Das Mühlentor ist ein Wahrzeichen der Zähringerstadt Bräunlingen. Erst dieses Jahr saniert, die mittelalterlichen Zeichnungen aufwendig mit neuer Farbe versehen. Das Gebäude erhebt sich neben der markanten Stadtkirche über die Dächer. Es markiert den Übergang in den historischen Stadtkern des rund 6000-Einwohner-Städtchens im Schwarzwald-Baar-Kreis. Gestern markierte es auch den Übergang in eine andere Welt. Eine mit Musikanten, Akrobatik, Scherzen und Erzählungen – dem Straßenmusiksonntag.

Die große Veranstaltung, ins Leben gerufen vom SÜDKURIER und der Stadt Bräunlingen, lockt dabei Tausende Besucher nach Bräunlingen. In allen Straßen und Gassen bietet sich ein anderes Bild: Das Festival lebt von etlichen Künstlern, die an verschiedenen Stellen ihr Können zum Besten geben.

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Durch das Mühlentor geht es die Zähringerstraße entlang vor die Stadtkirche. Dort bilden bereits Hunderte Zuschauer einen Kreis um Djuggledy, einen Gaukler, der die Menge mit seinem Diabolo unterhält. Zwei Holzstangen, dazwischen ein Stück Schnur gespannt, auf dem ein kleiner Doppelkegel hin- und hergeschwungen wird. Mal über den Kopf, mal rund zehn Meter in die Luft. Der Künstler geht in den Handstand, stapelt dabei kleine Ziegelsteine. Ein Sprung, eine Verbeugung, die Vorführung ist beendet. Für jetzt. Nachher wird Djuggledy wieder vor der Kirche auftreten. An 23 Standorten in der Stadt wechseln sich 52 Gruppen mit über hundert Akteuren ab.

Große Vielfalt: Wer genug von Rock'n'Roll hat, hört sich an anderer Stelle in der Stadt eben indianische Musik an.
Große Vielfalt: Wer genug von Rock'n'Roll hat, hört sich an anderer Stelle in der Stadt eben indianische Musik an. | Bild: Roland Sigwart

Gegen Nachmittag reißen die dunklen Wolken auf und die Sonne kommt hervor. Jetzt strömen die Zuschauer. Den Überblick über das Angebot zu halten, ist kaum mehr möglich. Einfach treiben lassen und das Geschehen auf sich wirken lassen, so ein kundiger Ratschlag. Durch eine schmale Gasse geht es zwischen leicht schrägen Hauswänden in die Sommergasse. Ein Bereich, in dem lediglich akustische Musik gespielt wird. Was die Stimme hergibt, keine elektrische Verstärkung.

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Da tönen Bob-Dylan-Klassiker, Musik aus den Sechzigern. Mit Gitarre und Mundharmonika steht hier Franz Heindl auf einer kleinen hölzernen Bühne. Er ist bereits seit den Neunzigern regelmäßig auf dem Bräunlinger Straßenmusiksonntag vertreten und nimmt dafür eigens den Weg aus dem österreichischen Bludenz auf sich. „Ich schätze die Ausgewogenheit der Künstler hier“, sagt er. „Zudem wird man gut umsorgt. Die Organisatoren freuen sich über die Zusage“, sagt Heindl. Das sei eine Form der Wertschätzung, die sich auf die Besucher übertrage: „Organisation und Künstler sind beide mit Freude fürs Publikum dabei.“

Richtig viel los: Tausende genießen das Spektakel in den Straßen und Gassen Bräunlingens. | Bild: Jens Wurshorn

Die Mühen der Künstler, sie werden dabei auch unterschätzt. Zusammengenommen zeigen sie mehrere Stunden ihr Können. Als Verdienst bleibt, was das Publikum bereit ist zu geben. Das hat im Laufe der Zeit etwas nachgelassen: „Das Hutgeld wird weniger. Ich denke, viele sind einfach übersättigt. Zu Hause kann man alles hören und sehen, wieso da einem Gaukler noch einen Euro in den Beutel werfen?“, sagt Heindl. Das Geld spiele zwar eine Rolle, das schönste Gefühl sei allerdings, wenn die Leute mit einem Lächeln nach Hause gehen: „Unterm Strich ist das Lob des Publikums alles, was zählt.“

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Davon erhalten Gogol und Mäx besonders viel. Das Kabarett-Duo hat bereits am Samstagabend das Festival eröffnet, ist allerdings auch am Sonntag mehrfach auf einer der zwei großen Bühnen zu sehen. Kopfüber spielen sie Klavier, verbinden Blasinstrumente mit Gummischläuchen, balancieren in luftiger Höhe. Ganz nebensächlich lassen sie die Finger über die Instrumente flitzen, spielen Mozart, Bach und andere große Komponisten.

Auftakt am Samstag: Die Kleinkunstpreisträger Gogol (links) und Mäx zeigen, wie sich Akrobatik und Musik verbinden lässt.
Auftakt am Samstag: Die Kleinkunstpreisträger Gogol (links) und Mäx zeigen, wie sich Akrobatik und Musik verbinden lässt. | Bild: Roland Sigwart

Organisatorin Maren Ott ist mit einem Fahrrad in den Straßen unterwegs. Sie wirkt erleichtert. Die Arbeit der vergangenen Monate hat sich auch dieses Mal wieder gelohnt. Die Besucher kommen in Scharen.