Schulbetrieb mit Einbahnregelung, große Pause auf unterschiedlichen Schulhofebenen, Unterricht, bei dem sich Lehrer aus dem Homeoffice ins Klassenzimmer dazuschalten, und ein Schulleiter, der „stocksauer“ ist: Mit der teilweisen Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts am Montag mussten sich Lehrer und Schüler an den St. Georgener Schulen auf einige Neuerungen einstellen.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

An der Robert-Gerwig-Schule habe die gute Vorbereitung der vergangenen zwei Wochen Wirkung gezeigt. „Alle Schüler haben am Morgen eine Einweisung bekommen, wie sie sich zu verhalten haben, weil wir keine Lust haben, die Schule in zwei Wochen wieder schließen zu müssen“, so Rektor Jörg Westermann. Die insgesamt 61 Schüler der Klassenstufen neun und zehn wurden in sieben Kurse aufgeteilt, die sich auf mehrere Klassenzimmer verteilen.

Im Bildungszentrum gilt Einbahnregelung.
Im Bildungszentrum gilt Einbahnregelung. | Bild: Sprich, Roland

Wie Westermann sagt, gibt es an der Schule keine Tragepflicht von Mund- und Nasenschutzmasken. „Einzelne Schüler tragen freiwillig eine Maske.“ Lehrer bekommen von der Schule auf Wunsch Gesichtsvisiere zur Verfügung gestellt, die von der St. Georgener Firma 3D-Labs zur Verfügung gestellt wurden. Mit Abstandsmarkierungen unter anderem auf der Toilette soll der einzuhaltende Mindestabstand der Schüler untereinander gewährleistet werden.

Einweisung für Lehrer und Schüler

Am Bildungszentrum begann der erste Schultag ebenfalls mit einer Einweisung für Lehrer und Schüler. Unter anderem wurde eine Einbahnregelung installiert, damit es auf den Treppen und im Eingangsbereich keinen Begegnungsverkehr gibt. Unübersehbare Pfeile auf dem Boden markieren die Laufrichtung. Schüler sollen ihre Toilettengänge in die Unterrichtszeit verlegen, um so Warteschlangen vor den Toiletten in den Pausen zu vermeiden.

Lieber keine Mundschutzmasken im Unterricht

Auf das Tragen von Mundschutzmasken während des Unterrichts soll aus hygienischen Gründen verzichtet werden. „Sonst ist die Maske am Ende der Schulstunde durchgenässt und eher Virenschleuder als ein Schutz“, so Schulleiter Ralf Heinrich vom Thomas-Strittmatter-Gymnasium.

Am Thomas-Strittmatter-Gymnasium wird der Mathematikunterricht per Videoschalte gehalten. Lehrer Jens-Uwe Meyer sieht über eine Kamera jede Bewegung im KLassenraum. Zusätzlich ist mit Tobias Herr ein Referendar im Zimmer.
Am Thomas-Strittmatter-Gymnasium wird der Mathematikunterricht per Videoschalte gehalten. Lehrer Jens-Uwe Meyer sieht über eine Kamera jede Bewegung im KLassenraum. Zusätzlich ist mit Tobias Herr ein Referendar im Zimmer. | Bild: Sprich, Roland

Er weist auf eine Besonderheit der Unterrichtsgestaltung für die Kursstufen am TSG hin. „Da sechs Oberstufenlehrer, davon drei Mathematiklehrer, derzeit nicht an die Schule dürfen, weil sie zur Risikogruppe zählen, mussten wir uns eine technische Lösung einfallen lassen, wie wir den Präsenzunterricht in den nächsten zwei Wochen bis zum Abiturstart dennoch stattfinden lassen können.“ Drei Wochen lang habe die aus sechs Lehrkräften bestehende Mediengruppe des TSG getüftelt.

Auf dem Bildschirm ist Mathelehrer Jens-Uwe Meyer ins Klassenzimer zugeschaltet. Er hat das gesamte Klkassenzimmer und damit alle Schüler im Blick.
Auf dem Bildschirm ist Mathelehrer Jens-Uwe Meyer ins Klassenzimer zugeschaltet. Er hat das gesamte Klkassenzimmer und damit alle Schüler im Blick. | Bild: Sprich, Roland

Herausgekommen ist eine Art Videoschalte. Mittels einer speziellen Übertragungstechnik können die Lehrkräfte den Unterricht von zu Hause aus gestalten. Deren Livebild erscheint auf einem großen Monitor im Klassenraum, dank 360-Grad-Kamera haben die Lehrer das komplette Klassenzimmer im Blick. Die Kamera reagiert auch auf Sprache und richtet sich automatisch auf den oder die sprechenden Schüler aus, so dass der Lehrer auch Auge in Auge in den Dialog mit den Schülern treten kann.

Über dieses Gerät, von den Schülern und Lehrern „Kaffeekanne“ getauft, steht die Verbindung vom Lehrer im Homeoffice zu den Schülern im Klassenzimmer.
Über dieses Gerät, von den Schülern und Lehrern „Kaffeekanne“ getauft, steht die Verbindung vom Lehrer im Homeoffice zu den Schülern im Klassenzimmer. | Bild: Sprich, Roland

Schulleiter Ralf Heinrich freut sich, dass die Technik, die vorerst für drei Klassenräume beschafft wurde, funktioniert. Zwischenfinanziert wurde die pro Klassenraum rund 1000 Euro teure Technik über das Technologiezentrum TZ.

Schulleiter ist „stocksauer“

Dennoch ist der Schulleiter nach eigenen Angaben stocksauer. „Wir haben vom Kultusministerium explizit mitgeteilt bekommen, dass wir zur Unterrichtsgestaltung alle zur Verfügung stehenden digitalen Möglichkeiten nutzen können.“ Deshalb wurde die Technik so installiert, dass sie auf der für Videokonferenzen gängigen Onlineplattform Zoom funktioniert.

Kultusministerium grätscht dazwischen

Am 30. April teilte dann der Datenbeauftragte des Kultusministeriums dann mit, dass eben diese Plattform eines US-Anbieters aufgrund von Sicherheitslücken nicht für den Unterricht benutzt werden dürfe. „Das hätte man auch drei Wochen vorher mitteilen können“, so Heinrich, der sich wundert, dass an pädagogischen Hochschulen eben jene Plattform genutzt wird.

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Da auch andere Plattformen Sicherheitslücken aufweisen und eine Neuinstallation auf andere Plattformen aufgrund der Kürze der Zeit nicht realisierbar war, entschloss sich Heinrich dennoch, das die Plattform zu nutzen. „Im Moment ist es mir wichtiger, dass der Unterricht stattfinden kann als die letzten Datenschutzlücken zu schließen. Für die Abiturienten geht es jetzt um jede Stunde.“