Brigachtal – Vor wenigen Wochen wurde der neuen Kunstrasenplatz des FC Brigachtal seiner Bestimmung übergeben (wir berichteten).

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Er ist einer der ersten Plätze der Region, die nicht mit Kunststoffgranulat eingestreut wurden, sondern mit kleinen Kork-Partikeln. Weitere Kork-Plätze gibt es zum Beispiel in Dauchingen und ganz frisch beim BSV Schwenningen.

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Die Nachricht im Sommer, dass die Europäische Kommission ein Verbot von Kunstrasenplätzen plane, sorgte bei vielen Vereinen in ganz Deutschland für Verunsicherung. Mehrere tausend Plätze wären betroffen gewesen, darunter auch zahlreiche Sportstätten in der Region. Das Problem: Viele Spielfelder sind mit einem Kunststoff-Granulat gefüllt. Tonnenweise Mikroplastik gelangt so nach und nach in die Umwelt. Experten vom Fraunhofer-Institut gehen davon aus, dass allein in Deutschland pro Jahr rund 10.000 Tonnen Plastikpartikel verloren gehen und die Umwelt belasten. Etwas später folgte die Entwarnung: Eine allgemeine Schließung der Plätze sei nicht geplant. Dennoch laufen derzeit Prüfungen, wie umweltschädliches Mikroplastik verringert werden kann. Die Ergebnisse sollen ab Mitte 2020 beraten werden. Ein mögliches Szenario könnte sein, dass bestehende Plätze einen Bestandsschutz erhalten, bei Sanierungen und Neubauten jedoch umweltfreundliche Materialien zum Einsatz kommen müssen.

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FC Brigachtal wird grün: Ganz egal, zu welchem Ergebnis die EU-Kommission kommt, der FC Brigachtal wäre wohl nicht betroffen. Die Vereinsmitglieder hatten sich im vergangenen Herbst – offenbar in weiser Voraussicht – für eine nachhaltige Kork-Variante entschieden, auch wenn damit höhere Kosten verbunden waren. Der neue Kunstrasen, der den alten Hartplatz ersetzt, ist Teil der Vereins-Kampagne „FCB wird grün“. Die umfasst weitere Baumaßnahmen, wie zum Beispiel der Umbau des Trainingsplatzes in ein Kleinspielfeld, dem Bau eines Geräteschuppens und der Schaffung von neuen Parkplätzen. 800.000 Euro wurde für das Gesamtprojekt veranschlagt. 500.000 Euro steuerte die Gemeinde bei, 93.000 Euro der Badische Sportverband über einen Zuschuss. 207.000 Euro stemmte der Verein selbst über Rasenpatenschaften, einen Kredit und Eigenleistungen.

Die erste Mannschaft trainiert im Scheinwerferlicht auf dem neuen Kunstrasenplatz.
Die erste Mannschaft trainiert im Scheinwerferlicht auf dem neuen Kunstrasenplatz. | Bild: Fröhlich, Jens

Eigenleistung: Stolze 5000 Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder. „Es halfen immer 15 bis 20 Leute bei Arbeitseinsätzen mit“, freuen sich Olaf Faller, Lothar Bertsche und Alexander Bosch vom Kunstrasen-Projektteam über die große Hilfsbereitschaft. „Eine tolle Leistung“, so Bertsche. Besonders hervorzuheben seien hier Projektleiter Volker Hirt und Bauleiter Franz Käfer, fügt Bosch hinzu. „Ohne Volker Hirt hätten wir gar nicht erst begonnen.“ Und Franz Käfer sei fast täglich auf dem Sportplatz, um anstehende Arbeiten zu koordinieren. Nur durch diese Mannschaftsleistung konnte das Großprojekt, unter der Regie des Vorsitzenden Frank Ritzmann und seinem Vorstandsteam, bewältigt werden. Im kommenden Jahr soll alles fertig sein.

Bauphase: Nachdem sich die Verantwortlichen im Herbst 2018 mit knapper Mehrheit für eine Kork-Variante entschieden hatten starteten bereits im Januar die Arbeiten mit der Rodung der von Bäumen. Danach wurde im April der alte Hartplatz abtragen ehe im Juni mit dem Neubau begonnen wurde. Der Kunstrasenplatz ist nun bereits im Einsatz. Ganz fertig sind wir aber erst kommendes Jahr im Mai“, erklärt Bosch. Die Zaunanlage, das Beachvolleyball-Feld, ein Geräteschuppen sowie die neuen Parkplätze müssen noch gebaut werden.

Im Juni 2019 begannen die Bauarbeiten am alten Hartplatz.
Im Juni 2019 begannen die Bauarbeiten am alten Hartplatz. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Aufbau Kunstrasen: Der Platz besteht aus mehreren Schichten, die am Ende dafür Sorgen, dass der Platz elastisch und weich ist, sich über die Jahre aber nicht verformt. Über dem unterbau und einer mineralischen Tragschicht wir die etwa zwei bis drei Zentirmeter dicke Elastikschicht verlegt die aus grobem, gepressten Kunststoffgranulat besteht. Darauf werden die die Bahnen mit den Kunststofffasern verlegt und verschweißt. Die grünen Fasern sind etwa vier bis fünf Zentimeter lang. In die Fasern wurden 200 Tonnen Quarzsand und neun Tonnen Korkgranulat eingearbeitet und verdichtet. Die Fasern schauen am Ende noch etwa ein Zentimeter aus diesem Gemisch heraus.

Der Kunstrasenplatz ist in Schichten aufgebaut.
Der Kunstrasenplatz ist in Schichten aufgebaut. | Bild: Fröhlich, Jens

Pflege: „Laub und andere grobe Verschmutzungen müssen mit einem Laubbläser regelmäßig entfernt werden“, so Bosch. Einmal wöchentlich ist die Platzpflege mit einem speziellen Reinigungsgerät nötig, das dem Verein derzeit im Testbetrieb zur Verfügung steht. Damit wird der Boden eingeebnet und das Granulat wieder gleichmäßig verteilt. „Die Lebensdauer des Platzes hängt maßgeblich von dieser sorgfältigen Pflege ab“, wissen die Verantwortlichen.

Das Reinigungsgerät kommt einmal pro Woche zum Einsatz. Es steht dem Verein momentan zu Testzwecken zur Verfügung.
Das Reinigungsgerät kommt einmal pro Woche zum Einsatz. Es steht dem Verein momentan zu Testzwecken zur Verfügung. | Bild: Fröhlich, Jens

Einmal im Jahr steht zudem eine Grundreinigung durch eine Fachfirma an. Mehrere tausend Euro sind zusammen jährlich für die Pflege fällig. Die Lebensdauer des Obermaterials soll bei 15 Jahren liegen, die Unterschicht hält dreimal so lange.

Vorteile: Doch wo liegen denn nun die Vorteile, wenn Neubau, Pflegeaufwand und laufende Kosten teurer sind? „Die Linien müssen nicht vor jedem Spiel neu gezogen werden“, zählt Bosch einen Grund auf.

Die Linien und Punkte sind dauerhaft auf dem Kunstrasen aufgemalt. Gut zu erkennen sind hier auch die kleinen Korkteilchen zwischen den grünen Fasern.
Die Linien und Punkte sind dauerhaft auf dem Kunstrasen aufgemalt. Gut zu erkennen sind hier auch die kleinen Korkteilchen zwischen den grünen Fasern. | Bild: Fröhlich, Jens

Vor allem spiele aber der Faktor Zeit ein Rolle. „Jede Generation baut einen neuen Platz“, nennt Bertsche einen groben Richtwert. Eine Ersparnis komme erst zum Ende hin zum Tragen. „Entsorgung und Rückbau sind günstiger als bei Plätzen mit Plastikgranulat“, so Bosch. Quarzsand und Kork sind dabei unproblematisch. Der verbaute Kunststoff darunter sei wiederverwertbar. Alles Punkte, die auf das Konto Nachhaltigkeit einzahlen und dem heutigen Vereinsnachwuchs in Zukunft nicht belasten.

Zukunft: Das ist ein wichtiger Punkt für die Vereinsverantwortlichen, denn Nachwuchsbereich hat im Verein einen großen Stellenwert. 20 Ehrenamtliche betreuen und trainieren regelmäßig rund 130 Kinder und Jugendliche. Das ist nicht nur ein wichtiger gesellschaftlicher Dienst, sondern soll auch den sportlichen Erfolg des Vereins sichern. „Wir wünschen uns, dass wir damit bei vielen Kindern die Lust am Sport wecken und dass Nachwuchsspieler später nicht zu anderen Vereinen wechseln“, sagt der zweite Vorsitzende und fügt hinzu: „Vielleicht kommen einige auch wieder zurück.“

FC Brigachtal: Der Verein besteht aus den beiden Traditionsvereinen FC 1920 Klengen und FC 1920 Kirchdorf. 2016 erfolgte die Fusion zum FC Brigachtal, der mit derzeit knapp 800 Mitgliedern der größte Verein der Gemeinde ist. Die Vereinsfarben grün und weiß wurden in Anlehnung an das Gemeindewappen gewählt.

 

Wie es sich auf dem neuen Platz spielt, verraten die aktiven Sportler der ersten Mannschaft im folgenden Artikel:

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