Es hat wenig Schnee im Winter der Jahre 1989 und 1990. Es ist sehr trocken und sehr kalt. Als dann niemand mehr mit einem Wintereinbruch rechnet, kommt er. Und zwar heftiger und mit einer Folge, die so wohl keiner im Städtedreieck erwartet hatte: Als großes Hochwasser, das die Region überschwemmt.

Damals mit dabei waren auch die drei Donaueschinger Feuerwehrleute Michael Trempek, Reiner Wolff und Edgar Schiesel, der heute Kommandant der Eschinger Wehr ist. Für die drei waren die Tage der Flut 1990 mit die körperlich anstrengendsten, die sie in ihrer Karriere je erlebt haben.

"Es begann etwa am 10 oder 12. Februar. Es schneite und schneite. Innerhalb von drei bis fünf Tagen kam eine ordentliche Menge vom Himmel. Am Ende der Woche begann dann der Regen", erzählt Wolff von den Tagen vor dem großen Hochwasser. Immense Regenmengen sorgen dafür, dass der Schnee auf der Baar und im Schwarzwald auch zu Wasser wird.

"Das Wasser kam von Hüfingen her. Damals gab es ja kaum Präventionsmaßnahmen. Ohne Internet musste man eben vor Ort den Pegelstand messen", erklärt der Feuerwehrkommandant. Innerhalb kürzester Zeit steigt das Wasser. Es dringt in die Straßen der Städte ein, fließt in die Gebäude. "Es dauerte etwa eine halbe Stunde, dann waren die Fahrzeuge beim Autohaus an der Breg bis zur Scheibe hoch unter Wasser", sagt Michael Trempek. Er erinnert sich noch an eine Frau, die zum Einkaufen fahren wollte, mit dem Auto anhielt und die Tür öffnete: "Sie stieg aus, bekam nasse Füße und schloss die Autotür wieder." Kurze Zeit später war sie in ihrem Fahrzeug gefangen und die Feuerwehr musste sie mit einem Schlauchboot aus der misslichen Lage befreien.

Im Autohaus arbeiten Ewald Seiferle und seine Belegschaft daran, das Schlimmste zu verhindern. Die zuvor von der Feuerwehr aufgestapelten Sandsäcke können nach geraumer Zeit die Fluten nicht mehr halten: "Wir haben die Autos zum Teil auf Hebebühnen aufgebockt und brachten die Computeranlage in Sicherheit. Letztendlich standen wir selbst im Wasser und mussten quasi rausschwimmen", sagt Seiferle. Jetzt könne er darüber schmunzeln. Damals sei ihm jedoch gar nicht zum Lachen gewesen: "Wir dachten ja nicht, dass das Wasser später meterhoch stehen würde, als es anfangs aus dem Gully kam."

"Wir hatten etwa in der Bregstraße auch keine Chance, die Keller leer zu pumpen. Die waren bis an die Decke vollgelaufen", sagt Schiesel. Problematisch sind die Öltanks, die teilweise aufgesprungen sind und ihren Inhalt ins Wasser ergossen haben. "Aus dem Landkreis Konstanz kam dann irgendwann ein Spezialgerät, um das Öl aus dem Wasser zu bekommen. Eine Art große Zentrifuge", sagt Wolff.

Die große Wassermenge dringt schließlich im Hammerfeld in die Trinkwasserversorgung der Stadt ein. "In der Kernstadt gab es kein Wasser mehr", berichtet Wolff. Auf dem Donaueschinger Rathausplatz habe man mit dem Löschfahrzeug Trinkwasser verteilt, dass sich die Leute in Kannen und Eimern abholten. "So, wie wir es heute aus den Medien kennen, wenn Berichte aus anderen Teilen der Welt gezeigt werden", sagt Trempek.

Besonders dramatisch wird die Situation in Bräunlingen, wo das Wasser etwa 1,50 Meter hoch am Mühlentor steht. Dann dringt die Nachricht in die Stadt, der Damm am Kirnbergsee sei gebrochen. Ein Horrorszenario. "Da flog wohl ein Hubschrauber über den See und sah, wie Wellen an den Damm schlugen. Im Radio wurde dann gemeldet, der Damm würde brechen und die Leute sollen auf die Dächer steigen", berichtet Jürgen Bertsche, Hauptamtsleiter in Bräunlingen. Er habe damals im Feuerwehrgerätehaus die Nachricht erhalten, eine acht Meter hohe Flutwelle würde auf die Stadt zurasen: "Das war wirklich heftig. Es hat etwa eine Stunde gedauert, bis es widerrufen wurde." Rückblickend erscheine die Situation unwahrscheinlich, aber in der hitzigen Stimmung, das Wasser meterhoch in der Stadt, "da war es schrecklich", sagt Bertsche.

Das Aufräumen und Leerpumpen der beginnt erst am nächsten Tag. Dann kommen auch die Schaulustigen.

 

Die intensivsten Einsätze der Feuerwehren in der Region

Die Feuerwehr im Städtedreieck musste sich im Lauf ihrer Geschichte schon einigen Groß-Ereignissen stellen. Wir haben eine Auswahl davon zusammengestellt

  • Der große Stadtbrand: Es sollte der größte Brandfall in der Geschichte Donaueschingens werden, dem 333 Häuser in der Innenstadt zum Opfer fielen. Das ahnte allerdings niemand, als am 5. August 1908 in der unteren Käferstraße ein Brand ausbricht und sich rasch auf andere Gebäude ausbreitet. Die Feuerwehr wird zu spät benachrichtigt und kann bei ihrem Eintreffen nicht richtig arbeiten: Der Wasserstrahl ist zu schwach, um das Dach des brennenden Hauses zu erreichen. Erst am Morgen des 6. August gelingt es schließlich, das außer Kontrolle geratene Feuer in den Griff zu bekommen. Rund 600 Menschen haben dadurch ihr Zuhause verloren. Erstaunlicherweise kommt jedoch niemand in den Flammen ums Leben.
  • Busunglück auf der Bundesstraße: Eine Seniorengruppe biegt am 6. September 1992 mit dem Bus von der Autobahn 81 in Richtung Donaueschingen ab. Aus ungeklärter Ursache kommt das Fahrzeug von der Fahrbahn ab und kippt seitlich auf die Leitplanken. Die Bilanz: 20 Tote und über 30 Schwerverletzte. Makaber ist auch die Menge an Schaulustigen. Imbissbuden fahren heran, um an den Gaffern etwas zu verdienen.
  • Flugzeugabsturz bei Blumberg: Am 24. Oktober 2000 startet am Flugplatz Donaueschingen um 14.32 Uhr eine zweimotorige Beech 300 zu einem Vermessungsflug. Der Fluglandeplatz Donaueschingen sollte ein Instrumentenanflugverfahren erhalten. Um 17.16 Uhr prallt das Flugzeug in dichtem Nebel bei Blumberg gegen den Eichberghang. Alle vier Insassen sind tot. Mitglieder der Bergwacht und der Feuerwehr bergen die Leichenteile aus dem Steilhang, ein Notfallseelsorger begleitet sie. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nennt später mehrere Pilotenfehler. Entscheidend für den Absturz war, dass der Pilot beim Anflug auf Donaueschingenvon Instrumenten- auf Sichtflug wechselte, obwohl weder der Mindestabstand zu den Wolken noch ausreichend Sichtkontakt zum Boden bestanden hatte. Die BfU kritisiert auch das Flugunternehmen, das seine eigenen Vorschriften ignoriert habe.
  • Feuer in Behindertenwerkstatt: 14 Menschen kommen in den Flammen um, die sich für die Feuerwehr zunächst nach einem Routineeinsatz anhören: In einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt geht am 26. November 2012 die automatische Brandmeldeanlage los. Durch Gas-Verpuffung in einem Ofen entsteht schließlich eine Feuersbrunst, gegen welche die Feuerwehren aus vielen Ortschaften ankämpfen. Im Nachgang kommt es in Bezug auf die Brandursache zu Ermittlungen. Dem damaligen Einrichtungsleiter und seinem Vorgänger wird jedoch keine Schuld zugesprochen. Gegen die beiden Männer wurde unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

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