Täglich staunen nicht nur Bürger, die sich das gerne genauer anschauen. Auch in den Verwaltungen und bei Ärzten wird gerätselt, wie es dazu kommt, dass der Landkreis und das Landesgesundheitsamt überwiegend notorisch unterschiedliche Zahlen zu Corona in der Region Schwarzwald-Baar auflisten.

Irritation an der 10.000er-Marke

Besonders augenfällig wurde diese seit Monaten vorherrschenden Differenzen Anfang Juli. SÜDKURIER-Leser wussten es mit Vorsprung: Zum 4. Juni überstieg die Zahl der Neuinfektionen erstmalig die Grenze von 10.000 Fällen, listete das Landesgesundheitsamt in seinen Statistiken auf. Das Kreisgesundheitsamt wiederum blieb noch mehrere Tage deutlich unter der Zahl von 10.000 mit seinen Zählungen. Irritierend zudem: In der Statistik des Landesgesundheitsamt heißt es ausdrücklich, es würden „gemeldete Fälle“ zusammengefasst. Und: Fälle melden kann wiederum nur das Kreisgesundheitsamt.

Heike Frank, Sprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar.
Heike Frank, Sprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar. | Bild: Heike Frank Landratsamt

Was ist da los? Das Landratsamt hat jetzt für die Leser des SÜDKURIER Stellung bezogen – nach einer ausgiebigen Recherche, wie es zu diesen auch von den Ämtern ungewollten Unterschieden kommen kann. Der Ablauf stelle sich demnach wie folgt dar: „Unser Gesundheitsamt meldet die durch das Labor positiv bestätigten Fälle an das Landesgesundheitsamt. In der Regel wird einmal in der Woche ein Datenabgleich vorgenommen“, schildert Heike Frank, die Sprecherin der Landkreis-Verwaltung. Dabei würden, so Frank weiter, „vor allem die Fälle bereinigt, die uns aus anderen Landkreisen über ein Datenverwaltungsprogramm automatisch eingespielt werden, jedoch nicht in unserem Landkreis wohnhaft sind. Diese Fälle werden direkt mit dem Landesgesundheitsamt geklärt und bereinigt.“

Das Schwarzwald-Baar-Klinikum wird künftig noch mehr in den Fokus rücken, wenn es um Corona geht. Die Zahl der aktuell behandelten Covid-Patienten soll bei der Einschätzung der Viruslage eine bedeutendere Rolle spielen, heißt im im Juli 2021.
Das Schwarzwald-Baar-Klinikum wird künftig noch mehr in den Fokus rücken, wenn es um Corona geht. Die Zahl der aktuell behandelten Covid-Patienten soll bei der Einschätzung der Viruslage eine bedeutendere Rolle spielen, heißt im im Juli 2021. | Bild: Trippl, Norbert

Die Behörden wissen, dass die unterschiedlichen Status-Zahlen im im Zeitfenster einen Eindruck irritierend auf vergleichende Betrachter wirken können. „Das Gesundheitsamt Schwarzwald-Baar ist bereits im Gespräch mit dem Landesgesundheitsamt“, sagte Heike Frank zur Anfrage dieser Redaktion zuletzt.

Kleine Abweichungen

Betont werden muss: Es sind keine großen Zahlen, die als Unterschiede auffallen. Zum Zeitpunkt 5. Juni waren es beispielsweise zunächst fünf Fälle, um welche die Angaben der Behörden nicht deckungsgleich sind. Allerdings sind fünf Fälle von Neuinfektionen derzeit auch durchaus einmal die komplette Wochenmenge, die dann in die Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz einfließt und zur bessren Vergleichbarkeit über Landesgrenzen hinweg auf die Größe von 100.000 Einwohnern umgerechnet wird.

Das ist Daniel Springmann. Er leitet das Kreisimpfzentrum in Schwenningen. Der Ultra-Kühlschrank ist im Sommer 2021 besser gefüllt als im Frühjahr.
Das ist Daniel Springmann. Er leitet das Kreisimpfzentrum in Schwenningen. Der Ultra-Kühlschrank ist im Sommer 2021 besser gefüllt als im Frühjahr. | Bild: Trippl, Norbert

Und: Das Kreisgesundheitsamt ist im Verlauf des Jahres 2020 an ein Computerprogramm angeschlossen worden, um – unter anderem – solche Ungleichheiten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Im Frühjahr erklärte Landrat Sven Hinterseh zur Vernetzung der Behörden: „ Wir arbeiten seit Juni 2020 mit der Software Sormas.“ Mit dem Programm wird mittlerweile so gut wie bundesweit in den Gesundheitsämtern die Corona-Krise verbucht.

Interessant, wie sich aktuell im Juli das Interview zur Lage mit Landrat Hinterseh vom 10. März 2021 liest:

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