Herr Matz, Sie und Ihre Frau Astrid planen, in der zweiten Etage des ehemaligen Möbelhauses an der Immendinger Schwarzwaldstraße Live-Escape-Game Räume zu schaffen. Können Sie den Begriff Live-Escape-Game näher erklären?

Bei Live-Escape-Games handelt es sich um einen weitweit seit etwa 2010 immer beliebter werdenden Spieltrend. Kleinen Personengruppen, angefangen von zwei bis zu etwa sechs Leuten, wird in einem verschlossenen Raum eine Rätselaufgabe gestellt. Aus dem Raum müssen sich die Teilnehmer mit Geduld, Ausdauer, Geschicklichkeit und logischem Denken sowie mit Hilfe versteckter Hinweise und Gegenstände innerhalb einer vorgegebenen Zeit befreien (escape ist das englische Wort für Flucht). Das Szenario zum Spiel folgt einem bestimmten Thema, kann beispielsweise eine Detektivgeschichte sein oder ist angelehnt an bekannte Geschichten aus Film, Fernsehen, Computerspielen oder Literatur. Das Live-Erlebnis macht aus, dass man in den Räumen eine entsprechend dem Thema angepasste Einrichtung findet, Geräusche hört oder Gerüche wahrnimmt.

Bislang gibt es in der Region lediglich in größeren Städten Live-Escape-Game Räume. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein solches Projekt in Immendingen zu verwirklichen? Haben Sie Erfahrungen auf dem Gebiet?

Ich habe schon seit 25 Jahren großes persönliches Interesse am Spielen, war früher viel auf internationalen Turnieren, hatte eine eigene Spielegruppe. Der Gedanke, selbst Live-Escape-Räume zu schaffen, kam mir und meiner Frau Astrid vor etwa zwei Jahren. Wir wollen damit unser Hobby zum Beruf machen. In Immendingen haben wir ideale Voraussetzungen für die Einrichtung einer solchen Spielestätte gefunden. Das frühere Möbelhaus an der Schwarzwaldstraße 43 hat in der zweiten Etage eine Fläche von 350 Quadratmetern. Wir können dort sogar mehr als nur Live-Escape-Games anbieten. Ein Umbau für unsere Zwecke lässt sich leicht realisieren und wir können die Räume zu einem guten Preis mieten.

Können Sie beschreiben, wie Ihre Live-Escape-Game Räume in Immendingen in etwa aussehen? Gibt es eine Zuordnung nach verschiedenen Themen?

Ja, unsere fünf Live-Escape-Game Räume werden unterschiedlichen Themen gewidmet. Besonders im Trend ist momentan vor allem auf Grund der Erfolgs-Fernsehserie "The Walking Dead" das Thema Zombies. Einer unserer Räume wird daher "Zombie-Apokalypse" heißen. Außerdem wird es eine mit einer Vielzahl von Büchern ausgestattete "Bibliothek" geben. Für die Spieler bietet diese Bibliothek ausnahmsweise einmal einen Überschuss an Informationen, statt des sonst gewohnten Informationsdefizits. Darin besteht dann die besondere Herausforderung. Ein weiteres Thema wird ein simuliertes Outdoor-Camping sein. Für einen der Räume ist das Motto noch offen. Vielleicht richten wir ihn poppig bunt für Kinder und Anfänger ein, wobei auch andere Spieler am Rätsellösen in dieser lustigen Kinderwelt vielleicht Spaß haben. Ohnehin ist es vorgesehen, für alle Themenräume verschiedene Schwierigkeitsgrade von leicht, über mittel bis schwer anzubieten. Der Kreativität bei der Einrichtung der Räume sind keine Grenzen gesetzt. Meine Frau und ich wollen versuchen, möglichst etwas Besonderes zu bieten und nicht einfach nur den sonst oft für Live-Escape-Games genutzten, Büroraum.

Plant die Schaffung von Räumen für Live-Escape-Games in einem ehemaligen Möbelhaus in Immendingen: Magnus Matz im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiterin Jutta Freudig. Bild: Michael Freudig
Plant die Schaffung von Räumen für Live-Escape-Games in einem ehemaligen Möbelhaus in Immendingen: Magnus Matz im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiterin Jutta Freudig. Bild: Michael Freudig

Werden in Ihren Räumen an der Schwarzwaldstraße auch andere Angebote als Live-Escape-Gaming gemacht?

Von den gut 300 Quadratmetern unserer Fläche, die neben Sanitäranlage, Lager und Küche noch vorhanden sind, werden nur etwa 160 bis 180 Quadratmeter für die fünf Live-Escape-Game Räume genutzt. Auf 150 Quadratmetern entsteht ein großer Saal mit einer Reihe von Tischen für Brettspiele. Rund 50 Brettspiele können bei uns gegen einen kleinen Tageseintritt ausprobiert werden. Die Vielfalt der angebotenen Brettspiele ist groß, reicht von "Monopoli" und "Risiko" bis zu allen möglichen Ravensburger Spielen, geeignet von zehn bis 99 Jahren. Wir haben besondere Kontakte zu Spieleläden und bieten auch hier Außergewöhnliches. Die Brettspiele können anschließend erworben werden.

Haben Sie bereits Interessenten für die Live-Escape-Game Räume und die geplanten Turniere? Und können auch Jugendliche die Spielräume betreten?

Das Interesse ist sehr groß und kommt nicht nur aus dem Privatbereich. Beispielsweise gibt es auch Interessenten aus der Industrie. Diese wollen die Räume für Teambildungsmaßnahmen mieten, andere für ihre Firmenausflüge. Gut geeignet ist Live-Escape-Gaming etwa für Junggesellenabschiede oder als Freizeitbeschäftigung an einem verregneten Nachmittag. Außerdem gibt es sogar Interesse von Eltern, die unsere Räume für Kindergeburtstage von Zehn- bis Zwölfjährigen mieten wollen. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Mit dem Tuttlinger Spieleverein haben wir einen festen Untermieter, der für die Nutzung einen monatlichen Abschlag bezahlt.

Wie können sich Interessenten für die Nutzung der neuen Spielestätte melden, wie groß müssen die Gruppen sein und was kostet das Spielen?

Die Anmeldung kann online auf unserer Homepage (www.refugium-immendingen.de) vorgenommen werden. Die meisten unserer Räume sind für Spielergruppen von zwei bis vier Personen gedacht, einer für sechs Personen. Die Teilnahme größerer Gruppen ist nach Vereinbarung ebenfalls möglich. Der Preis für das Live-Escape-Gaming beträgt je nach Gruppengröße zwischen 17 und 25 Euro pro Person, das heißt bei zwei Personen 50 Euro, bei sechs Personen insgesamt 102 Euro je Raum. Wir rechnen mit dem größten Interesse zu Feierabendzeiten und an Wochenenden. Meine Frau Astrid Matz betreut die Spielestätte.

Wie weit sind Ihre Vorbereitungen für den Umbau des Gebäudes inzwischen und wann planen Sie den Start für die neuen Live-Escape-Game Räume?

Wir haben im Januar den Bauantrag für den Umbau der Möbelhausflächen in der ersten Etage und den Anbau einer Außentreppe für den neuen Eingang im hinteren Gebäudebereich gestellt. Er wurde bereits im Immendinger Gemeinderat beraten, ist von der zuständigen Baubehörde aber leider noch immer nicht genehmigt worden. Für die Baufreigabe müssen wir noch Stellplätze ablösen und Brandschutzfragen klären. Wenn man in Deutschland den korrekten Weg beim Bauen geht, muss man offenbar viel Geduld mitbringen. Kommt grünes Licht, beträgt die effektive Bauzeit vier Wochen. Den Eröffnungstermin werden wir auf Facebook und unserer Homepage ankündigen. Wir hoffen, es klappt im August.

Fragen: Jutta Freudig