation wurde zuletzt immer prekärer, weil Einnahmen fehlten und wir keine Öffnungsperspektive hatten“, schildert Elke Henninger. Die Ferienvermietung macht bei den Gastgebern von Ferien auf dem Bauernhof die Hälfte der Einnahmen aus. Die andere Hälfte der Einnahmen wird aus der Landwirtschaft erzielt. Finanzielle Hilfe gab es praktisch keine, weil die Ferienvermietung häufig nicht als eigenständiges Gewerbe angemeldet ist.

Unverständnis über die Politik

Dabei hätten gerade die Vermieter auf dem Bauernhof in den vergangenen Monaten dazu beitragen können, dass sich die Infektionszahlen nicht weiter steigen. „Die Politik hätte doch froh sein müssen über jeden, der rausgeht aus der Stadt, damit sich die Lage dort entspannen kann“, sagt Elke Bähr. Auf den Bauernhöfen sei ausreichend Platz, dass die Abstandsregeln hätten bedenkenlos eingehalten werden können. „Hier wären Feriengäste sicherer gewesen als in den Ballungsräumen. Eigentlich hätte uns der Staat unterstützen müssen, stattdessen wurden wir immer hingehalten“, kritisiert Elke Henninger.

Vergeblicher Versuch eines Modellprojekts

Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen, zu der auch Vermieterin Barbara Bruker-Wernert gehört, hat sie Henninger auch versucht, eine Art Modellprojekt ins Leben zu rufen. Unterstützung hat das Damenquartett dabei von den Bürgermeistern aus St. Georgen und Furtwangen, Michael Rieger und Josef Herdner, erhalten. „Wir haben unsere Ideen auch bei den Bundes- und Landtagsabgeordneten Thorsten Frei (CDU), Marcel Klinge (FDP) und Martina Braun (Grüne) vorgebracht. Aber auch sie konnten gegen die Bundesnotbremse nichts ausrichten.“

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Jetzt wollen die Vermieterinnen positiv nach vorne schauen. Nach dem klar war, dass voraussichtlich ab kommender Woche die Beherbungsbetriebe öffnen dürfen, sei das Telefon nicht mehr stillgestanden und das E-Mail-Postfach füllt sich unaufhörlich mit Anfragen. „Die Leute sind heiß darauf, endlich wieder verreisen zu können und sich von den vergangenen Monaten, die für viele auch eine psychische Belastung waren, erholen können“, sagt Silke Dold.

Das zeigt sich an den Buchungen. „Wir haben jetzt bereits Reservierung bis November“, sagen die Vermieterinnen. Derzeit kommen die Reservierungen noch vor allem aus Baden-Württemberg und den angrenzen Bundesländern wie Bayern, Hessen und dem Saarland.