Seit Mitte 2017 drehen sich in Verenafohren drei Windräder. Auf der Gemarkung des Tengener Ortsteils Wiechs am Randen gelegen, ist es der erste Windpark im Landkreis Konstanz. „Wir wollten immer schon mal dahin, heute ist eine gute Gelegenheit“, ließen sich Cory und Werner Dups und weitere Teilnehmer auch vom Coronavirus nicht davon abhalten, an einer Führung mit Jutta Gaukler von Solarcomplex teilzunehmen. Die Firma war mit Planung, Projektierung und Bauleitung der Anlage beauftragt.

220 Flurstücke von 80 Eigentümern

Die Fahrt ging von Singen aus zum Treffpunkt in Wiechs, wo weitere Interessierte dazukamen. Schon auf dem steilen und schmalen Weg hinauf auf die Anhöhe erhielten die 13 Teilnehmer einen Eindruck, was es bedeutet, ein derartiges Projekt umzusetzen. Wie Jutta Gaukler erklärte, mussten für den Transport der Bauteile mit Spezialfahrzeugen die Waldwege verbreitert und ausgebaut werden.

Eine Vorstellung gibt die Nabenhöhe mit 134 Meter, ein Rotorblatt ist 65 Meter lang und wiegt 16 Tonnen. Um Zugriff zu haben, waren rechtliche und privatrechtliche Genehmigungen der über 220 Flurstücke von mehr als 80 verschiedenen Eigentümern vorausgegangen. „Das allein füllt 46 Ordner“, stieß diese Zahl doch auf Erstaunen der Teilnehmer.

Mittlere Windgeschwindigkeit

Wie Jutta Gaukler erklärte, sei das Schild „Lebensgefahr“ wegen Eisabwurf eine Vorsichtsmaßnahme. Ausgestattet mit einem Eiserkennungs-System stoppe die Anlage automatisch, verbleibe im Trudelbetrieb und fahre selbständig wieder an, wenn kein Eisansatz mehr vorhanden sei.

Ganz in der Nähe waren nach halbstündigem Anstieg hinter den Bäumen drei Rotorblätter zu sehen. „Es ist kaum Wind, und sie drehen sich doch“, war aus der Gruppe zu hören. Bei der Standortwahl des Windparks hatte der Windatlas Baden-Württemberg Anhaltspunkte gegeben. Windmessungen in Wiechs nahe der angrenzenden Schweiz wiesen eine mittlere Windgeschwindigkeit aus.

Strom für rund 20.000 Menschen

„Alle drei Anlagen liefern im Jahresertrag 20 Millionen Kilowattstunden (kWh), was dem privaten Stromverbrauch von rund 20.000 Menschen entspricht.“ Die Messwerte hätten sich bestätigt, mit 20,3 Millionen Kilowattstunden im Jahr 2019 sei die Stromproduktion erreicht worden. „Windräder drehen sich auch ohne Sonne unabhängig von Tages- und Nachtzeiten, besonders die Wintermonate tragen mit mehr Wind und Stürmen wesentlich zur Stromproduktion bei“, erläuterte Gaukler.

Als Beispiel für Stromverbrauch nannte sie die Firma Fondium, die im Jahr 100 Millionen kWh benötigt und 15 Windräder dieser Dimension bräuchte, um den Strom selbst zu produzieren. „Das ist ja der Hammer“, war nicht nur Waltraut Spellenberg sprachlos.

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Auch weitere Details zu den Belangen des Naturschutzes und Fotos vom Transport und Aufbau der Windräder beeindruckten die Teilnehmer. Oben angekommen, faszinierte alle die Größe des Windrades. Die Antwort auf Jutta Gauklers Frage, wie tief das Fundament wohl sei, variierte von zehn bis 25 Meter. Nicht nur Klaus Hinze war über ihre Angabe erstaunt: „Nur 3,20 Meter tief? Das wundert mich sehr.“

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