Die Corona-Krise ist eine besondere Situation und für viele Menschen ist der Umgang mit diesem Ausnahmezustand auch eine ganz besondere Herausforderung. Dass sich mögliche Ausgangssperren und Begegnungs- oder gar Versammlungsverbote auch auf das sonst alltägliche Berufsleben auswirken, ist eine fast logische Schlussfolgerung. Der SÜDKURIER wollte wissen, wie regionale Handwerksbetriebe damit umgehen. Und hier reichen die Aussagen der Verantwortlichen von einem fast zornigen „geht mich nichts an, wir machen weiter wie gewohnt“ wie ein Handwerker aus Königsfeld den Autoren dieses Berichts am Telefon wissen ließ, bis hin zur fürsorglichen Vorsorge für die eigenen Mitarbeiter.

Handwerkskammer zeigt sich fürsorglich

Fürsorglich verhält sich auch die zuständige Handwerkskammer in Konstanz, die, wie Pressesprecherin Petra Schlitt-Kuhnt mitteilte, in engem Kontakt zum Ministerium für Wirtschaft steht. „Bei uns laufen alle relevanten Informationen zusammen“, so die Pressesprecherin. Sie erzählt von vielen besorgten Anrufern, insbesondere kleinerer Betriebe wie beispielsweise Friseure oder Kosmetikanbieter, die oftmals als Einpersonenbetrieb geführt werden. Hier gebe es natürlich massive Existenzängste denn die Fixkosten laufen weiter und die Einnahmen fehlen, falls die Betreiber nicht die Möglichkeit haben, auf Lieferservice umzusteigen.

Keine persönlichen Besprechungen mehr

Das Bauhandwerk hingegen arbeitet unterbrechungslos weiter, wie uns diverse Handwerksbetriebe versichern. Reagiert wird auf die besondere Situation, indem man beispielsweise keine persönlichen Besprechungstermine wahrnimmt, wie Nina Chrobok vom gleichnamigen Elektrobetrieb aus Niedereschach-Kappel sagt. Die Mitarbeiter des Elektrounternehmens seien außerdem angewiesen, auch auf den Baustellen möglichst direkte Kontakte zu vermeiden. Aber die Auftragslage sei gut und die fünf Mitarbeiter seien meist auf geschlossenen Baustellen unterwegs.

Die Zukunft ist ungewiss

Da aber immer mehr Betriebe Ihre Aufträge zurückziehen, um unter anderem Kundenkontakt zu vermeiden, verändere sich hierzu auch die Lage mit den Arbeitsauftrag innerhalb des Betriebes, sagt sie. „Auf kurz oder lang müssen wir Handwerksbetriebe uns auch Gedanken machen, wie es weiter geht.“ Ein großes Lob spricht Nina Chrobok in Richtung der Handwerkskammer und der Innung aus. Von dieser Seite fühle sie sich gut betreut, betont sie.

Arbeiten bis zum Verbot

Sabine Weisser aus Königsfeld-Weiler von Weisser-Holzbau klagt über manche kleineren Engpässe beim Material, ansonsten seien die zehn Mitarbeiter gut beschäftigt. „Unsere Mitarbeiter arbeiten meist hoch oben auf den Dächern“, so Sabine Weisser. Kontakte untereinander lassen sich im Zimmerer-Handwerk natürlich nicht ausschließen, denn bei dieser Arbeit geht viel Hand in Hand. „Einer allein kann keinen Dachstuhl aufbauen“, so die Unternehmersfrau. Auf jeden Fall arbeite man in Weiler weiter, solange es kein offizielles Verbot gebe. Glücklicherweise gebe es in ihrer Branche keine Abhängigkeiten, beispielsweise von der Autoindustrie.

Arbeiten in geschlossenen Räumen werden verschoben

Ähnlich sieht man die Lage bei dem Bedachungsunternehmen Feder aus Dauchingen. Martina Schuler, die in dem Handwerksunternehmen in der Verwaltung sitzt, erklärt, dass man viele Innenarbeiten verschoben habe. „Unsere 15 Mitarbeiter arbeiten an der frischen Luft und im Büro ist permanente Desinfektion angesagt“, sagt sie und ergänzt, dass es keinerlei direkten Kontakt zum Kunden mehr gebe.

Zweischichtbetrieb in Weilersbach

Zu einer ganz besonderen Maßnahme griff Joachim Grimm aus Weilersbach. Er habe vier seiner acht Mitarbeiter nach Hause geschickt. Aber nicht, weil ihm die Arbeit ausgeht, betont er. Das Gegenteil sei der Fall. Aber den Sanitätsfachbetrieb erreichen täglich bis zu 20 Notrufe, für die man bereit sein müsse und deshalb brauche er immer eine gesunde Reserve an Einsatzkräften, so der Sanitätsfachmann. Die Belegschaft wechselt jetzt wöchentlich. Natürlich haben seine Mitarbeiter auch die Anweisung erhalten, dass Kundenkontakte möglichst zu vermeiden seien und dass sie auch im Umgang untereinander den nötigen Sicherheitsabstand einhalten sollen.

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Er könne sich keine krankheitsbedingten Ausfälle leisten, so Grimm. Ab und zu gebe es Probleme, weil ein Ersatzteil, vieles komme aus Italien, nicht beschafft werden kann, aber dann müsse man eben improvisieren.

Laufende Informationen von der Kreishandwerkerschaft verspricht deren Geschäftsführer Rainer Wagner. „Bei uns laufen viele Informationen zusammen, die wir gerne an unsere Mitglieder weitergeben“, berichtet er.