Den Dreh mit dem Hauptportal von St. Johann hat sie schon raus. Ein Tastendruck und automatisch öffnet sich die Kirche. Was den Schlüssel für die Empore anlangt, muss sie noch ein bisschen im Schlüsselbund kramen. Motoko Matsuno ist die neue Kirchenmusikerin der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit.

Am 1. September tritt die Japanerin die Nachfolge von Felicia Wieland an und hat damit die Schlüsselgewalt für die musikalischen Funktionsräume in St. Marien und St. Johann.

In drei Tagen Gottesdienst vorbereitet

Ihrem Weg zur Kirchenmusik liegt dabei ein Schlüsselerlebnis zugrunde, an das sich die 42-Jährige schmunzelnd erinnert. Es passierte in Japan, als sie noch Querflöte und Musikpädagogik auf Lehramt studierte. Der Pfarrer der katholischen Gemeinde in ihrer Stadt fragte sie, ob sie den Sonntagsgottesdienst auf der Orgel begleiten wolle. Die Organistin war ausgefallen. Matsuno sagte zu. Vor ihr lagen drei Tage, in denen sie sich das Liedgut für die Sonntagsmesse aneignen musste. Der Aushilfseinsatz war erfolgreich, eine Aushilfstätigkeit schloss sich an, die Liebe zur Kirchenmusik begann zu sprießen.

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Motoko Matsuno hat sich als Erwachsene katholisch taufen lassen. Ein Schritt, der in der Kindheit wurzelt. „In unserer Nachbarschaft gab es eine katholische Kirche und einen Kindergarten. Den durfte ich immer mal wieder besuchen. Ich war einfach neugierig. Und die Kirchenorgel hat mich fasziniert“, erzählt sie von den ersten Begegnungen mit dem katholischen Glauben.

Video: Wursthorn, Jens

Doch eine Berufsausbildung in Richtung Kirchenmusik war in Japan mangels Möglichkeiten nicht möglich. Matsuno nahm in Regensburg ein achtsemestriges Studium der katholischen Kirchenmusik auf. Eine schöne Zeit, „auch wenn ich die Älteste des Jahrgangs war“, wie sie lachend erwähnt.

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Zusammen mit ihr studiert hatte Felicia Wieland, die es nach dem Studium 2019 nach Donaueschingen verschlug. Matsuno bleib in Niederbayern. Sogar im tiefsten Niederbayern. Pilsting heißt der 7000-Seelen-Ort, in dem sie die Gottesdienste begleitete. Und ja, Bier zu trinken habe sie immerhin „versucht“.

Motoko Matsuno ist die neue Kirchenmusikerin in Donaueschingen.
Motoko Matsuno ist die neue Kirchenmusikerin in Donaueschingen. | Bild: Wursthorn, Jens

Von der anstehenden Vakanz in Donaueschingen erfuhr sie von ihrer „geschätzten Studienkollegin“. Donaueschingen kannte sie von zwei, drei Besuchen bei ihrer Vorgängerin. Auch auf andere Weise fühlte sie sich zu Donaueschingen hingezogen. Denn die durch die Stadt fließende Brigach gab ihr ein warmes Gefühl von Heimat. Matsuno stammt aus Gifu, einer Kleinstadt auf der Hauptinsel Honshu. „Und durch unsere Stadt fließt der Nagara, einer der klarsten Flüsse Japans“, sagt sie stolz.

In Donaueschingen gefällt ihr das breite kulturelle Angebot. Hauptsächlich liebt sie klassische Musik, aber auch andere Richtungen gefallen ihr. Und auf die bald anstehende Musiknacht freut sie sich.

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Nach erfolgreicher Bewerbung bekam sie den Zuschlag für die ausgeschriebene Stelle in Donaueschingen. Es ist eine Teilzeitstelle. Um finanziell über die Runden zu kommen, baut sie neben ihrer Tätigkeit als Organistin und Chorleiterin auf einen bereits angemeldeten freiberuflichen Job. „Ich kann Orgel, Querflöte und Klavier unterrichten“ erzählt sie. Zudem habe sie ihr halbes Leben etwas anderes als Kirchenmusik gemacht. „Das hilft mir jetzt.“

Das kleine Orchester auf der Empore

Und wie fühlt sie sich an der Orgel? „Wie ein Dirigent, der sein Orchester im Auge hat.“ In diesem Fall sind ihre Musiker die Orgelpfeifen. Spielt sie auf der Mönch-Orgel in St. Johann, so stehen die Orgelpfeifen in einer Reihe vor ihr und verbreiten für ihre Ohren ein harmonisches Klangbild. Schwieriger ist das, wenn sie die Walcker-Orgel in der Kirche St. Marien bedient. Die Orgelpfeifen stehen dort versetzt. Der Schall tritt so differenziert aus, dass es „viel schwieriger ist, sein eigenes Orgelspiel zu beurteilen“.

Orgelmusikreihe wird fortgesetzt

Die Reihe „Stunde der Orgelmusik“ führt Matsuno fort. Felicia Wieland hat die Reihe für dieses Jahr schon durchgetaktet, die Konzerte fürs nächste Jahr muss die neue Kirchenmusikerin selbst auf die Beine stellen. Neue Ideen möchte sie zunächst nicht einführen. Erst führt sie die Projekte ihrer Vorgängerin fort. Ihrer Freundin, die jetzt wieder studiert. Nichts mit Musik, sondern Maschinenbau.