Dass eine Dusche und eine Matratze echter Luxus sein können, lernen derzeit Sarah Aberle, Maleni Labitzke, Paul Neipp und Yannick Schaedler kennen. Im Rahmen des Projekts Weltklasse, das vom Thomas-Strittmatter-Gymnasium (TSG) und dessen Sponsoren finanziert wird, reisen die Jugendlichen in das Schwellenland Indien, mit seiner starken technischen Innovationskraft und gleichzeitiger Armut in breiten Teilen der Bevölkerung. Unter der Woche leben sie in einem Haus, das sich um indische Waisenkinder und ältere Menschen kümmert und helfen dort bei der Arbeit. Am Wochenende sind sie bei einer Gastfamilie untergebracht. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen schreiben sie regelmäßig in einem Blog im Internet auf. So bekommen die Mitschüler tagesaktuell mit, was die die vier in der Republik in Südasien mit 1,3 Milliarden Einwohnern erleben. Gestern gab es eine Video-Live-Schaltung, um den Mitschülern am TSG von ihren Erfahrungen aus Indien zu erzählen.

Mehr als nur Touristen

Die vier Schüler werden von Bibi und Philip begleitet, die den Jugendlichen während ihres Aufenthalts Kultur, Land, Leben, Sprache und Religion näherbringen. Sie sind Gründer und Besitzer des Waisenhauses, in dem die Schüler wohnen. Damit haben sie die Chance, das Land in Gänze kennenzulernen, sich mit Einheimischen auszutauschen und es nicht nur als Tourist zu besichtigen. Die Reise nach Indien ist ein soziales und ökologisches Projekt der Stiftung Weltklasse, das von dem Gymnasium und dessen Sponsoren unterstützt wird.

Kluft zwischen arm und reich ist groß

Eine wichtige Erfahrung für die Jugendlichen ist es, die Kluft zwischen arm und reich kennenzulernen. In ihrem Blog erzählen sie von einem modernen Neubau, doch "keine 5 Meter weiter standen wir inmitten von Müllhaufen. Heute ist uns klar geworden, warum man in Indien auf keinen Fall Wasser aus dem Wasserhahn trinken sollte." Der nahegelegene Fluss sei so dreckig, dass nur noch eine schwarze Brühe erkennbar sei.

Matratze und Dusche sind Luxus

Bei der Live-Schaltung in der Mehrzweckhalle interessierten sich die Mitschüler vor allem für die Unterschiede zwischen Deutschland und Indien. "Wir haben gelernt, dass eine Matratze echter Luxus sein kann", so Paul Neipp. Derzeit schlafen die Schüler auf einem baumwollähnlichen Laken – und das zu viert in einem Zimmer. Auch eine Dusche sei auf der anderen Seite der Erdkugel keine Selbstverständlichkeit. "Hier duschen wir aus Eimern."

Fest der Lichter beeindruckt Schüler

Kulturell habe Indien eine Menge zu bieten. Beim Fest der Lichter, das in Indien Diwali genannt wird, sind die Häuser mit Lichterketten und Girlanden geschmückt. Zu Beginn des Festes haben die Schüler – wie an Silvester – einige Böller gezündet. Im Anschluss gab es ein großes Abendessen – danach wurde getanzt. "Jeder tanzte etwas vor, die Inder ihre typischen, modernen Tänze und wir den Freestyle", erklären Paul Neipp und Maleni Labitzke im Blog.

Waisenkinder lernen Deutsch

Eine verpflichtende Aufgabe für die Schüler war es, den Deutsch-Unterricht in Indien zu übernehmen. "Obwohl wir uns darauf sehr gefreut haben, hatten wir dennoch auch Angst, uns vor ausgebildeten Lehrern beweisen zu müssen. Natürlich wurde von uns nicht erwartet, einen professionellen Unterricht auf die Beine zu stellen", erklärt Labitzke auf der Internetseite der Schule. Die Schüler des TSG übernahmen eine Vorschul- und eine erste Klasse. Einfache Sätze wie "Ich heiße..." wurden vermittelt. Zudem wurden Bilder von St. Georgen gezeigt und im Anschluss ein typisch deutscher Baum gemalt.

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Sarah Aberle und Maleni Labitzke übernachteten am vergangenen Wochenende bei der Gastfamilie Lakshemi. Sie durften das indische Gewand Sari tragen, wurden mit Schmuck behängt und eine Henna-Künstlerin bemalte ihnen die Arme. Die Tattoos halten rund fünf Tage und werden in Indien als Körperschmuck getragen.

"Ich werde sicher noch einmal wiederkommen, obwohl ich meine Familie und Freunde sehr vermisse. Die Menschen sind unfassbar gastfreundlich. Da können wir uns eine große Scheibe von abschneiden", so Labitzke.