Acht Stimmen waren es damals, die fehlten: 24,9 Prozent der Bürger sprachen sich aus, die unechte Teilortswahl beizubehalten. Da das Quorum allerdings nicht wie heute bei 20 Prozent lag, sondern bei 25 Prozent, scheiterte die Bürgerabstimmung. Der Gemeinderat entschied: Wir schaffen die unechte Teilortswahl ab und 2014 wurde erstmals gewählt, ohne dass die Ortsteile ihren garantierten Vertreter im Gemeinderat hatten.

"Viele Bürger in den Ortsteilen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse und sie fühlen sich nicht mehr so richtig vertreten", sagt Michael Steinemann, Initiator und nun Vorsitzender des sechs Wochen alten Vereins BFSO – Bürgerforum Starke Ortsteile Hüfingen. "Ich glaube, wir haben schon einen Nerv getroffen." Viele politische Themen würden mittlerweile nur am Stammtisch besprochen und würden gar nicht mehr hoch bis zu den Stadträten und dem Bürgermeister kommen.

Ob BFSO nun bei der nächsten Kommunalwahl mit einer eigenen Liste antreten wird, könne noch nicht gesagt werden. Aber auf jedem Fall will der Verein, der von zwölf Gründungsmitgliedern auf mittlerweile 30 Mitglieder angewachsen ist, den Ortsteilen wieder eine Stimme geben. In erster Linie würden nun Gespräche mit den Ortsvorstehern, den Vereinen und anderen Institutionen anstehen und auch ein Wahlprogramm soll noch ausgearbeitet werden.

Eine hohe Priorität sollen natürlich die Ortsteile bekommen: "Denn die Gesamtstadt ist nur so stark, wie das schwächste Glied und das sind nun mal unsere landwirtschaftlich geprägten Ortseile", erklärt Steinemann. Auch die Wiedereinführung der unechten Teilortswahl wird angestrebt. "Das wurde uns bei der Eingemeindung versprochen und die Abschaffung der unechten Teilortswahl war Vertragsbruch und Verträge sollte man nicht brechen", sagt Alwin Engesser aus Fürstenberg.

Ein Vorwurf, den Peter Marx – einst selbst Stadtrat und CDU-Fraktionssprecher, an diesem Abend aber nach eigenen Angaben als Privatperson anwesend – natürlich nicht gern hört. Die Verträge wären damals 40 Jahre alt gewesen, vieles habe sich geändert und wenn man sich immer daran gehalten hätte, was in den Verträgen aufgeführt worden ist, dann wäre in den Ortsteilsteilen wesentlich weniger investiert worden.

Mit den Investitionen scheint auch kaum einer unzufrieden: "Die Infrastruktur stimmt", sagt Engesser. Allerdings wie lange noch? Denn gerade die Kindergarten-Debatte hatte wohl dem einen oder anderen gezeigt, dass sich Zeiten ändern können und nichts sicher ist. "Es sind schon Defizite da. Klar: Heute sind alle blöd und schwierig, aber das sind ja keine Sachen, die wir an den Haaren herbeiziehen", sagt Christoph Martin aus Behla und führt als Beispiel das Mähen an. Während der Kinderspielplatz in der Kernstadt gemäht sei, passiere in Behla nichts – trotz häufigem Erinnern.

Die Sorge ist auch, dass wenn "alte Platzhirsche" bei der Kommunalwahl nicht mehr antreten, die Ortsteile noch weniger im Gemeinderat repräsentiert werden. "In Fürstenberg könnte man wahrscheinlich Feuerwehrkommandant, Musikvereinsvorsitzender und Pfarrgemeinderatsvorsitzender sein und würde es trotzdem nicht in den Gemeinderat schaffen", sagt Steinemann. "Es hängt von der Person ab, egal ob man aus Behla, Fürstenberg oder der Kernstadt kommt", findet hingegen Peter Marx. Und mit der unechten Teilortswahl hätte einfach nicht mehr das Verhältnis gestimmt und die Ortsteile wären überrepräsentiert gewesen. Und was sagt das BSFO dazu? "Jeder Ortseil sollte im Rat vertreten sein. Das ist unser wichtigstes Thema", sagt der Vorsitzende Michael Steinemann.

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