Eine der bekanntesten Skulpturen des Donaueschinger Stadtbildes feiert 2019 zugleich zehnten und 80. Geburtstag. Es handelt sich um den Irmabrunnen gegenüber des Bahnhofs, der 1939 von Emil Sutor geschaffen wurde und seit 2009 durch eine Installation der Künstlerin Chris Nägele in ein neues Licht getaucht wird. Nachdem der Brunnen eine Zeit lang von den meisten Anwohnern kaum noch wahrgenommen wurde, sorgt er seit seiner Umgestaltung immer wieder für Diskussionsstoff. Grund genug, sich zum doppelten Jubiläum des Werkes näher mit ihm zu befassen.

Besonders in der Nacht entfaltet der Irmabrunnen im Karlsgarten seine beeindruckende Wirkung.
Besonders in der Nacht entfaltet der Irmabrunnen im Karlsgarten seine beeindruckende Wirkung. | Bild: Heinz Bunse © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Das könnte Sie auch interessieren

1939 wurde er gestaltet

Zunächst lohnt bei der Beschäftigung mit der Skulptur ein Blick zurück. Emil Sutor, der den Brunnen 1939 gestaltete, schuf diesen im damaligen, von der Ideologie des Nationalsozialismus geprägten Stil. Das Bild, das Sutor von der Frau zeichnet, ist dementsprechend: Sie tritt vor allem als Mutter in Erscheinung, die dem Volk zahlreiche Kinder gebärt. Die Folgen dieses Frauenbilds erscheinen geradezu widersprüchlich. Einerseits wurden Frauen auf die Mutterrolle reduziert und so in ihrer Freiheit eingeschränkt, andererseits wurden sie in dieser Rolle geradezu verehrt.

Das könnte Sie auch interessieren

Blickwechsel kommt 2009

Diesen Widerspruch griff Chris Nägele mit ihrer Installation „Blickwechsel“ auf und hob ihn hervor. 28 Stahlstäbe umzäunen die Skulptur, und die daran montierten Neonröhren tauchen sie, besonders im Dunkeln, in bläuliches Licht. Tagsüber wirken die Stäbe wie ein Zaun und weisen so einerseits auf die Unfreiheit der Frauen in jener Zeit, andererseits aber auch auf deren Schutzbedürftigkeit hin. Nachts jedoch erscheint das Neonlicht wie eine geheimnisvolle Aura – und nimmt so Bezug auf die Mystifizierung und Verehrung der Mutter.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch wenn die Umgestaltung des Brunnens seit der Enthüllung im Jahr 2009 nicht nur positive Reaktionen hervorrief, hat sie auf jeden Fall eine rege Diskussion losgetreten. Mancher forderte, „die Mutter wieder freizulassen“. Das entspricht allerdings genau der Intention der Künstlerin Chris Nägele, die in einem Interview zur Eröffnung äußerte: „Es ist gut, wenn die vorübereilenden Menschen sich Gedanken machen und ihnen die Figur jetzt in einem anderen Licht erscheint.“