Die weite Ebene des Irndofer Hardts ist für jeden Naturfreund ein beeindruckendes Erlebnis. Hier im Naturschutzgebiet Simonstal leben derzeit 66 Ziegen unter dem Kommando von Ziegenbock Leonardo. Am Freitag war die Ziegenherde das Ziel einer vom Naturschutzzentrum in Beuron organisierten Exkursion, an der sich rund 25 Naturfreunde beteiligten. Auf dem Weg zum Ziegengebiet wies die ehemalige Biologielehrerin und Botanikexpertin Jutta Bohne auf die im Naturschutzgebiet wachsenden botanischen Raritäten hin und erklärte Details zu den Pflanzen.

Unterwegs zum Ziegenparadies gibt es für die Teilnehmer der Exkursion links und rechts des Wegs botanische Kostbarkeiten zu entdecken.
Unterwegs zum Ziegenparadies gibt es für die Teilnehmer der Exkursion links und rechts des Wegs botanische Kostbarkeiten zu entdecken. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Die Ziegen haben hier vor allem die Aufgabe, zu fressen und sich wohlzufühlen. Das Fressen hat dabei einen doppelten Zweck. Die Klauentiere sorgen damit für die Freihaltung der Flächen. Außerdem legen sie sich dabei das Schlachtgewicht für den Spätherbst zu. Denn die Ziegen gehören zum "MeiMecki"-Projekt der Irndorfer Familie Schellenbaum. Mit Ausnahme der Stammherde von rund 20 Geißen verbringen die Ziegen im Simonstal nur etwa ein Jahr in der Herde. Achim Schellenbaum erklärt: "Die Tiere kommen als Lämmer zu mir oder stammen aus eigener Nachzucht. Sie werden im nächsten Spätherbst geschlachtet."

Ziegeninvest-Projekt

Soweit hört sich das MeiMecki-Konzept noch nicht sonderlich neu an. Im Rahmen eines "Ziegeninvests" werden die Schellenbaum-Tiere bereits im Frühjahr verkauft. Der Besitzer erhält dann im Herbst das Fleisch. Der Wert des Fleischs liegt deutlich über dem eigentlichen Betrag, den der Investor bereits im Frühjahr bezahlt hat. Schellenbaum: "Das Konzept kommt an, ich habe sogar Kunden aus Stuttgart." Wichtig ist für ihn, dass die Ziegen ihr kurzes Leben in der Natur verbringen. Sie erhalten in dieser Zeit kein anderes Futter als die Blumen, Gräser, Blätter oder junges Buschwerk, das die Natur auf dem Irndorfer Hardt anbietet.

Wertvolle Pflanzen werden erhalten

Genau an diesem Punkt kommen der Naturschutz und die Geschäftsidee der Irndorfer Familie zusammen. Denn besonders an den Hängen des Simonstals wachsen zahlreiche Blumen und Gräser, die anderswo zum Teil recht selten geworden sind oder gar nicht vorkommen. Ute Raddatz, die Leiterin des Beuroner Naturschutzzentrums, erläutert: "Würde dieses Gebiet nach den heutigen landwirtschaftlichen Methoden als Wiese bewirtschaftet oder mit den modernen Grasschneidemaschinen bearbeitet, wären die pflanzlichen Kostbarkeiten hier bald verschwunden."

Tierwohl und Naturschutz

Trotzdem muss die Vegetation klein gehalten werden, so Achim Schellenbaum. Sonst würden Wald und Gebüsch die ökologisch wertvollen Freiflächen überwuchern. Deswegen dienen die Schellenbaum-Ziegen als lebendige Mäher. Mit ihrem Appetit halten sie die Pflanzen klein. Die Paarhufer werden, so erklärt Schellenbaum, absolut tiergerecht gehalten: "Für sie ist die Zeit im Simonstal ein Paradies", zeigt sich der Ziegenhalter überzeugt. Der Tierschutz endet auch nicht vor der Schlachtung. Dazu stehen Schellenbaum die Einrichtungen des Bio-Betriebs Bäumle-Hof in Leibertingen zur Verfügung.

Die beiden "Bosse" der Irndofer Ziegenherde. Im Vordergrund ist Ziegenbock Leonardo zu sehen, hinter ihm steht Herdenbesitzer Achim Schellenbaum.
Die beiden "Bosse" der Irndofer Ziegenherde. Im Vordergrund ist Ziegenbock Leonardo zu sehen, hinter ihm steht Herdenbesitzer Achim Schellenbaum. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Die Ziegen sind allerdings nicht die einzigen Tiere, die im Naturschutzgebiet für Flora, Fauna und den Menschen im Einsatz sind. Der Irndorfer arbeitet mit der Imkerei von Ottmar Frick zusammen. Dazu meint der Imker: "Die Bienen finden hier eine Unzahl von verschiedenen Nektarquellen, die auf normal betriebenen Wiesen einer pflanzlichen Monotonie gewichen sind."

Betrieb ist ein Familienunternehmen

Der MeiMeki-Betrieb ist ein Familienunternehmen. Zu den Helfern gehört der Vater von Achim Schellenbaum. "Ich prüfe täglich die Zäune und bringe Wasser", sagt Siegfried Schellenbaum über seine Aufgaben.