Riedöschingen – Während die Kinder sonst gewöhnlich morgens die Schulbank drücken, war die letzten drei Wochen vor den Osterferien Unterricht zu Hause angesagt, da die Schulen aufgrund des Corona-Virus geschlossen bleiben mussten. Was bedeutete das sogenannte Homeschooling für das Familienleben daheim, wenn die Eltern in die Rolle der Lehrer schlüpfen – nur Herausforderung oder auch eine Chance? Vier Riedöschinger Familien ziehen Bilanz.

Familie Ewadinger

  • Erst mal in Ruhe ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann allmählich ran an die Hausaufgaben? Eindeutig Fehlanzeige! So zumindest bei der zehnjährigen Finja Ewadinger aus der vierten Klasse der Frobenius-Thomsin-Grundschule. Sie sowie ihre beiden älteren Brüder Cedric (14 Jahre, 8. Klasse Realschule) und Jonas (17 Jahre, 11. Klasse Technisches Gymnasium) haben den üblichen Rhythmus wie zu regulären Schulzeiten beibehalten und sich gleich morgens an ihre Aufgabenpakete gemacht.
Finja Ewadinger besucht die vierte Klasse der Grundschule Riedöschingen und kam gut mit ihren Schulaufgaben zu Hause zurecht. Bild: Simone Ewadinger.
Finja Ewadinger besucht die vierte Klasse der Grundschule Riedöschingen und kam gut mit ihren Schulaufgaben zu Hause zurecht. | Bild: Simone Ewadinger
  • In der Grundschule wurden diese nach den gewohnten Wochenplänen abgearbeitet, die sich nun jedoch auf die Hauptfächer Deutsch und Mathematik beschränkten, während es bei den weiterführenden Schulen auch in den Nebenfächern etwas zu tun gab.
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  • Den Ewadingers haben die vergangenen drei Wochen keine Schwierigkeiten bereitet, da alle drei Kinder auch sonst sehr selbstständig ihre Hausaufgaben erledigen und Papa Thomas zudem aus dem Home Office arbeiten konnte. Das habe sich durch den Wegfall des Arbeitsweges auch sehr entschleunigend ausgewirkt, da mehr Zeit für die Familie blieb, sagt er. „Das Pensum war gut machbar“, resümiert Mutter Simone Ewadinger.
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  • Die Lehrer seien überall sehr bemüht gewesen: „In der Grundschule haben sich die Lehrer aktiv telefonisch bei den Schülern erkundigt und fertige Aufgaben konnten zur Kontrolle bei der Schule eingeworfen werden.“ Bei der Realschule standen die Lösungen eine Woche nach Aufgabenstellung zum Abgleich zur Verfügung. Schwierig sei für die Kinder indes die Tatsache gewesen, dass das soziale Umfeld von einem Tag auf den anderen weggebrochen ist, da auch die modernen Medien wie etwa Musikschul-Unterricht per WhatsApp den persönlichen Kontakt nicht ersetzen können.

Familie Nemsch

  • Auch die sechsköpfige Familie Nemsch ist mit der Situation sehr gut zurecht gekommen. Sie hat sich immer einen Tagesplan für alle Familienmitglieder aufgestellt, der mit geregeltem Rhythmus für einen reibungslosen Ablauf sorgte. Die größte Herausforderung sei gewesen, die knapp dreijährige Carlotta zu beschäftigen, damit ihre großen Schwestern Thiana (sechs Jahre, 1. Klasse), Josie (neun Jahre, 3. Klasse) und Leni (14 Jahre, 9. Klasse Realschule) in Ruhe ihre Aufgaben erledigen konnten, so Mutter Sandra Nemsch.
Josie (links) und Thiana Nemsch sind Grundschüler aus Riedöschingen und haben ihre Aufgaben nach dem täglichen Familienplan konsequent abgearbeitet. Bild: Sandra Nemsch.
Josie (links) und Thiana Nemsch sind Grundschüler aus Riedöschingen und haben ihre Aufgaben nach dem täglichen Familienplan konsequent abgearbeitet. | Bild: Sandra Nemsch
  • Natürlich brauchten besonders die Grundschüler bei neuen Themen Begleitung und Unterstützung, doch hier hätten sich die Kinder oft auch gegenseitig geholfen. Auch für sie als Mutter sei es schön gewesen, noch mehr Nähe zu den Kindern und dem Schulstoff als sonst zu haben, sodass sie in Summe die Situation als sehr positiv empfunden habe. „Hut ab vor allen Beteiligten: alles war super organisiert, die Lehrer haben sich sehr viel Mühe gegeben und sie haben besonders in der Grundschule alle Schüler abtelefoniert.“
Mit kreativen Aufgaben beschäftigt, lässt die kleine Carlotta Nemsch ihre drei großen Schwestern auch zu Hause in Ruhe ihre Schulaufgaben erledigten. Bild: Sandra Nemsch.
Mit kreativen Aufgaben beschäftigt, lässt die kleine Carlotta Nemsch ihre drei großen Schwestern auch zu Hause in Ruhe ihre Schulaufgaben erledigten. | Bild: Sandra Nemsch
  • Aber auch bei der ältesten Tochter Leni lief alles sehr unkompliziert, von der Verteilung der Aufgaben per Abholung zu getrennten Zeiten je Klasse in der ersten Woche und anschließend per digitalem schwarzem Brett über die Möglichkeit, Klassen- und Fachlehrer bei Bedarf zu kontaktieren bis hin zur Veröffentlichung der Lösungen zur Selbstkontrolle.

Familie Baur/Hauptvogel

Der elfjährige Silas Baur besucht die fünfte Klasse der Hüfinger Lucian-Reich-Gemeinschaftsschule. Da er es gewohnt ist, sonst den ganzen Tag in der Schule zu verbringen, verteilte er sein Arbeitspensum von täglich etwa vier Stunden nun auch auf je zwei Stunden am Vormittag und Nachmittag. Aufgaben gab es dabei für alle Fächer außer Sport. Mutter Janine Hauptvogel lobt die gute Organisation seitens der Schule: „Bereits am Freitag vor der Schulschließung hatte die Schule für ihre Schüler einen Online-Zugang eingerichtet, über den die Aufgaben und Arbeitsblätter abgerufen werden können.“

Silas Baur geht auf die Gemeinschaftsschule in Hüfingen und kommt mit dem Unterricht zu Hause ganz gut zurecht, auch wenn er seine Freunde und Schulkollegen vermisst. Bild: Janine Hauptvogel.
Silas Baur geht auf die Gemeinschaftsschule in Hüfingen und kommt mit dem Unterricht zu Hause ganz gut zurecht, auch wenn er seine Freunde und Schulkollegen vermisst. | Bild: Janine Hauptvogel

Sehr erfreulich fand sie auch, dass sich in der ersten Woche des Heimunterrichts die Klassenlehrerin telefonisch gemeldet und erkundigt hat, wie es den Schülern gehe und ob sie mit den Aufgaben zurecht kämen. Für Rückfragen konnte sich Silas bei Bedarf jederzeit an seine Lehrerin wenden. Er kam gut zurecht. Meist arbeitete er morgens selbstständig in den Kernfächern und nachmittags mit Begleitung durch seine Mama an Themen der Nebenfächer, was auch mit dem kleinen, bald dreijährigen Bruder Isidor gut funktionierte.

Mehr gemeinsame Zeit

Die vierköpfige Familie erlebte die Zeit positiv und entschleunigend, da durch den Wegfall von Schulweg und Fahrten zu verschiedenen Freizeitaktivitäten mehr gemeinsame Zeit zur Verfügung stand. Dennoch würde Silas lieber wieder in die Schule gehen, da er besonders den persönlichen Kontakt zu seinen Freunden und Schulkollegen vermisst.

Familie Keller

  • Während für die meisten Schüler seit Montag die Osterferien der Erholung dienen und höchstens einzelne Hausaufgaben noch erledigt und Lücken aufgearbeitet werden, beginnt für die diesjährigen Abschlussschüler trotz Schulschließung und verschobener Prüfungstermine auf Ende Mai der Endspurt des Büffelns. So auch für Anna-Lena Keller aus der zehnten Klasse der Realschule.
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  • „Zum Glück hatten wir den gesamten Stoff in den prüfungsrelevanten Fächern schon durchgenommen, so dass wir uns in den vergangenen drei Wochen auf Aufgaben zur Prüfungsvorbereitung konzentrieren konnten und keine ganz neuen Themen mehr hinzu kamen“, so die 16-Jährige. Obwohl die Lehrer sehr gut organisiert seien und teilweise mehrmals pro Woche gemeinsamen Unterricht mit der gesamten Klasse per Skype abhielten, erledigte Aufgaben empfingen und kontrollierten und für Rückfragen auf elektronischem Weg zur Verfügung standen, gebe es doch eine gewisse Distanz und Hemmschwelle im Vergleich zum persönlichen Unterricht im Klassenzimmer, bei dem man einfach schnell und direkt nachfragen könne, wenn etwas nicht ganz klar verstanden wurde.
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  • „Ich telefoniere oft mit einigen Schulkollegen und dann helfen wir uns gegenseitig weiter oder lösen Aufgaben gemeinsam“. Auch wenn noch keine Entscheidung gefällt wurde, wie der Schulbetrieb nach den Osterferien ab dem 20. April weiterlaufen wird, sollen zumindest die Abschlussschüler in jener Woche ihre Probeprüfungen in der Schule schreiben können, im Zweifel verteilt auf viele Klassenzimmer, um den nötigen Abstand zu gewährleisten.
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