Bemalte Pappschilde werden hochgehalten, Parolen werden gesungen, Gejohle und vor allem eine starke Präsenz: Die weltweiten Schülerdemos gegen Klimawandel und Nichthandeln der Politik sind am Freitagvormittag in Donaueschingen angekommen. Rund 200 Schülerinnen und Schüler, im Wesentlichen den Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen und dem Fürstenberg-Gymnasium zuzuordnen, machen, dicht gedrängt am Musikantenbrunnen, ihrem Unmut Luft. Den Blick aufs Rathausportal gerichtet, skandieren sie ihre Botschaft. Sofia Kexel orchestriert den jugendlichen Chor mit dem Megafon.

Video: Wursthorn, Jens

Die 19-jährige Donaueschingerin hat die Demo gemeinsam mit der gleichaltrigen Ceyda Gyrnehir, die in Döggingen wohnt, organisiert. Beide besuchen an den Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen (KHS) das Wirtschaftsgymnasium, die Klasse 13.

Ceyda Gyrnehir (links) und Sofia Kexel haben die Schülerdemo gegen Klimawandel und Kohleausstieg organisiert.
Ceyda Gyrnehir (links) und Sofia Kexel haben die Schülerdemo gegen Klimawandel und Kohleausstieg organisiert. | Bild: Wursthorn, Jens

"Wir haben bei den Schülern aller weiterführenden Schulen geworben, mitzumachen", sagt Sofia Kexel. Mit der Resonanz auf den Aufruf, 200 Teilnehmern bei der ersten Demo, ist sie höchst zufrieden. "Wir Schüler können was bewegen." Man müsse beraten, wie es nach der Ferienpause am nächsten Freitag weitergeht. Reizvoll wäre es nätürlich, auch am weltweiten Aktionstag am 15. März mit von der Partie zu sein.

Für Sofia Kexel ist es nicht nur die Klimaentwicklung, die sie aufregt. Jeden Tag begegnet sie Verhaltensweisen, gegen die es unbedingt "Druck von oben" bedürfe. "Warum werden nicht diese unleidigen Pappbecher für den Kaffee zum Mitnehmen verboten", ärgert sie sich.

Mit Plakat und Stimme: Rund 200 Jugendliche demonstrieren am Freitagvormittag am Musikantenbrunnen vor dem Rathaus gegen Klimawandel und Handlungsunfähigkeit der Politik.
Mit Plakat und Stimme: Rund 200 Jugendliche demonstrieren am Freitagvormittag am Musikantenbrunnen vor dem Rathaus gegen Klimawandel und Handlungsunfähigkeit der Politik. | Bild: Wursthorn, Jens

"Das ist unsere Verantwortung", begründet Ceyda Gyrnehir, warum sie und viele andere die ersten beiden Schulstunden dem Klimaschutz opfern. Sie beklagt die große Diskrepanz zwischen vorhandenen Lösungen und dem politischen Unwillen diese umzusetzen. "Egal ob Physik oder Geografie. In vielen Fächern erfahren wir, dass es Lösungen gibt, aber es passiert nichts."

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Auch Oberstufenschüler des Fürstenberg-Gymnasiums und der Realschule sind dem Streikaufruf nachgekommen. Kim Stadler, Kursststufe 1, ist 17 Jahre alt und findet das Beispiel der jungen Schwedin Greta Thunberg nachahmenswert. Miteinander einstehen lohnt sich. "Abschmelzende Polkappen, immer mehr Autoverkehr, aber es passiert nichts", zitiert sie Themen, die junge Leute umtreiben.

Mathias Kayakoparan sorgt sich. "Meine Kinder sollen noch eine gute Erde haben", sagt der 18-jährige Gymnasiast.
Mathias Kayakoparan sorgt sich. "Meine Kinder sollen noch eine gute Erde haben", sagt der 18-jährige Gymnasiast. | Bild: Wursthorn, Jens

"Meine Kinder sollen noch eine gute Erde haben", bringt Mathias Kayakoparan, 18 Jahre, Kurstufe 2 am FG, seine Befürchtungen auf den Punkt.

"Wir wollen zeigen, dass die Aktion auch in einer kleineren Stadt funktioniert", sagt Celina Homa, während sie sich auf den Rückweg zum Wirtschaftsgymnasium macht. Die angehende Abiturientin meint, dass der Klimawandel nur durch mehr Verbote gestoppt werden kann. "Hoffentlich geht die Aktion nach den Ferien weiter", fügt sie an.

Die Aktion funktioniert auch in einer kleinen Stadt: Celina Hom freut sich mit ihren WG-Schulkameraden Jan Gnädinger (Mitte) und Niklas Kramer
Die Aktion funktioniert auch in einer kleinen Stadt: Celina Hom freut sich mit ihren WG-Schulkameraden Jan Gnädinger (Mitte) und Niklas Kramer | Bild: Wursthorn, Jens

Kurz nach neun löst sich die Kundgebung vor dem Rathaus auf. Es waren nur wenige Passanten, die der lautstarken Aktion ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Die Organisatorinnen haben darauf geachtet, den Schulstreik auf nur zwei Unterrichtsstunden zu beschränken. "Das soll nicht die Ausrede für einen schulfreien Vormittag werden", sagt Ceyda Gynehir.

Egal ob zwei oder sechs Schulstunden: Die Schulleiter müssen sich nun mit dem "Schwänzen" herumschlagen. Die Meinungen als Privatmann und Schulleiter differieren dabei. "Wir klären das schulintern", sagte KHS-Leiter Frank Liebetanz auf SÜDKURIER-Anfrage. Gleichzeitig bekundet er Sympathien für die Aktion. "Die Themen muss man im großen Kontext sehen. Und dieser globalen Zielsetzung der von Greta Thulberg angestoßenen Bewegung kann man sicher nicht widersprechen."

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Die Schule wolle ihre Schüler zu verantwortlichen Bürgern erziehen, sagt Liebetanz. Da dürfe man ihnen ja nicht verwehren, dass sie an ihre Zukunft denken und sich nicht zu "Sündenböcken für das Versagen ihrer Eltern und Großeltern abstempeln lassen wollen". Liebetanz versteht, dass es die Schüler sind, die das Gefühl haben, etwas tun zu müssen. "Die lernen und wissen viel und spüren als Erste, dass es an der Umsetzung fehlt."

Verständnis, aber Sanktion heißt es an der Realschule. Rektor Gerhard Lauffer weiß von 18 Zehntklässlern, die sich an der Demo am Musikantenbrunnen beteiligt haben. Sie werden an einem der nächsten Freitage nachmittags bei ihm persönlich zwei Stunden nachsitzen. Für die Ziele von "Friday for Future" hat der Pädagoge Verständnis. "Das ist für uns alle wichtig. Doch richtiger wäre es gewesen, am Freitagnachmittag zu streiken."

"Wir als Schule fördern durch vielfältige Aktivitäten die politische Bildung und die Umweltbildung unserer Schüler. Der Einsatz für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und die aktive Mitwirkung an unserer Gesellschaft sind uns wichtig", sagte Mario Mosbacher, Schulleiter des Fürstenberg-Gymnasiums.

Dennoch bestehe Schulpflicht und daher hätten die Schüler unentschuldigt im Unterricht gefehlt – was ihnen auch bekannt gewesen sei. Die versäumte Zeit werden sie nachholen. Man werde gewiss einen Form finden, bei der sich ie Schüler sich pädagogisch sinnvoll – im Vergleich zu bloßem Nachsitzen – mit den ihnen wichtigen Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigen werden.

An der Eichendorffschule lief der Unterricht normal. Werkrealschüler waren bei der Demo nicht dabei.

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