Jahrzehntelang dürfte es sehr ruhig über den Wiesen und Äckern der flachen Hügelkuppe am nördlichen Stadtrand von Rottweil gewesen sein – aber damit wird in der Woche ab dem 5. Juni 2023 Schluss sein.

Dann sollen dort die ersten Baumaschinen anrücken und mit der Errichtung der neuen, regionalen Justizvollzugsanstalt (JVA) beginnen. Somit startet eine geplante Bauzeit von rund vier Jahren mit dem Ziel, das Großgefängnis bis 2027 fertigzustellen.

Der Bauplatz der neuen Haftanstalt ist bislang eine Wiesen- und Ackerfläche auf einer Hügelkuppe oberhalb von Rottweil – im ...
Der Bauplatz der neuen Haftanstalt ist bislang eine Wiesen- und Ackerfläche auf einer Hügelkuppe oberhalb von Rottweil – im Hintergrund ist der markante Aufzugtestturm zu sehen (Archivbild 2018). | Bild: Hans-Jürgen Götz

Voraussetzung für den angesetzten Baubeginn sei aber, dass das Wetter nicht zu
nass sei und das Baufeld mit Baumaschinen befahren werden könne: Diese letzte Einschränkung macht das zuständige Amt Konstanz des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg in seiner Pressemitteilung vom Donnerstag, 25. Mai.

„Der erste Bauauftrag ist vergeben, noch im Juni und damit deutlich früher als
geplant beginnen die Bauarbeiten für den Neubau der JVA Rottweil“, freut sich Amtsleiter Thomas Steier aber schon in der Mitteilung. Denn bislang war der Baustart erst für Herbst 2023 gedacht.

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Allerdings machen ein paar Monate früherer Start auch nicht mehr allzu viel aus. Denn sehr lange gedauert hat es mit dem umstrittenen Bauprojekt auf jeden Fall. Seit 2007 wurde daran geplant. 2016 sollte die JVA Rottweil dann in Betrieb gehen. Und unter anderem die alten Gefängnisse Rottweil und VS-Villingen ersetzen.

Die Standortsuche erwies sich als mühsam, wobei auch ein Areal bei Tuningen ins Auge gefasst worden war. Dieser Plan scheiterte aber an einem negativen Bürgerentscheid 2014.

Vor allem aber lösten die Kosten Kritik und Kopfzerbrechen aus. Stand heute investiert das Land rund 280 Millionen Euro in die neue JVA Rottweil, teilt die Behörde mit. Geplant seien insgesamt 18 Nutzungsbereiche mit einer
Gesamtnutzfläche von 25.463 Quadratmetern mit insgesamt 502 Haftplätzen. 52 Hafträume sollen barrierefrei ausgestaltet werden.

Enorme Kostensteigerungen

Zu dem Projekt waren im Laufe der Jahre immer wieder neue Kostenschätzungen, -berechnungen und -rahmen im Umlauf. So sollte das Gefängnis als Rahmen für die Planer zunächst 118 Millionen Euro kosten, der dann ausgewählte Architektenentwurf sollte nach grober Kostenschätzung bereits 182 Millionen Euro teuer sein.

240 Millionen Euro für 500 Haftplätze – das war dann der Stand für den Rechnungshof Baden-Württemberg, und damit 480.000 Euro pro Haftplatz. Das sei mehr als doppelt so viel wie für vergleichbare Bauten in der Bundesrepublik, so die damalige Kritik. Nun steht das Projekt noch vor Baubeginn bei 280 Millionen Euro.

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Immerhin: Jetzt wird gebaut. Zunächst werde der Oberboden abgetragen und auf geeigneten landwirtschaftlichen Flächen in der näheren Umgebung wieder eingebaut. Dies verbessere die Bodenqualität dieser Flächen, diene der Wasserspeicherung und sei damit Teil der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, schildert das staatliche Bauamt die ersten Schritte.

Am 26. Juni ist der offizielle Spatenstich mit Finanzminister Danyal Bayaz, Justizministerin Marion Gentges und Oberbürgermeister Christian Ruf geplant.

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