Sieben Tage am Stück lag der Sieben-Tages-Inzidenzwert für Corona-Neuinfektionen im Schwarzwald-Baar-Kreis über der Hotspot-Marke von 200. Um diese Zahl wieder zu senken, gelten ab Samstag verschärfte Corona-Maßnahmen. Diese verkündete Landrat Sven Hinterseh am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz, an der auch die Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen und Donaueschingen, Jürgen Roth und Erik Pauly, sowie Jochen Früh, der Leiter der Gesundheitsamts im Kreis, teilnahmen.

Landrat Sven Hinterseh, (links oben), VS-OB Jürgen Roth (rechts oben), Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamts im Kreis (links unten), und Erik Pauly, Donaueschingens OB, waren am Freitag bei der PK zur Verkündung strengerer Corona-Maßnahmen.
Landrat Sven Hinterseh, (links oben), VS-OB Jürgen Roth (rechts oben), Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamts im Kreis (links unten), und Erik Pauly, Donaueschingens OB, waren am Freitag bei der PK zur Verkündung strengerer Corona-Maßnahmen. | Bild: Fröhlich, Jens

Hinterseh sagte, dass es jeden Tag Zuwächse gebe. Derzeit sind zirka 4700 Menschen unter Quarantäne: „Diese Zahl ist sehr hoch und hat enorme Auswirkungen auf die Bürger und die Volkswirtschaft.“ Aktuell gibt es im Kreis 2935 Infizierte, 2097 Genesene und 60 Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben sind.

Hauptereignis in Freikirche

Die Infektionszahlen seien seit Ende Oktober stark angestiegen. Damals, so Hinterseh, gab es in einer Schwenninger Freikirche einen größeren Ausbruch mit 89 Fällen, der unmittelbar auf die Kirche zurückzuführen sei. Hinterseh: „Diese Menschen haben das Virus leider in die Mitte der Gesellschaft getragen. Das hängt uns in den Knochen, das werden wir nicht so leicht wegbekommen.“ Daher seien weitere Maßnahmen in einer Allgemeinverfügung notwendig.

Größte Sorge: Altenheime

Auch Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamts, merkte die höheren Zahlen seit Oktober an. Diese gebe es insbesondere in Einrichtungen des sozialen Lebens. Die Infektionen würden dann weiter in die Familien getragen.

Laut Früh gibt es momentan in neun Kindergärten und Kitas 16 Corona-Fälle. 29 der Kreisschulen und Gymnasien sind außerdem mit 36 Erkrankten betroffen. Darüberhinaus gebe es in fünf ambulanten Diensten und in zwei Einrichtungen des betreuten Wohnens Covid-19-Fälle. In zwei größeren Behinderteneinrichtungen gibt es laut Früh 65 Fälle. Auch Reha-Einrichtungen sind von Corona betroffen, in einer Klinik habe es 17 Fälle gegeben.

Früh: „Unsere größte Sorge gilt den Heimen. Dort haben wir derzeit elf betroffene Einrichtungen, fünf davon stärker.“ Den größten Ausbruch gibt es in einem Heim mit 60 Erkrankten, gefolgt von einem weiteren mit 47. „Aktuell gab es leider auch mehrere Sterbefälle in den letzten Tagen“, so Früh weiter.

Die Maßnahmen

Zu den am Freitag verkündeten Maßnahmen gehört unter anderem eine Maskenpflicht in den Innenstädten von Villingen, Schwenningen und Donaueschingen und ein nächtliches Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen.

Bild: Müller, Cornelia
Bild: Müller, Cornelia
Maskenpflicht in Donaueschingen_online
Maskenpflicht in Donaueschingen_online | Bild: Bernhardt, Alexander

Außerdem dürfen sich öffentlich wie privat nur noch Angehörige des eigenen Haushalts mit maximal einer weiteren Person treffen. Ausgenommen hiervon sind Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren.

Das Landratsamt in VS-Villingen.
Das Landratsamt in VS-Villingen. | Bild: Fröhlich, Jens

Veranstaltungen jeglicher Art sind ebenfalls untersagt. Ausgenommen sind Veranstaltungen von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Diese dürfen ihre Tätigkeit im Rahmen der Seelsorge und religiösen Veranstaltungen weiter ausüben.

Ausgangssperre?

Eine Ausgangssperre wird es im Schwarzwald-Baar-Kreis laut Landrat Hinterseh dagegen vorerst nicht geben. Voraussetzung dafür wäre, dass es an drei Tagen in Folge eine Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 gibt. Am Freitag lag der Wert im Schwarzwald-Baar-Kreis bei 195,3. „Derzeit liegen die Voraussetzungen also noch nicht vor“, so Hinterseh. Man müsse in der kommenden Woche die Lage neu bewerten. Dann müsste es eine neue Allgemeinverfügung geben.

Die Maßnahmen gelten vorerst bis zum 20. Dezember. Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly sagte: „Wenn alle mitziehen, könnten die Zahlen zu Weihnachten weiter unten sein. Es kann aber auch sein, dass Maßnahmen auch über Weihnachten bestehen.“ Landrat Hinterseh ergänzte: „Diese Allgemeinverfügung gilt maximal bis zum 20. Dezember. Danach müsste es eine neue Verfügung geben.“ Er hoffe, dass das nicht notwendig sein wird. Genaue Prognosen könne man aber nicht geben.

Die Pressekonferenz zum Nachschauen

Der SÜDKURIER hat die Pressekonferenz aus dem Gebäude des Landratsamts live übertragen. HIER können Sie diese noch einmal anschauen.