Allein schon die Liste ist ein Achtungserfolg. Mit vier Frauen und drei Männern zieht die Partei Bündnis 90/ Die Grünen in den Hüfinger Kommunalwahlkampf.2014 standen nur zwei Namen auf der Kandidatenliste. Alle Kandidaten leben in der Kernstadt, die Ortsteile sind auf der Liste nicht vertreten.

2019 reicht die Altersspanne zwischen 24 und 60 Jahre. Die Alters-Antipoden bilden mit Peter und Christine Albert Vater und Tochter. Beide könnten bei entsprechender Stimmenzahl nach der Kommunalwahl am 26. Mai nebeneinander am Ratstisch sitzen. Möglich macht das eine Änderung im Kommunalwahlrecht, auf die Wahlleiterin Maren Ott hinwies. 2015 wurde ein Passus in der Gemeindeordnung entfernt, der in Gemeinden unter 10 000 Einwohnern familiäre Hinderungsgründe aufführte. Familienangehörige durften nicht gleichzeitig Angehörige des Gemeinderats sein. Diesen Passus hatte Peter Albert 2014 zu spüren bekommen. Wegen Stimmenmehrheit seines Bruders Franz, der für die CDU kandidiert hatte, durfte er das Mandat nicht antreten.

In der Vorstellungsrunde dominierten die Straßenverkehrsbelastung und Agrarthemen, aber auch der Ansatz, Lösungen anzubieten, statt zu schimpfen. "Eine pestizidfreie Stadt wäre eine super Idee", meinte Hannah M. Jaag. Sie ärgert sich zudem, dass in der Stadt immer mehr Mülleimer abgebaut wurden.

Für eine artgerechte Tierhaltung und Lebensmittel ohne Chemie machte sich Peter Albert stark. Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche müssten verbessert werden, meinte er ferner. Das gelte nicht nur für das Jugendhaus. Ein Kulturprogramm von Jugendlichen für Jugendliche möchte Christiane Albert auf der Beine stellen. Auch sie plädiert für eine nachhaltige Landwirtschaft und eine artgerechte Tierhaltung. Das Hüfinger Attribut Erholungsort stellte sie angesichts der hohen Verkehrsbelastung infrage. Aus dem Naturpotenzial der Stadt könnte man mehr machen.

Ein Verkehrskonzept für Hüfingen sei dringend notwendig, ließ Emine Sems ausrichten. Die Mutter von zwei kleinen Kinder konnte an der Nominierungsversammlung nicht teilnehmen. Ein weiteres wichtiges Thema sind für sie kindgerechte Spielplätze.

Als Elternvertreter an der Lucian-Reich-Schule sei er bei Vorhaben, die Geld kosten, immer vom Gemeinderat abhängig gewesen, sagte Till Röthele. Mehr Gestaltungsmöglichkeiten habe man am Ratstisch. Dieses Engagement – konstruktiv statt destruktiv – sei auch die Antwort auf Menschen im Bekanntenkreis, die Richtung AfD abgedriftet seien.

Heike Boeke fehlt es an einem richtigen Verkehrskonzept. Hüfingen sei inzwischen regelrecht eingekreist von Straßen, auch in der Stadt seien die Belastungen durch den Autoverkehr hoch. Es fehlten auch Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere für ältere Burger: Das sei ein Verlust an Lebensqualität, den die Menschen duldend erleiden würden. Boeke kritisiert auch die Schwerpunktsetzung der Stadtpolitik in Richtung Neubaugebiete, statt Baulücken zu schließen, sowie Firmenansiedlungen. Chancen für den Tourismus, die sich aus landschaftlichen Schätzen wie dem Orchdeenwald und den Riedseen ergäben, würden versäumt, die Landwirtschaft setze auf Mais-Monokultur statt Artenvielfalt.

Den Gedanken der Nachhaltigkeit, aber auch die Bedeutung des Ehrenamts stellte Sven Bernauer in den Mittelpunkt seiner Vorstellungen. Ohne das Ehrenamt wäre Deutschland nicht so, wie es ist, meinte der Schreiner, der sich als Zugführer beim Donaueschinger THW einbringt. Auch er brauchte die Verkehrsbelastung vor. "Hüfingen ist eingekesselt von Bundesstraßen. Und eigentlich wird auch die Hauptstraße zur Bundesstraße", meinte er. Auch seine Motivation ist es, Lösungen anzustreben und sich nicht in einer Gegenhaltung ohne Argumente zu verlieren. Das politische Engagement in der Kommune sei für ihn die Grundlage für den Erhalt einer größeren Einheit. "Europa sollten wir nicht verspielen", sagte er.

Mit Blick auf die sieben Kandidaten umfassende Liste kündigte Maren Ott an, es bestehe gegebenenfalls die Möglichkeit, nachzunominieren. Die Grünen können, entsprechend der Zahl der zu vergebenden Sitze, mit einer 18 Personen umfassenden Liste in den Kommunalwahlkampf ziehen.

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