Das Kasernenton ist sein Markenzeichen. Wenn Ausbilder Schmidt die Bühne betritt und ein gepflegtes "Morgen, ihr Luschen!" in den Saal brüllt, dann werden selbst gestandene Männer und Frauen kurzzeitig zu Gefreiten, die strammstehen und mit einem "Morgen, Chef" zurückbrüllen. Das Theater im Deutschen Haus verwandelte sich kurzerhand in eine Kaserne. Und der dienstälteste Ausbilder der Bundeswehr war in seinem Element.

"Haben Sie gedient?" Ausbilder Schmidt inszpiziert seine Rekruten im Theater im Deutschen Haus. Die schneidige Antwort "Jawoll" gefällt dem Ausbilder.
"Haben Sie gedient?" Ausbilder Schmidt inszpiziert seine Rekruten im Theater im Deutschen Haus. Die schneidige Antwort "Jawoll" gefällt dem Ausbilder. | Bild: Sprich, Roland

Ausbilder Schmidt reiste mit dem eigenen Panzer an, weil es praktisch sei, über den Stau auf der Autobahn hinweg zu rollen. Auch falsch parken sei mit einem Panzer kein Problem. "Einen Strafzettel habe ich noch nie bekommen, weil die Politesse nicht an die Scheibe kommt." Der Ausbilder kann aber nicht nur Kalauer. Sondern zieht auch über seinen Arbeitgeber Bundeswehr samt Chefin her. "Wer sieben Kinder hat, kann auch eine Armee führen", haut er im Stakkato raus. Kritisiert das funktionsuntüchtige Equipment. Und spricht sich für die Einrichtung einer Rentnerarmee aus. "Allein die 30 000 Gehhilfen wären eine unüberwindbare Blockade für den Feind."

In Zeiten, in denen großen Wert auf politische Korrektheit gelegt wird, haut Ausbilder Schmidt unbekümmert seine Gedanken raus. Zwar könne nicht jeder ein Ausbilder werden, doch könne jeder zum "Drecksack light" mutieren. Man müsse nicht der alten Frau über die Straße helfen, "es reicht, wenn man schon mal den Rollator mitnimmt".

Nicht jedes Outfit gefällt dem Ausbilder. Da gibt es schon mal einen Anschiss. Durch den Kasernenton fühlt sich der eine oder andere Besucher an seine Bundeswehrzeit zuückerinnert. Bild: Roland Sprich
Nicht jedes Outfit gefällt dem Ausbilder. Da gibt es schon mal einen Anschiss. Durch den Kasernenton fühlt sich der eine oder andere Besucher an seine Bundeswehrzeit zuückerinnert. Bild: Roland Sprich | Bild: Sprich, Roland

Keine Frage, Ausbilder Schmidt liebt seinen Beruf. Das geht sogar soweit, dass er sein Kind "Ruck-Zuck" nennt und seiner Angebeteten einen Zettel zusteckt, mit der Frage "Willst du mit mir gehen?", und zwei Felder zum Ankreuzen mit "Ja" und "Jawoll".

Hinter dem eisenharten Ausbilder steckt der Kabarettist Holger Müller. Der präsentierte sich dem Publikum nach gut anderthalb Stunden harter Ausbildermanier und mit rauem Kasernenton ohne Sonnenbrille, rotem Barrett und ohne hämisches Grinsen. Und gestand, dass er selbst das genaue Gegenteil seiner Kunstfigur ist, die er seit 20 Jahren erfolgreich verkörpert. "Ich kann nichts, daheim muss meine Frau alles machen und reparieren." Auch schilderte er, wie er als Ausbilder echte Bundeswehrsoldaten in Afghanistan unterhalten sollte und dafür mit der Trans-All ins Krisengebiet eingeflogen wurde. Wobei nach der Ankündigung, dass man zum Landeanflug in den Sturzflug gehen müsse, um nicht abgeschossen zu werden, vom prolligen Ausbilder kurzzeitig nicht mehr viel übrig geblieben sei.

Allzu lange ließ sich der Comedian allerdings nicht hinter seine Fassade blicken. Kaum hatte er Sonnenbrille und Barrett wieder aufgesetzt, kam wieder der fiese Ausbilder Schmidt zum Vorschein, der sich im zackigen Kommandoton von seinen Rekruten verabschiedete.