Baar – Es hat die Tage vorher etwas geregnet, dunkle Wolken ziehen herauf. Daher haben es die Arbeiter der Rottweiler Firma Müller an diesem Tag in Behla nicht ganz so heiß, wie die Woche zuvor. Mit einem Fertiger setzen sie auf der Baustelle für die Umfahrung der B 27 die Asphaltschicht.

Anfang August tragen Mitarbeiter der Firma Müller aus Zimmern mit dem großen Fertiger heißen Asphalt auf den Straßenbuntergrund auf. Mittlerweile ist ein Großteil der Strecke schon entsprechend bearbeitet. <em>Archivbild: Guy Simon</em>
Anfang August tragen Mitarbeiter der Firma Müller aus Zimmern mit dem großen Fertiger heißen Asphalt auf den Straßenbuntergrund auf. Mittlerweile ist ein Großteil der Strecke schon entsprechend bearbeitet. Archivbild: Guy Simon | Bild: Simon, Guy

Die Masse strömt mit etwa 180 Grad Celsius aus der großen Maschine. Es ist laut, es dampft und stinkt. Aber wenigstens regnet es nicht. "Der Wind ist auch ein Problem. Wenn er zu stark bläst, lässt sich das Material nicht so gut auftragen", sagt Vorarbeiter Uwe Ulmschneider, der auf dem langen Balken des Fertigers steht.

Es ist heiß, stinkt und dampft: Uwe Ulmschneider achtet darauf, dass das Asphalt-Mischgut entlang des Fertigerbalkens richtig verteilt wird. Wind und Regen erschweren die Arbeit mit dem Material.
Es ist heiß, stinkt und dampft: Uwe Ulmschneider achtet darauf, dass das Asphalt-Mischgut entlang des Fertigerbalkens richtig verteilt wird. Wind und Regen erschweren die Arbeit mit dem Material. | Bild: Simon, Guy

Direkt vor dem Balken ist ein Mitarbeiter von Ulmschneider. Er sorgt dafür, dass Asphalt, der zur Seite rausströmt, mit der Schaufel wieder im Fertiger landet. Er steht dabei voll im Dampf und der Hitze.

Stetig bewegt sich der Fertiger auf dem neuen Bundesstraßenabschnitt vorwärts. Links sorgt ein Mitarbeiter von Uwe Ulmschneider (rechts) dafür, dass das Material wieder in die Maschine kommt.
Stetig bewegt sich der Fertiger auf dem neuen Bundesstraßenabschnitt vorwärts. Links sorgt ein Mitarbeiter von Uwe Ulmschneider (rechts) dafür, dass das Material wieder in die Maschine kommt. | Bild: Simon, Guy

"Der Asphalt braucht eine bestimmte Temperatur, um optimal verdichtet und aufgetragen zu werden. Wenn er durch Regen oder Wind abkühlt, wird es schwieriger", erklärt Michael Waidele. Er ist Projektleiter des Baureferats Ost des Regierungspräsidiums und zuständig für die große Umfahrung.

Der Plan nimmt die ganze Wand ein: Projektleiter Michael Waidele vor den einzelnen Bauabschnitten der großen Umfahrung.
Der Plan nimmt die ganze Wand ein: Projektleiter Michael Waidele vor den einzelnen Bauabschnitten der großen Umfahrung. | Bild: Simon, Guy

Der Straßenbau sei keine einfache Branche. Gerade im Sommer seien Arbeitszeiten von zehn Stunden die Regel: "Bei heißem Wetter und unter der prallen Sonne – das merken sie abends", sagt der Projektleiter. Andererseits gilt die Umfahrung Behla auch als Prestigeobjekt. Hohe Erwartungen hängen an der 10 Millionen-Euro-Baustelle. "Passen sie auf ihre Schuhe auf", empfiehlt Waidele. Nicht nur die Hitze schmilzt Plastiksohlen, auch Öle, die aus dem heißen Asphalt treten, zerstören Schuhe, sind sie nicht eigens für diese Arbeit ausgelegt. Mehrere Walzen bewegen sich hinter dem Fertiger auf der entstehenden Straße auf und ab. Sie müssen den Rest an Verdichtung vornehmen, die der Fertiger nicht hinbekommt.

Mit Walzen verdichten die Arbeiter das heiße Material vollständig.
Mit Walzen verdichten die Arbeiter das heiße Material vollständig. | Bild: Simon, Guy
  • Personal fehlt: Waidele ist zufrieden mit dem Verlauf der Baustelle. Zwei Wochen lang wird jetzt asphaltiert, eines der drei Brückenbauwerke ist bereits fertig, die Pfosten für die Lärmschutzwände stehen bereits. Wo es noch hakt, das sind die Entwässerungsarbeiten, die mit Nachdruck laufen. Man sei hier grob mit der Hälfte fertig. "Dieses Jahr soll alles fertig werden. Die Freigabe Mitte November ist dennoch etwas sportlich", sagt Waidele. Das Problem: Es fehlen Arbeitskräfte in ausreichender Zahl. "Die Auftragslage ist aktuell sehr hoch. Man könnte bei den Firmen schon fast von Vollbeschäftigung sprechen", so der Projektleiter. Die Geschwindigkeit der Baustelle sei jene, die der Markt vorgebe.
  • Wie eine Autobahn: Ähnlich verhält es sich auch beim Regierungspräsidium. Waidele ist üblicherweise für Autobahnen zuständig, aufgrund der hohen Priorität der Ortsumfahrung Behla ist er jetzt hier tätig. Und ein bisschen was hat sein aktuelles Projekt auch von einer Autobahn: Mehrere Spuren, Lärmschutzwall- und wand, ein planfreier Knoten. Letzterer wird in Zukunft die Zufahrt zur Ortschaft von Norden her sein. "Das ist eine Auffahrt, ähnlich wie bei einer Autobahn. Nur eben mit Gegenverkehr auf der anderen Spur", sagt Waidele. Auf der Baustelle ist auch Karlfred Pfrengle unterwegs. Er ist Vermessungsingenieur für das Regierungspräsidium. Er prüft über tachimetrische Fixpunkte, die Volumenverhältnisse. Daran orientiert sich schließlich die Abrechnung der Arbeiten.
Karlfred Pfrengle ist Vermessungsingenieur des Regierungspräsidiums. Er überprüft stichpunktartig das Geländevolumen. Das wird später für die Abrechnung der Arbeiten wichtig sein.
Karlfred Pfrengle ist Vermessungsingenieur des Regierungspräsidiums. Er überprüft stichpunktartig das Geländevolumen. Das wird später für die Abrechnung der Arbeiten wichtig sein. | Bild: Simon, Guy
  • Sperrung im September: Momentan finden die Bauarbeiten abseits des fließenden Verkehrs statt. Das soll auch so lange so bleiben, bis der neue B 27-Abschnitt so fertig wie möglich ist, mit Beschilderung, Pfosten, Markierungen. "Erst dann greifen wir in den Verkehr ein – und sperren", erklärt der Projektleiter. Geplant seien die voraussichtlich auf Ende September. Dann werden drei bis vier Wochen lang die Straßen miteinander verknüpft. "Das ist ein komplizierter Anschluss und wir müssen viel anpassen. Das liegt im südlichen Bereich vor allem an den zwei verschiedenen Kurven. Wir werden in diesem Rahmen auch gleich die Straßendecke bis hoch an die Kreuzung Fürstenberg machen", sagt Waidele. Wenn schon eine Sperrung erfolge, dann solle sie auch bestmöglich genutzt werden.
Die Anschlussstelle im Süden ist aufgrund der Kurvenführung kompliziert, vieles muss hier angepasst werden. Dazu soll die Straße voraussichtlich Ende September gesperrt werden.
Die Anschlussstelle im Süden ist aufgrund der Kurvenführung kompliziert, vieles muss hier angepasst werden. Dazu soll die Straße voraussichtlich Ende September gesperrt werden. | Bild: Simon, Guy
  • Im südlichen Abschnitt werden dann noch Durchlässe für Amphibien eingerichtet. Über einen ein Meter breiten und 80 Zentimeter hohen Tunnel können die Tiere zukünftig die Bundesstraße unterqueren. Außerdem sollen auch die Biber, die im Behlaer Weiher leben, den Weg nutzen. In der Vergangenheit sei es bereits zu drei toten Bibern auf der Bundesstraße gekommen.
  • Entwässerung: Kein einfaches Thema ist die Entwässerung der zukünftigen Straße. Über den Hang konnte das Wasser bisher ungestört hinabfließen – zukünftig fließt dort jedoch quer der Verkehr vorbei. Dazu werden entlang des Straßenverlaufs sogenannte Rigolen angelegt. Das sind stufenweise angeordnete Becken, die mit einem Filtermaterial gefüllt sind und daher viel Wasser aufnehmen können. "Der Gedanke ist, dass wenn ein Becken voll ist, erst das zweite zum Einsatz kommt. Das Wasser kann also vorher verdunsten", erklärt Waidele. Bevor der Ablauf weiter im Süden in den Weiher mündet, ist eine Reinigungsanlage vorgeschaltet. Ein sogenannter Fest- und Schwebstoff-Abscheider filtert das Wasser.
  • Baulastträger: Nach Fertigstellung der Umfahrung ändern sich in Behla auch die Baulastträger, also die Zuständigkeiten für die Straßenbereiche. dabei geht es vor allem darum, wer eventuell anfallende Kosten übernimmt. Mittig wird es einen Teil geben, der zur Kreisstraße wird, nach Süden und Norden hin fallen die restlichen Straßenabschnitte der Gemeinde Hüfingen zu. "Die rechte Hälfte der alten Bundesstraße wird zu einem Wirtschaftsweg, der in dem alten vor dem Weiher mündet", sagt Waidele. Er ergänzt: "Wer von Süden kommt, kann von der neuen Bundesstraße direkt nach Behla raus."