Auf der Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung am kommenden Montag steht ein emotioales Thema, das auf der Baar rund um Donaueschingen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden dürfte. Auf der Agenda steht die Einführung des Altkennzeichens "DS" für Donaueschingen. Bundesweit wurden laut Bundesverkehrsministerium in den letzten Jahren rund 300 Retroschilder zugelassen. Auch in den Nachbarlandkreisen gibt es mittlerweile einige Altkennzeichen, wie ein Blick in die Region zeigt.

Villinger Schild bleibt Geschichte

Keine Chance auf eine Rückkehr hat die alte VL-Nummer. "Die Einführung ist nicht mehr möglich, weil Villingen keine eigenständige Gemeinde mehr ist", erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Edgar Schurr. Seinen Fraktionskollegen ist es freigestellt, ob sie für oder gegen die Einführung der DS-Retronummer stimmen. Ähnliches ist auch aus CDU-Kreisen zu erfahren.

Verschiedene historische VW-Käfer.
Verschiedene historische VW-Käfer. | Bild: Uli Deck

Ein Landkreis, fünf Kennzeichen, keine Bedenken

Besonders vielfältig geht es in der Ortenau zu. Im flächenmäßig größten Landkreis können neben der OG-Nummer auch Schilder mit WOL für Wolfach, KEL für Kehl, BH für Bühl und LR für Lahr an die Stoßstange geschraubt werden. Die Bedenken im Ortenaukreis, dass fünf Kennzeichen zu einer Spaltung der Bevölkerung führen, haben sich im Nachhinein nicht bestätigt. "Die Bevölkerung wollte es so. Die Lahrer wollten das LR-Kennzeichen als Werbeeffekt für die Landesgartenschau und in Kehl war man der Meinung, dass sich die Bürger dann stärker mit ihrer Stadt identifizieren", erklärt Franz Benz, der Leiter der Zulassungsstelle im Ortenaukreis.

EDV-Technik ist kein Problem

Laut Gesetz können alle Autos mit den Altkennzeichen zugelassen werden, unabhängig vom Wohnort des Halters. Folglich kann ein Autofahrer in Wolfach auch ein Kennzeichen aus Kehl, Lahr oder Bühl bestellen. "Das kommt auch relativ häufig vor", erklärt Benz. Vor allem Oldtimerfahrer oder Personen, die unbedingt eine bestimmte Kombination auf dem Nummernschild haben wollen, hätten so mehr Auswahl.

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Bislang positive Erfahrungen in Freudenstadt

Im Landkreis Freudenstadt wurde die Einführung des Altkennzeichens für Horb im September 2013 beschlossen. Befürworter begründeten die Initiative damals damit, dass das die Retronummer identitätsstiftend sei und sich positiv für das Stadtmarketing und die Wahrnehmbarkeit der Stadt Horb auswirken könne, erklärt Pressesprecherin Sabine Eisele auf Anfrage des SÜDKURIER. Die Nachfrage nach dem Altkennzeichen "HOR" ist sehr hoch. Stand heute wurden 1851 von knapp 17600 neuen Autos seitdem mit einem Horber Kennzeichen zugelassen. Dazu kommt eine große Zahl an Umschreibungen.

Stolze Hohenzollern mit eigener Nummer

Auch im Zollernalbkreis ist seit der Wiederzulassung neben dem BL-Nummernschild das HCH-Kennzeichen zu finden. "Im Fall der ehemaligen hohenzollerschen Lande sollte das noch eindeutig ausgeprägte Selbstverständis zum Ausdruck gebracht werden", erklärt Pressesprecherin Marisa Hahn die Motivation. Das HCH-Kennzeichen sei nach der Einführung auf relativ großen Zuspruch gestoßen. Zahlreiche Autofahrer haben auf eigene Kosten ihr Fahrzeug umkennzeichnen lassen. Zum 30. November waren 185 120 Fahrzeuge im Zollernalbkreis zugelassen, davon 12 336 oder 6,6 Prozent mit HCH-Kennzeichen.

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Nur Überlingen muss vorerst verzichten

Auch im Bodenseekreis wurde die Einführung von Altkennzeichen schon mehrfach diskutiert. Hier könnten in Tettnang (TT) und Überlingen (ÜB) theoretisch zugelassen werden. Allerdings wurde die Einführung mehrfach im Kreistag abgelehnt. Die Mehrheit im Gremium war der Meinung, die Altkennzeichen könnten die Bürger des baden-württembergischen Landkreises spalten. Allerdings ist die Einführung noch nicht ganz vom Tisch. So will die SPD das Thema nach der Kommunalwahl 2019 wieder aufnehmen und für eine Mehrheit zugunsten der Altkennzeichen kämpfen.

Berthold Haller, einst Kommandant der Markdorfer Feuerwehr zeigt ein Schmuckstück – ein altes Tanklöschfahrzeug, das nie abgemeldet wurde, mit ÜB-Kennzeichen.
Berthold Haller, einst Kommandant der Markdorfer Feuerwehr zeigt ein Schmuckstück – ein altes Tanklöschfahrzeug, das nie abgemeldet wurde, mit ÜB-Kennzeichen. | Bild: Ganter, Toni