„Geopferte Landschaften“: Das ist nicht nur der Titel eines Buches, das Georg Etscheit herausgebracht hat. Es ist auch sein persönliches Lebensthema geworden. „Retten, was noch zu retten ist, lautet meine Devise“, sagte der Journalist beim Liberalen Forum.

Wobei er gleich klarstellt: Von der FDP habe er kein Geld für den Vortrag bekommen und er habe sie auch noch nie gewählt. Doch das ist auch nicht das Ziel der Veranstaltungsreihe, die von Michael Klotzbücher und Ralf Stolarski 2005 ins Leben gerufen worden ist. „Ziel war es, ein Format der politischen Information außerhalb von parteipolitischen Gremien anzubieten und damit eine breite Öffentlichkeit zu erreichen“, sagt der FDP-Chef Niko Reith. Und so sind in den Besucherreihen nicht nur Liberale zu finden, denn das Thema Windkraft bewegt die Baar auf der Baar. „Mit den geplanten und genehmigten Windparks ‚Auf der Länge’, in Bräunlingen und den Anlagen bei Ippingen entstehen in naher Zukunft bis zu 26 Windkraftanlagen mit Gesamthöhen von jeweils weit über 230 Meter in Sichtweite von Donaueschingen“, so Reith.

Malerisch zeichnet Etscheit das Bild der Kulturlandschaften: Wiesen, Felder, Äcker, Streuobstwiesen, kleine und größere Waldstücke, durchsprenkelt von nicht völlig ausgeuferten Siedlungen mit dem Kirchturm in der Mitte oder Einzelbauwerken, Bauernhöfen Schlössern, Kapellen und anderen historischen Landmarken. „Gegenwelten zu den von Arbeit, Effizienz und Leistungsdruck geprägten Lebenzusammenhängen der Städte.“ Das sei das Bild von Kulturlandschaften und nicht „jene hunderte Meter weit himmelwärts strebenden, ewig rotierenden, die Horizonte verstellenden, verriegelnden, verrammelnden Maschinenmonster“.

50 Minuten spricht Etscheit. Es ist kein laues Lüftchen, das er verbreitet, sondern ein Sturm. Ein Sturm gegen die Windkraft und die Energiewende. Er spricht schnell, fast ohne Punkt und Komma, scheinbar auch ohne Luft zu holen, kombiniert Zahlen und Daten, Recherchen und Zitate mit Bildern, die die Zuhörer fesseln. „Im Klartext: Schon in wenigen Jahren wird das ganze Land außerhalb der großen Ballungsräume so aussehen, wie heute schon die geschundene Küstenregionen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins: Winderräder, soweit das Auge reicht.“ Nicht nur Windkraftanlagen, sondern auch Solarfelder, Biogasanlagen und Hochspannungsleitungen. „Unsere Heimat: verspargelt, verspiegelt, verdrahtet, vermaist.“

Dabei scheut er auch vor deutlichen Worten nicht zurück: „Diese sogenannte Energiewende ist ein seit Ende des Zeiten Weltkriegs noch nicht da gewesener Schlamassel, ein Armutszeugnis für eine einst bewunderte Nation von Forschern und Ingenieuren, eine Katastrophe für Menschen, Tiere und Natur.“ Sie sei eine beispiellose Kulturschande in einem Land, das sich einmal seiner Dichter und Denker und seiner Landschaften rühmte. „Sie ist eine aberwitzige Materialschlacht, bei der Aufwand und Wirkung in einem geradezu grotesken Missverhältnis stehen.“ Die Energiewende sei auch ein gesellschaftspolitisches Desaster, weil sie die Gegensätze zwischen Stadt und Land, genauer gesagt, zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung vertieft hat und weiter vertieft.“ Konsumiert werde die „angeblich so umweltfreundliche Energie“ mehrheitlich in den Städten, während sie eben nicht dort produziert werde.

Der Klimawandel: seiner Meinung nach keine Glaubensfrage, sondern ein physikalisches Phänomen, an dem auch der Mensch seinen Anteil hat. Ideologische Grabenkämpfe müssten eingestellt werden, und die Klima- und Umweltpolitik sich auf das Sinnvolle und Machbare konzentrieren. Die Klimaziele wären nicht zu erreichen, weder national-, noch europa- und schon gar nicht weitweit. Es wäre eine Vollbremsung notwendig.

Und was tun? „Es würde ja schon ausreichen, wenn wir einfach die Tugenden unserer Groß- und Urgroßeltern beherzigen würden, die in ihrem an Sparsamkeit, Bescheidenheit und Gottesfurcht orientierten Lebensstil oft ökologisch handelten, ohne es zu wissen.“ Doch Menschen, die freiwillig so agieren, würden eine Ausnahme bleiben.

Und so fordert Etscheit ein „realistisches und belastbares Energiekonzept, das die physikalischen, politischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Grenzen anerkennt und der Erkenntnis nicht ausweicht, dass der ressourcen- und umweltschonende Umbau unserer Energieversorgung, so er jemals funktionieren kann, eine Aufgabe für Generationen sein wird.“ Was aber vor allem nötig sei, wäre ein neues Verhältnis zur Rolle des Menschen in seiner Umwelt. Es gebe Dinge, die stärker als wir sind, und die wir nicht beeinflussen können.

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