„Sieger ist nicht, wer Schlachten in einem Krieg gewinnt, sondern wer Frieden stiftet.“ Mit diesem Zitat von Michail Gorbatschow beendete Christa Lörcher ihre Dankesrede zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Freitagnachmittag im Franziskanermuseum Villingen.

Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete war im November 2001 schlagartig im ganzen Land bekannt geworden, als sie dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder die Stimme bei der Vertrauensfrage verweigerte, an die eine Abstimmung über die Teilnahme der Bundesrepublik am Krieg in Afghanistan gebunden war.

Seit vielen Jahrzehnten war und ist die im westpreußischen Mewe geborene Lörcher in verschiedenen ehrenamtlichen Bereichen in der Region tätig. Ob im Vorstand der Arbeiterwohlfahrt, als Mitglied der Bürgerstiftung VS, Vorsitzende der Hospitzbewegung oder Behindertenbeauftragte der Stadt Villingen-Schwenningen, sie setzte sich stets konsequent für ihre Idee des friedlichen und sozialen Miteinanders ein und wurde dafür jetzt, nach dem Clara-Immerwahr-Preis und der Willy-Brandt-Medaille, mit der höchsten Auszeichnung der Bundesrepublik geehrt.

Christa Lörcher wurde für ihr vielseitiges Engagement mit dem Clara-Immerwahr-Preis (30. Juni 2002), der Willy-Brandt-Medaille (24. Juni 2016) und dem Bundesverdienstkreuz (24. Juni 2022) ausgezeichnet.

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„Aus innerer und tiefster Überzeugung setzten und setzen Sie sich für Waffen- und Gewaltfreiheit ein, im kleinen täglichen Miteinander aber auch bei den großen Themen der Weltpolitik“ stellte Bürgermeister Jürgen Roth in seiner Laudatio fest und überbrachte Grüße von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Für den Frieden und die Menschenrechte sei Lörcher dann auch mal bereit gewesen, auf ihre ganz eigene Art zu kämpfen.

Christa Lörcher, die selbst in ihrer Kindheit die Vertreibung aus der westpreußischen Heimat miterlebt und vier Jahre in einem Flüchtlingslager gelebt hatte, setzte sich zeitlebens für Geflüchtete und Vertriebene ein. Beim Verein Refugio VS leistet sie bereits seit 1998 ehrenamtliche Flüchtlingshilfe.

Christa Lörcher übergibt ihr Bundesverdienstkreuz an Anita Auer vom Franziskanermuseum. Dort soll es zukünftig seinen festen Platz in ...
Christa Lörcher übergibt ihr Bundesverdienstkreuz an Anita Auer vom Franziskanermuseum. Dort soll es zukünftig seinen festen Platz in der Ausstellung finden. | Bild: Dominik Zahorka

Als Mitglied des „Regionalen Friedensbündnis VS“, welches durch Almut Meyer, während des Festaktes einen Kuchen mit Friedenstaube überreichte, organisierte sie neben Vortagsveranstaltungen und Podiumsdiskussionen auch die Mahnwache im Stadtbezirk Villingen zum Gedenktag der Atombombenabwürfe am 6. August 1945 über Hiroshima und Nagasaki.

Die studierte Lehrerin, die später auch in der Altenpflege und Betreuung arbeitete, sei in ihrer Jugend durch ein Mathematik-Stipendium der Stiftung Volkswagenwerk nach England, USA und Schweden gekommen. Dort habe sie durch die Aussage eines US-Soldaten, dass es ihm „Spaß mache Menschen zu töten“ zum ersten Mal tiefgreifender über das Thema Frieden nachgedacht und daraufhin begonnen, sich aktiv dafür stark zu machen. So half sie beispielsweise im Jahr 2020 dabei, den Truppenübungsplatz in Tannheim zu verhindern – mit Erfolg.

Almut Meyer vom regionalen Friedensbündnis VS schenkt Christa Lörcher einen Kuchen mit Friedenstaube.
Almut Meyer vom regionalen Friedensbündnis VS schenkt Christa Lörcher einen Kuchen mit Friedenstaube. | Bild: Dominik Zahorka

In den 1970er ging Lörcher als eine der ersten Personen gegen den Nato-Doppelbeschluss auf die Straße und machte sich für ein Verbot von Atomwaffen stark. Außerdem setzte sie mit Aktionen wie „Zielscheibe Mensch“ und „Frieden geht“ ein Zeichen für Austausch und Versöhnung.

Den Verein Stolpersteine unterstütz sie ebenfalls aktiv, denn Frieden brauche auch Erinnerung. Selbstverständlich nahm dann auch der allgegenwärtige Krieg in der Ukraine einen großen Teil der Dankesrede von Christa Lörcher ein. So verlas sie einen Brief, den ukrainische und russische Frauenorganisationen gemeinsam verfasst und veröffentlicht haben und sich darin für eine friedliche Lösung und das Niederlegen der Waffen aussprechen.

Das Violinisten-Ehepaar Eva-Marie und Joachim Ulbricht sorgen für die musikalische Umrahmung.
Das Violinisten-Ehepaar Eva-Marie und Joachim Ulbricht sorgen für die musikalische Umrahmung. | Bild: Dominik Zahorka

Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte das Violinisten-Ehepaar Eva-Marie und Joachim Ulbricht. Zum Schluss gestand Lörcher, die am Tage ihrer Auszeichnung außerdem ihren 81. Geburtstag feiern durfte, dass sie das Bundesverdienstkreuz zuerst gar nicht habe annehmen wollen.

Schließlich habe sie sich aber entschlossen, die Auszeichnung an das Franziskanermuseum zu übergeben, wo diese zukünftig besichtigt werden kann und zum Nachdenken über Frieden und Menschenrechte anregen soll.

Bürgermeister Jürgen Roth hält seine Laudatio.
Bürgermeister Jürgen Roth hält seine Laudatio. | Bild: Dominik Zahorka