Der Traum von einer Modelleisenbahn ist einer, der auch heute noch viele Kinder umtreibt. Doch nicht immer ist ausreichend Platz dafür vorhanden, geschweige denn ausreichend Geld, um sich die Anschaffung der teilweise sehr teuren Züge, Lokomotiven und Gleisanlagen leisten zu können.

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U-Boote sind eine Herausforderung

Auch Manfred Weh ist passionierter Modellbauer. Das beschränkt sich nicht nur auf die Eisenbahn, sondern beinhaltet auch Autos, Schiffe und sogar U-Boote. Bereits dreimal hat der 77-Jährige bereits die berühmte Nautilus aus Jules Vernes Roman "20 000 Meilen unter dem Meer" nachgebaut. Nicht immer war ihm im Anschluss dabei das Glück hold. Eines dieser Modelle tauchte im Salinensee bei Bad Dürrheim ab – und nie wieder auf. "Da haben sogar die Schwenninger Taucher danach gesucht. Allerdings erfolglos. Es blieb verschwunden", sagt Weh.

Damals sei die Funkverbindung der Fernbedinung noch nicht so gut gewesen wie heute. Seine Modelle führt er auch in Friedrichshafen auf der Modellbau-Messe vor: "Die U-Boote zeigte ich in einem kleinen Becken. Es taucht genauso, wie es auch ein großes tut." Aber worin liegt die Faszination, ausgerechnet ein U-Boot zu bauen? "Es ist eine Herausforderung. Es muss tauchen können, wasserdicht sein, dem Druck standhalten. Wenn Wasser eindringt, muss der Druck ausgeglichen werden – dazu muss eigens ein entsprechender Schalter rein", erklärt Weh.

Titelseite für eines von Wehs selbst gebauten Autos im Modellbau-Magazin.
Titelseite für eines von Wehs selbst gebauten Autos im Modellbau-Magazin. | Bild: Simon, Guy

Kritisch zu sein ist wichtig

Die Genauigkeit und die Liebe zum Detail begleitete ihn auch immer in seiner beruflichen Laufbahn: Bei der Bundeswehr beschäftigt er sich bereits mit der technischen Abnahme von Hubschraubern, schließlich wird er Zivilprüfer für das Luftfahrtbundesamt: "Es ist wichtig, immer kritisch zu sein, ansonsten finde ich keine Fehler." Für den Beruf essenziell, für den Modellbau auch, allerdings in kleinerer Version.

Diesen Mississippi-Dampfer hat Weh selbst konstruiert. Angetrieben wird er mit einer Dampfmaschine. Ebenfalls selbst gebaut.
Diesen Mississippi-Dampfer hat Weh selbst konstruiert. Angetrieben wird er mit einer Dampfmaschine. Ebenfalls selbst gebaut. | Bild: Simon, Guy

"Wenn es fährt, ist es langweilig."

In seiner Wohnung befindet sich eine Werkstatt mit kleiner Drehbank. Auf dem Tisch steht das Modell eines Hochseeschleppers. Damit ist Weh bereits seit rund 20 Jahren beschäftigt: "Eines der Schaufelräder besteht aus 125 Teilen – und das Schiff hat zwei davon." In seiner Modellbau-Karriere habe er sich immer jene ausgesucht, bei denen technisch etwas dahinter stecke. Wenn es dann schließlich funktioniert, wird zwar damit gefahren, der Reiz ist aber nicht mehr derselbe: "Wenn es fährt, ist es langweilig." Die Herausforderung liegt im Bau.

Der Hochseeschlepper ist ein aufwendiges Projekt, mit dem Weh bereits seit über 20 Jahren beschäftigt ist.
Der Hochseeschlepper ist ein aufwendiges Projekt, mit dem Weh bereits seit über 20 Jahren beschäftigt ist. | Bild: Simon, Guy

Natürlich braucht es für Modelle entsprechend viel Platz. Besonders für eine Eisenbahn mit entsprechender Landschaft drumherum. Auch dafür schlägt Wehs Herz, den notwendigen Platz hat er jedoch nicht mehr. Stattdessen hat für sich eine Alternative entdeckt: den digitalen Bereich. Mit dem Programm EEP-Eisenbahnsimulation lassen sich am Rechner sämtliche Landschaften und Bahnbauten, samt Gleisen und Zügen, authentisch nachbauen.

Szene vom Bahnhof Schaffhausen: Das alles hat Manfred Weh mit Plänen und Eigenbeobachtungen an seinem Rechner selbst nachgebaut.
Szene vom Bahnhof Schaffhausen: Das alles hat Manfred Weh mit Plänen und Eigenbeobachtungen an seinem Rechner selbst nachgebaut. | Bild: Simon, Guy

Strecke selbst abgefahren

Für Weh geht es aber auch hier ums Detail. Er baut Bahnhöfe nach, die es wirklich gibt. So etwa auch jenen in Schaffhausen. Dazu ist er im Vorfeld dort hingefahren, hat sich Pläne geben lassen, mit dem Fahrrad die Strecke abgeradelt. Für den Bahnhof hat er 40 Kilometer digitale Gleise verbaut. Bei den Ausmaßen, die der Bahnhof bereits angenommen hat, muss der Rechner mittlerweile kämpfen.

Bis aufs kleinste Detail ist alles einstellbar: die Signal-Anlagen, Schranken, Oberleitungen, Hochspannungsmasten, Weichen, wie schnell die Züge fahren, woher sie kommen, wohin sie gehen – selbst die Zeit ist machbar. So hat Weh den Bahnhof von Cochem in den Fünfzigern platziert. Dort fahren auch die entsprechenden Fahrzeuge von damals. Züge und Bauwerke lassen sich online dazu kaufen. Ein bestimmtes Zugmodell kostet dann etwa 2,50 Euro. "Sie können bauen ohne Ende", schwärmt der 77-Jährige.

So sieht die Planungsstruktur unterhalb der Oberfläche aus. Jedes Element des Schaffhauser Ablaufberges wird hier dargestellt: Lichtsignale, Gleise, Oberleitungen, Hochspannungsmasten.
So sieht die Planungsstruktur unterhalb der Oberfläche aus. Jedes Element des Schaffhauser Ablaufberges wird hier dargestellt: Lichtsignale, Gleise, Oberleitungen, Hochspannungsmasten. | Bild: Simon, Guy