Gleich zu Beginn der Veranstaltung wartete Bertram Sieringer, einer der treibenden Kräfte des inzwischen auf vierzehn Personen angewachsenen Initiativkreises „Gut leben“ mit der Zahl auf, dass in Watterdingen und Weil derzeit 112 Personen das fünfundsiebzigste Lebensjahr überschritten hätten. Zukünftig würde es noch mehr ältere Menschen geben, wie er prognostizierte, denn die geburtenstarken Jahrgänge, die Babyboomer, näherten sich inzwischen dem Rentenalter. Immer mehr alte Menschen benötigten Hilfe, auch deshalb, weil die klassischen Familienstrukturen (als drei oder mehr Generationen unter einem Dach lebten) so nicht mehr existierten. Viele der älteren, oft allein lebenden Menschen benötigten Unterstützung von außen, wobei die professionellen Institutionen, die diese Hilfe leisten würden – wie etwa Sozialstationen – nicht ausreichten. Ergänzend und keinesfalls konkurrierend zu den Profis sei private Initiative gefragt – etwa die klassische Nachbarschaftshilfe.

Bertram Sieringer zeigte sich dann von der unerwartet starken Resonanz bei der Auftaktveranstaltung in der Biberhalle Watterdingen mit mehr als einhundert Interessierten überwältigt. Gemeinderat Thomas Wezstein, der im Namen der Stadt Tengen Grußworte an die Anwesenden richtete, zeigte sich ebenso angenehm vom Bevölkerungszuspruch überrascht und verriet, dass es der Watterdinger Ortsvorsteher Stefan Armbruster gewesen sei, der die Idee bei einem Besuch in Amtzell im Allgäu mitgebracht habe, als der dortige Bürgermeister ein entsprechendes Nachbarschaftshilfeprojekt vorstellt habe.

Beratung vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften

Dank des Engagements der Stadt Tengen gab es zu diesem Projekt einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro vom Sozialministerium. Es wird professionell von der Diplom-Psychologin Iren Steiner vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften in Stuttgart unterstützt, die im Rahmen „Gut beraten – Programm Quartier 2020“ des Ministeriums für Soziales und Integration die ersten Schritte zur Gründung des Initiativkreises Watterdingen-Weil begleitet. In ihrer Ansprache formulierte die Psychologin klar, worum es eigentlich geht: nämlich um die Vermeidung von Vereinsamung und Verwahrlosung der alten Menschen. Darüber hinaus sei die Entlastung der Angehörigen, die sich um die Pflegebedürftigen kümmerten, genauso wichtig. 70 Prozent der Pflegebedürftigen würden in Deutschland zuhause gepflegt, wobei die Pflegedauer im Schnitt acht Jahre betrage und 36 Prozent der Pflegebedürftigen von nur einer Person versorgt würden, wie Steiner ihre Argumentation mit Zahlen unterfütterte. Erfolg sei dann gegeben, wenn Profis Hand in Hand mit engagierten Bürgern arbeiteten.

Ein Verein soll gegründet werden

Deshalb sei es das Ziel für die Initiativgruppe für Watterdingen und Weil, ein entsprechendes Seniorennetzwerk Schritt für Schritt aufzubauen. Dies beinhalte ein Grundnetz der Unterstützung mit zentraler Anlaufstelle. Die Aufgaben seien Besuchs- und Begleitdienste, Unterstützung im Alltag und das Ziel, die Pflegebedürftigen wieder am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Iren Steiner empfahl abschließend, einen entsprechenden Verein zu gründen, da die Gemeinschaft dadurch Gesicht und Anlaufort bekomme und die Mitglieder dadurch auch rechtlich und versicherungstechnisch abgesichert seien.

Danach wurden an vier verschiedenen Stationen die jeweiligen Aufgabenbereiche vorgestellt (siehe Infokasten) und jeder durfte sich dann dort eintragen, wo er sich engagieren will. Man konnte zudem an die jeweiligen Personen des Initiativkreises Fragen stellen und sich selbst mit Ideen einbringen. Einige waren auch schon bereit, sich in die entsprechenden Listen einzutragen, und zum Schluss verriet Bertram Sieringer die nächsten Schritte: nämlich Daten auswerten, Ideen zusammenfassen und veröffentlichen.