VS-Villingen Villinger Verein Pro Stolpersteine gedenkt Sinti und Roma mit Mahnwache

Villinger Verein Pro Stolpersteine lädt zum vorläufig letzten Treffen auf den Münsterplatz ein, insgesamt werden 300 Teilnehmer bei den Terminen gezählt

30 Bürgerinnen und Bürger haben an der elften und für diese Saison letzten Mahnwache des Vereins Pro Stolpersteine teilgenommen. Die Mahnwachen sollen ein ehrenvolles Gedenken an jene sein, die unter dem nationalsozialistischen Regime leiden und sterben mussten. Auf dem Münsterplatz gedachten die Teilnehmer der Angehörigen der großen und zuletzt in Villingen lebenden Sinti-Familie Reinhardt, die ihr Leben durch den „Porajamos“ („Das Verschlingen“) verloren hat, das den Völkermord an den Roma unter dem Nazi-Terror bezeichnet.

Dieser Genozid bildete den Gipfel einer langen Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung der Sinti und Roma, von denen mehr als 300 000 ihr Leben opfern mussten. Theo Leute erinnerte an den Rassenwahn, dem die „Zigeuner“ unter der Naziherrschaft zum Opfer fielen und berichtete von einem Erlebnis des heute 85 Jahre alte John Reinhardt auf der Flucht vor dem NS-Regime. Im Alter von zehn Jahren erlebte er mit, wie in einem vor dem SS-Terror sicher geglaubten Nutzquartier am Rande der schwäbischen Alb 13 seiner Familienmitglieder gefangen genommen und ins Konzentrationslager deportiert wurden. John und seine Geschwister überlebten unerkannt. John war kaum zur Schule gegangen. Nach jahrelangem Versteckspiel und nach Kriegsende verdiente er seinen Lebensunterhalt erfolgreich als Swing-Gitarrist. Anfang der 50er Jahre lernte er seine Frau kennen und lebt heute in Traunstein. Zum Gedenken an die ermordeten Angehörigen initiierte er im Jahr 2000 an der Schicksalsstelle am Rande der schwäbischen Alb eine Gedenktafel.

Die elfte Mahnwache auf dem Münsterplatz war zugleich die letzte in dieser Saison. Friedrich Engelke berichtete von guter Resonanz mit insgesamt 300 Teilnehmern. Theo Leute hat zunehmendes Interesse an den Mahnwachen und den Willen zur Auseinandersetzung mit dem NS-Terror bei der jüngeren Generation beobachtet. Weniger ausgeprägt sei das Bewusstsein bei den heute 40- bis 60-Jährigen. Für den Sommer ist geplant, in Kooperation mit Schulen und Lehrern im Unterricht die Schüler über die Gräueltaten zu informieren. Es sind Interviews mit Zeitzeugen geplant, die die Schüler führen, zusammenfassen und bei Bedarf öffentlich vorstellen. Die Mahnwachen 2017 werden im Spätherbst fortgesetzt.

Der Verein

Der Verein Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen gründete sich 2014 zur Förderung des Andenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des verantwortungsvollen Handelns für Gegenwart und Zukunft. Er hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, an Bürgerinnen und Bürger zu erinnern, die in der heutigen Doppelstadt Opfer von NS-Gewalt waren. Das Vorhaben, Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer in der Stadt zu setzen, scheiterte bislang am Veto des Gemeinderates. (bom)

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