Nein, die Fasnacht kann man nicht absagen, diese ist ein fester Bestandteil im Jahreskalender, aber alle offiziellen Veranstaltungen werden wohl Corona zum Opfer fallen, so der Löffinger Narrenvater Sven (Seidel) I.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahrzehnten der 11.11. eingeschränkt war“, informiert der Löffinger Fasnetforscher Rudolf Gwinner. Selbst 1991, während des Golfkriegs, wurde am Hexenbrunnen am 11.11. um 11.11 Uhr das Fasnetmotto verkündet. Ein geschickter Schachzug der Löffinger Narren, den 11.11. (Beginn des rheinischen Karnevals) und den 6. Januar (Start der schwäbisch-alemannischen Fasnet) miteinander zu verbinden. 1975 wurde der Löffinger Hexenbrunnen seiner Bestimmung übergeben, seither treffen sich dort das närrische Publikum, Hexen und Löffelguggis, um vom Narrenrat das Fasnetmotto und die Termine zu erfahren.

Ganz früher war die Verkündung erst an der Narrenversammlung. Diese wurde aufgrund von Überschneidungen mit der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte vom ersten Samstag im Januar grundsätzlich auf den 6. Januar verlegt.

Nun sitzt Laternenbruder und Narrenvater Sven ganz alleine mit seiner Laterne unter dem Hexenbrunnen, um das Narrenmotto zu verkünden: „Ko Sau macht die Fasnet hie, nit emol die Pandemie“. Man sieht, die Löffinger Fasnet ist also nicht nur Tradition, sondern auch brandaktuell.

Dies möchten die Narren des Löffinger Öschs auch weiter unter Beweis stellen. Gemeinsam mit allen Zunftmeistern und Vereinsvorständen sowie mit der Stadt und der Gemeinde Friedenweiler hat man die Vereinbarung getroffen, alle offiziellen Veranstaltungen an Fasnet 2021 abzusagen. Also keine Narrenversammlung, keine Umzüge oder Besuche in öffentlichen Gebäuden, und auch keine Saal-Veranstaltungen.

Öschabend auf einer virtuellen Bühne

Darunter fällt auch der Öschabend, der seit 1977 gemeinsam von den Löffinger Öschzünften in der Festhalle durchgeführt wird. Im 34. Jahr wird der Öschabend anders sein. „Wenn wir auf die Präsenz verzichten müssen – warum dann nicht einen virtuellen Öschabend“, dieser Frage gehen die Narren zurzeit nach. Nach dem Motto „The Show must go on“ hat das Team der Leffo-Homepage (www.leffo.de) eine virtuelle Leffo-Bühne eröffnet. Eine Bühne für regionale Musiker, Künstler und Talente aus Löffingen und den Ortsteilen, diese könnten auch virtuell auf der Ösch-Fasnet-Bühne gezeigt werden.

Einsam sitzt Narrenvater Sven I. mit seiner Laterne am Narrenbrunnen. Normalerweise wäre heute um 11.11 Uhr närrisches Treiben unter der Hexe anzutreffen.
Einsam sitzt Narrenvater Sven I. mit seiner Laterne am Narrenbrunnen. Normalerweise wäre heute um 11.11 Uhr närrisches Treiben unter der Hexe anzutreffen. | Bild: Gerold Bächle

Auf jeden Fall, so Sven Seidel, möchte man die Fasnet sichtbar machen. So appellieren die Narrenväter, die Kinder verkleidet in Kindergärten und Schulen zu schicken, um gerade auch dem Nachwuchs die Tradition und das Brauchtum Fasnacht aufzuzeigen. „Die Fasnacht lebt auch unter schwierigen Umständen“, so Narrenvater Sven Seidel.

Die Stadt soll trotz allem fasnachtlich aussehen

Deshalb gilt außerdem der Appell an die Bewohner, die Häuser fasnachtlich zu schmücken. Die Einzelhändler sind gebeten, die Schaufenster der fünften Jahreszeit anzupassen, während die Narren ihrerseits unter Einhaltung der Corona-Auflagen die Fasnetbändel aufhängen möchten.

Die Fasnacht bleibt auch in Corono-Zeiten – aber wahrscheinlich mit einem anderen Erscheinungsbild. Ende Januar werden Vertreter der Narrenvereine, der Stadt Löffingen und der Gemeinde Friedenweiler nochmals zusammensitzen, um die Fasnacht der aktuellen Situation anzupassen.