Wenn die Dampflok der Sauschwänzlebahn am Samstag, 27. April, mit einem lang gezogenen Pfeifen das akustische Signal für den Start in die neue Saison aus dem Schornstein tutet, dann wird es direkt am Bahnhof eine neue Attraktion für Kinder geben: einen kleinen Spielplatz. Die Interessengemeinschaft Wutachtalbahn (IG WTB) hat für das Projekt ein sogenanntes Crowdfunding gestartet. 10 000 Euro sollen so zusammenkommen.

Bild: Schönlein, Ute

Bei einem Treffen von Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg, mit den Verantwortlichen der IG WTB ist die Idee geboren worden, den Bahnhof Zollhaus und die Museumsbahn für Familien aufzuwerten. Der typische Fahrgast der Sauschwänzlebahn gehört eher der Generation 50 plus oder 60 plus an, diese Klientel hat die Sauschwänzlebahn sicher. Bei Familien mit Kindern sieht Brinkmann einen gewissen Nachholbedarf, zumal der Nachwuchs auf der Fahrt nach Blumberg im Auto sitzt, dann nimmt er in den Waggons Platz und auf der Heimfahrt heißt es dann wieder, die Beine stillhalten zu müssen. "Da dachten wir uns, dass es doch ganz gut wäre, wenn sich die Kinder auf einem Spielplatz ein wenig austoben könnten", so Brinkmann.

Spielplatz bereichert auch Freizeitangebot in Zollhaus

Zunächst war daran gedacht, den Spielplatz auf dem großen, sandgedeckten Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs zu platzieren. Vor allem, weil es hier genügend Flächen gegeben hätte, den Spielplatz in einem zweiten Ausbauschritt zu vergrößern. Doch diese Idee, so Brinkmann, habe im Aufsichtsrat keine Mehrheit gefunden – um keine Autoabstellplätze zu verlieren. Und deshalb werden die Spielgeräte jetzt direkt im Bahnhofsbereich aufgestellt, natürlich von einem Zaun umgeben. Dieser Standort ermöglicht es den Eltern, ihre Kinder im Blick zu behalten, während sie etwas trinken oder eine Kleinigkeit essen. Brinkmann möchte den Spielplatz auch als kleines Dankeschön an die Zollhauser verstanden wissen, die während der Museumsbahn-Saison den An- und Abreiseverkehr ertragen müssen. "Der Spielplatz wird nicht abgeschlossen", verspricht der Bahnchef.

Für Hagen von Ortloff, früher Moderator der Sendung "Eisenbahnromantik", ist die Sauschwänzlebahn die spektakulärste Museumsbahn, unser Bild zeigt die Damplokomotive auf der Wutachbrücke.
Für Hagen von Ortloff, früher Moderator der Sendung "Eisenbahnromantik", ist die Sauschwänzlebahn die spektakulärste Museumsbahn, unser Bild zeigt die Damplokomotive auf der Wutachbrücke. | Bild: Joerg Sauter

Die IG WTB hat ein Crowdfunding Projekt initiiert, um die neue Attraktion zu finanzieren. 10 000 Euro sollen so zusammenkommen. Alle weiteren Informationen dazu sind auf der Homepage der Volksbank Schwarzwald-Baar-Heuberg zu finden unter https://voba-sbh.viele-schaffen-mehr.de/spielplatz-sauschwaenzlebahn.

Mit der Entwicklung der Fahrgastzahlen ist Brinkmann bedingt zufrieden. Auf der einen Seite registriert er mit Wohlwollen, dass die Tendenz nach oben zeigt, andererseits aber ist die Museumsbahn weit von den einst erreichten Besucherzahlen entfernt. So lösten zum Beispiel 2002 noch 138 585 Besucher ein Ticket. Brinkmann diagnostiziert einen "Generationswechsel". Die Dampfross-Freunde, die als Kind eine elektrische Eisenbahn aufgebaut und mit ihr gespielt haben, seien die treuesten Sauschwänzlebahn-Fans. Jetzt gelte es allerdings, attraktiver für Familien zu werden – siehe Spielplatz.

Den Tiefstwert im Jahr 2014 erklärt der Bahnchef mit dem seinerzeit vom Regierungspräsidium ausgesprochenen Winterfahrverbot wegen der Mopsfledermäuse, beziehungsweise der Berichterstattung darüber in überregionalen Medien. "Auf Messen haben wir häufig gehört, dass viele Menschen gedacht haben, die Sauschwänzlebahn dürfe überhaupt nicht mehr fahren", so Brinkmann. Um die Besucherzahlen besser einordnen zu können, verweist Brinkmann darauf, dass alle Museuemsbahnen im Land – diese sind in einem Verband zusammengeschlossen – ähnliche Rückgänge im Vergleich zu den Spitzenjahren verkraften müssten wie die Sauschwänzlebahn.

In Epfenhofen und Fützen fahrt die Museuemsbahn über spektakuläre Viadukte.
In Epfenhofen und Fützen fahrt die Museuemsbahn über spektakuläre Viadukte. | Bild: SK-Archiv

Winterfahrten wirken sich kaum auf Fahrgastzahlen aus

Wird sich die teilweise Aufhebung des Winterfahrverbots positiv auf die Entwicklung der Fahrgastzahlen auswirken? Wohl kaum. Wie Brinkmann berichtet, habe es vergangenes Jahr die ersten Adventsfahrten zwischen Zollhaus und Fützen gegeben. Die gesamte Strecke bis nach Weizen darf schon in der Vorweihnachtszeit nicht befahren werden, weil in den zahlreichen Tunnelbauwerken Fledermäuse überwintern. Aber auch der erste Teil der Museumsbahn-Trasse darf vom 1. Januar bis zum 31. März nicht unter die Dampflok-Räder genommen werden, weil dann der Tunnel am Achdorfer Weg aus artenschutzrechtlichen Gründen gesperrt ist.

Zweimal seien hier Fledermäuse gezählt worden, so Brinkmann. Einmal habe man sieben Exemplare entdeckt, das andere Mal neun. Regelmäßige Winterfahrten durchs Wutachtal dürften sich nur dann rechnen, wenn tatsächlich Schnee liegt und so ganz neue Landschafts-Erlebnisse möglich werden. Im Advent jedenfalls hat sich die weiße Pracht rar gemacht. Ein Winterfahrplan dürfte aber nicht nur an den eingeschränkten Fahrzeiten beziehungsweise der verkürzten Trasse scheitern. Die Bahnbetriebe verfügen im Augenblick nur über eine Dampflok. Und die muss über die Wintermonate gewartet werden. Und die Diesellok, die im Notfall zum Einsatz kommt, ist halt keine richtige Alternative zu einer Dampflok. Sauschwänzlebahn-Besucher wollen Ruß riechen.

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