Die Tage des Schwarzwaldes sind gezählt. Zumindest in seiner heutigen Form. Das ist das Fazit des Forstexperten Ulrich Schraml von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Freiburg. Beim VS-Forum in der Neuen Tonhalle in VS-Villingen sprach er vor 500 Gästen darüber, wie sich der Wald verändern wird. Dabei machte er insbesondere eines deutlich: Einfache Antworten kann keiner geben. Denn: „Man weiß es nicht, wo der Einschlag kommt.“

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Der Wald als Erholungsort

Für den Forstexperten steht fest: „Der Wald ist mehr als die Summe der Bäume.“ Ihm komme auch ein wichtiger sozialer Aspekt zu. Laut Statistiken der FVA verbringen in Baden-Württemberg 91 Prozent der Menschen Freizeit im Wald. 70 Prozent sehen ihre Lebensqualität verbessert.

Der Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Bernhard Bolkart, debattiert mit Ulrich Schraml nach dem Bühnenauftritt.
Der Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Bernhard Bolkart, debattiert mit Ulrich Schraml nach dem Bühnenauftritt. | Bild: Elke Rauls

„Das Heil, so scheint es in unserer Gesellschaft, ist im Wald zu suchen“, meint Ulrich Schraml. „Es geht nicht nur um die Zukunft der Bäume, es geht um die Zukunft des Wohlbefindens der Menschen.“

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Der Wald der Zukunft ist durchmischt

Wie aber sieht der Wald der Zukunft aus? Der Klimawandel mache sich auch im Forst bemerkbar, sagt der Experte. Die Temperaturen steigen und es wird trockener.

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Schädlinge wie der Borkenkäfer entwickeln sich dadurch früher, sind länger aktiv und können sich stärker vermehren. Das alles passe nicht mit dem zusammen, was für die Kiefer ein guter Lebensraum ist. Der Experte stellt klar: „Das ist nicht automatisch das Todesurteil für alle Fichten.“ Aber das Risiko für den Fichtenanbau steige. Insbesondere ältere Bäume seien anfällig für die Veränderungen, die auf den Wald zukommen.

Wie halten Sie es mit Waldromantikern und was ist mit dem Wolf bei uns: Ulrich Schraml (links) antwortet auf Fragen von Redaktionsleiter Norbert Trippl.
Wie halten Sie es mit Waldromantikern und was ist mit dem Wolf bei uns: Ulrich Schraml (links) antwortet auf Fragen von Redaktionsleiter Norbert Trippl. | Bild: Elke Rauls

Seine Lösung: Sich von reinen Kiefernwäldern verabschieden und Mischbestände schaffen. Etwa durch Tannen, die besser mit den veränderten Bedingungen zurechtkommen. Und mit Buchen, die im Bereich Stabilität helfen. Aber auch ortsfremde Baumarten kommen für den Experten in Frage. Beispielsweise die Douglasie, die an das „Klima von morgen“ angepasst sei, oder ein Hybrid-Baum aus Walnuss und amerikanischer Nuss. „In Form der freien Liebe haben die sich gefunden“, erklärt Schraml. Und die Nachkommen dieser Verbindung wachsen laut dem Experten gut.

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Abschied von der Vergangenheit

In erster Linie ist dem Forstexperten eines wichtig: Dass die Menschen davon wegkommen, immer nur das Vergangene im Blick zu haben. „Gut ist das, was alt und teuer ist“, sagt Ulrich Schraml. Das sei aber wie beim Autofahrer: Zwar mache es Sinn hin und wieder in den Rückspiegel zu schauen. Doch der Blick sollte hauptsächlich nach vorne gerichtet werden.

Andreas Ambrosius von der SÜDKURIER-Chefredaktion zeigt auf einem Schaubild, wie sich die VS-Durchschnittstemperaturen vom Jahr 1881 bis in das Jahr 2018 verändert haben: Blau symbolisiert dabei ein kühles Jahr und rot ein heißes. Sein Fazit: Der Trend geht sichtbar zu wärmeren Temperaturen.
Andreas Ambrosius von der SÜDKURIER-Chefredaktion zeigt auf einem Schaubild, wie sich die VS-Durchschnittstemperaturen vom Jahr 1881 bis in das Jahr 2018 verändert haben: Blau symbolisiert dabei ein kühles Jahr und rot ein heißes. Sein Fazit: Der Trend geht sichtbar zu wärmeren Temperaturen. | Bild: Elke Rauls

Eine an der Vergangenheit und dem Bewährten orientierte Zukunft führe zu einer verengten Zukunft. An eine Zukunft ganz ohne Wald glaubt Schraml aber nicht. „Es wird anders sein, aber es wird Wald sein.“ Dabei gibt es auch Möglichkeiten, die der Versuchsanstaltsleiter aus Freiburg nicht aufgezählt hat. Etwa die Lärche, nach der Landtagsabgeordnete Martina Braun fragte. Diese könne in Zukunft eine Rolle spielen, meint Schraml. Versuche dazu unternehme beispielsweise derzeit das Haus Fürstenberg im Privatwald. Und wie sieht es mit dem Wolf aus? Dem sei es ziemlich egal, wie der Wald von Morgen aussieht, meint der Experte. „Wo viel Wild ist, kommen Wölfe“, sagt er. Tatsächlich, so Schraml, „finden Wölfe die Kulturlandschaft super.“ Denn dadurch gebe es mehr und besser genährtes Wild.

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Waldbesucher gegen Maschine

Der Wald ist mehr als Lebensraum und Erholungsgebiet. Auch wirtschaftlich spielt er eine Rolle. Daher müssen sich Waldbesucher mitunter die Wege mit schweren Erntemaschinen teilen. Für Forstexperte Ulrich Schraml ist das aber ein vertretbares Übel. Zwar wirken sich die Maschinen auf den Waldboden, den sie befahren aus.

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Der Rest des Walds werde aber geschont. Und die Sicherheit der Waldarbeiter werde erhöht. In 2018 und 19 seien über 50 Waldarbeiter im Wald gestorben, sagt Schraml. „Jede Maschine, die durch den Einsatz Leben rettet, hat einen guten Beitrag geleistet.“

Das Forum des SÜDKURIER ist ein Treffpunkt: Nach dem Bühnenprogramm drängen sich die Gäste an der Theke.
Das Forum des SÜDKURIER ist ein Treffpunkt: Nach dem Bühnenprogramm drängen sich die Gäste an der Theke. | Bild: Elke Rauls

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