28 Kinder werden bei den Stadträten und der Verwaltung im kommenden Jahr für einiges Kopfzerbrechen sorgen. Denn die 329 Kindergartenplätze, die es in Hüfingen gibt, werden im Kindergartenjahr 2021/22 nicht mehr ausreichen.

Aktuell sind noch 24 Plätze frei, doch der Bedarf steigt

Sind es aktuell noch 24 freie Plätze, schrumpft die Reserve schon für das Kindergartenjahr 2020/21 auf zehn Plätze. „Im Kindergartenjahr darauf gibt es dann noch einmal einen Ausschlag noch oben“, erklärt Hauptamtsleiter Horst Vetter. Der Bedarf steigt auf 357 Plätze, sodass die 329 Plätze nicht mehr ausreichen werden. „Wir müssen also für 2021/22 dringend weitere Plätze schaffen“, erklärt Vetter. Denn es gibt den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.

In den Ortsteilen sieht es 2021/22 nicht ganz so schlimm aus

Die Situation 2021/22: Die 28 fehlenden Plätze sind allerdings nur eine Zahl, die ganz unten in der Tabelle steht. Der Bedarf wird noch deutlicher, wenn man den Fokus auf die Kernstadt und die Einrichtungen legt. In Hausen vor Wald sind natürlich durch die Schließung des Kindergartens gar keine Plätze mehr vorhanden, und die 22 Kinder müssen in andere Einrichtungen. Ähnlich sieht es in Sumpfohren aus, wo es nun zwar Krippen-, aber keine Kindergartenplätze mehr gibt. Auch hier sind es zwölf Kinder, die in einer anderen Einrichtung untergebracht werden müssen.

Kindergarten in Behla ist gut angelaufen

Allerdings gibt es auch noch den Zentralen Ortsteilkindergarten in Behla, dessen Einrichtung im Vorfeld für reichlich Diskussionen gesorgt hatte. Das Ziel war es, mit dem Kindergarten in Behla den Ortsteil-Eltern wesentliche flexiblere Betreuungszeiten anbieten zu können.

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Und wie sieht es nun in Behla aus? Rechnerisch besteht 2021/22 ein Bedarf für 31 Kinder und es ist noch 44 Plätze frei. Allerdings bezieht sich das nur darauf, wenn man die Zahlen für Behla allein betrachtet. Dass sich viele Eltern flexiblere Betreuungszeiten wünschen, sieht man an den aktuellen Belegungszahlen.

„Der Kindergarten in Behla wird sehr gut angenommen.“
Horst Vetter, Hauptamtsleiter

Denn aktuell wird die Einrichtung, die erst im Sommer eröffnet worden ist, von 41 Kindern besucht – auf dem Papier stehen für Behla allerdings nur 21 Kinder. Die zusätzlichen Kinder kommen dabei nicht nur aus Hausen vor Wald und Sumpfohren, wo die Kindergärten geschlossen oder in eine Krippe umgewandelt worden sind, sondern auch aus der Kernstadt.

In der Kernstadt fehlen wesentlich mehr Plätze

Und genau in der Kernstadt entsteht auch ein immer größer werdendes Betreuungsproblem: Aktuell fehlen auf dem Papier zehn Plätze, im kommenden Kindergartenjahr werden es 19 Plätze sein und im Kindergartenjahr 2021/22 sind es dann 43 Plätze, die fehlen werden. Doch was tun? An beiden Kernstadt-Kindergärten – St. Verena und Luise-Scheppler-Kindergarten – waren schon in den vergangenen Jahren Baustellen. Dort noch eine Gruppe anbauen? Auch ein Naturkindergarten ist schon im Gespräch, der den Kapazitätsengpass beheben soll.

„Wir werden im kommenden Jahr Vorschläge machen und dann gemeinsam mit dem Gemeinderat eine Lösung entwickeln.“
Michael Kollmeier, Bürgermeister

Natürlich könnte man jetzt auch argumentieren, dass beispielsweise der Kindergarten in Fürstenberg nicht bis zum letzten Platz belegt ist und dort auch noch Kapazitäten frei wären. „Aber es ist nicht ganz so realistisch, anzunehmen, dass jemand aus der Kernstadt sein Kind nach Fürstenberg fährt“, sagt Vetter. Auch Bürgermeister Michael Kollmeier sieht Handlungsbedarf: „Wir werden im kommenden Jahr Vorschläge machen und dann gemeinsam mit dem Gemeinderat eine Lösung entwickeln“, so das Hüfinger Stadtoberhaupt.

„Der Bedarf steigt und steigt und wir können den Rechtsanspruch nicht mehr gewährleisten.“
Harald Weh, CDU

Doch auch ohne Vorschläge vonseiten der Verwaltung können die Stadträte schon eine gewisse Vorstellung haben, wo es hingehen soll. „Der Bedarf steigt und steigt und wir können den Rechtsanspruch nicht mehr gewährleisten“, sagt CDU-Stadtrat Harald Weh. Ein Naturkindergarten sei auch mit Kosten verbunden und man müsse prüfen, ob denn nicht ein neuer Kindergarten im Neubaugebiet möglich wäre. Schließlich könne da auf die Stadt durchaus auch noch mehr zukommen: „Der Bedarf an verlängerten Öffnungszeiten steigt schließlich auch“, erklärt Weh.

„Aber wenn es nicht genügend Kindergartenplätze gibt, dann sorgt das für Ärger und Verdruss bei den Eltern. Das können wir uns nicht leisten.“
Sigmund Vögtle, SPD

Über steigende Kinderzahlen freut sich SPD-Stadtrat Sigmund Vögtle: „Aber wenn es nicht genügend Kindergartenplätze gibt, dann sorgt das für Ärger und Verdruss bei den Eltern. Das können wir uns nicht leisten“, so Vögtle, für den eine Erweiterung einer der beiden bestehenden Kernstadt-Einrichtungen nicht in Frage kommt. „Das wäre doch nur Stückwerk. Außerdem stoßen wir da räumlich an die Grenzen.“ Und auch dem Waldkindergarten erteilt er eine Absage. Allerdings bringt er dann einen für Hüfingen ganz neuen Ansatz: einen Kindergarten, der nicht unter kirchlicher, sondern unter städtischer Trägerschaft läuft. Denn so etwas gibt es in Hüfingen nicht. „Die Eltern hätten dann echte Wahlfreiheit.“

Adolf Baumann, FW/FDP/UWV

Von schnellen und rasanten Veränderungen bei der Kinderbetreuung spricht Adolf Baumann, Fraktionssprecher des Dreierbündnisses FW/FDP/UWV. „Wir haben erlebt, wie sich in den vergangenen zehn Jahren die Bedürfnisse der Eltern komplett verändert haben“, sagt Baumann. So schnell ginge es, dass der Gemeinderat kaum noch hinterherkomme. „Wir müssen aufpassen, dass wir 2021/22 nicht in ein Delta hineinlaufen“, so Baumann, der einen Anbau an eine bestehende Einrichtung allerdings nicht für realistisch hält. „Aber wir könnten gegenüber von St. Verena etwas bauen.“ Hüfingen sei für viele Familien mit Kindern attraktiv und das sollte auch weiterentwickelt werden. „Wir sollten selbst etwas bauen und das mit der Trägerschaft können wir ja dann von Fall zu Fall überlegen.“

„Wir favorisieren einen Naturkindergarten. Das kommt von den Kosten auch nicht teurer als ein Neubau auf der Wiese.“
Peter Albert, BFSO/Grüne

Einen Neubau oder gar „die Umnutzung einer Turnhalle“ stößt bei der BFSO/Grünen-Fraktion auf wenig Begeisterung: „Wir favorisieren einen Naturkindergarten„, sagt der Fraktionssprecher Peter Albert und fügt hinzu: „Das kommt von den Kosten auch nicht teurer als ein Neubau auf der Wiese.“

Für das kommenden Jahr steht auf jeden Fall die Diskussion auf dem Plan: „Wir werden das gemeinsam entwickeln und dann klären, wo der beste Standort ist und woher das Personal kommt“, sagt Bürgermeister Michael Kollmeier. Aber eines sei sicher: Hüfingen werde weiterhin ein dezentrales Kindergartensystem verfolgen, bei dem es auch entsprechende Kindergärten in den Ortsteilen gibt. Alle Einrichtungen in einem zentralen Kindergarten zusammenzuführen, sei nicht geplant.

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