Gebaut wird immer, auch während der Corona-Pandemie. Und da die Entwicklung der Stadt nicht stehenbleibt, hat der Planungsausschuss des Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung die Erstellung von mehreren Bebauungsplänen vorangetrieben. Das prominenteste Gebiet dürfte dabei das im Bebauungsplan Reiser sein. Es liegt an der viel befahrenen Radolfzeller Straße rund um das frühere Firmengebäude des Bauunternehmens Mühlherr-Wagner. Auch beim Bebauungsplan Sommerresidenz im Ortsteil Espasingen geht es weiter. Und mit dem Bebauungsplan Galgenäcker-Oberösch sollen die Regelungen für das Wohngebiet nördlich der Stockacher Innenstadt auf aktuellen Stand gebracht werden. Worum es im einzelnen geht:

  • Reiser: Der geltende Bebauungsplan für das Gebiet entlang der Radolfzeller Straße zwischen Kindergartenstraße und Reiserweg stamme aus den 1960er-Jahren, erklärte Harald Schweikl vom städtischen Bauamt in der Sitzung. Vorgesehen ist darin beispielsweise eine Fläche für eine Schule auf zwei großen, nach wie vor freien Grundstücken im rückwärtigen Teil des Gebiets. Und es ist laut einer Sitzungsvorlage des Gemeinderats vom Februar als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen. Durch das frühere Bauunternehmen Mühlherr-Wagner, heute eine Zweigstelle des Baustoffhändlers Bücheler und Martin, entsprach und entspricht die tatsächliche Nutzung dem allerdings nicht.

Nachdem der Gemeinderat im Februar beschlossen hatte, die Bebauung neu zu regeln, liegt nun ein Entwurf vor. Der hintere Teil des Gebiets mit den unbebauten Grundstücken soll mit einer neuen Stichstraße samt Wendehammer erschlossen werden. Von dort aus soll ein Fußweg zur Kindergartenstraße führen. Außerdem sollen Gebäude näher an die Radolfzeller Straße rücken dürfen. Statt wie zuvor 20 Meter Abstand von der Fahrbahn sind im neuen Entwurf fünf Meter Abstand zum Gehweg eingetragen.

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Schließlich werde die Art des Baugebiets nicht mehr festgeschrieben, erklärte Harald Schweikl dem Gremium. Als Gründe gibt die Sitzungsvorlage die bestehende Nutzung des Gebiets und die Lage an der stark befahrenen Radolfzeller Straße an. Die neue Planung steht auch im Zusammenhang mit der geplanten West-Umfahrung von Stockach, wie schon im Februar deutlich wurde. Dadurch werde ein großzügiger Ausbau des Schiesser-Knotens unwahrscheinlich, hieß es damals.

Themen Hochwasser und Radweg

Ein kurze Diskussion im Planungsausschuss gab es um die Themen Hochwasser und Fahrradverkehr. Martin Bosch (CDU) brachte das Thema Hochwasser auf mit dem Hinweis, dass in dem Gebiet auch schon Wasser in Kellern gestanden hätte. Willi Schirmeister, Leiter des städtischen Bauamts, erklärte, dass man nur regeln könne, was neu bebaut werde. Das Gebiet liege in einer Senke und die Radolfzeller Straße nehme nicht mehr Wasser auf. Bei der Bebauungsplanung müsse man aber den Nachweis für ein 30-jähriges Hochwasser führen, so Schirmeister, also für ein Hochwasser, das statistisch gesehen alle 30 Jahre vorkommt. Das könne man sich vorstellen wie die Regenfälle, nach denen im Sommer 2017 Schlammlawinen durch Ludwigshafen geflossen sind.

Alice Engelhardt (Grüne) begrüßte, dass es keine Straßenverbindung in die Kindergartenstraße geben soll, und fragte, ob man Radfahrer abseits der Radolfzeller Straße über den Fußweg leiten könne. Bürgermeister Rainer Stolz erwiderte, dass man für einen Radweg darauf angewiesen sei, auch die Flächen zu bekommen. Der Fußweg sei derzeit mit zwei Metern Breite vorgesehen, was für Radfahrer nicht genüge. Der Ausschuss stimmte dem Planentwurf einstimmig zu und beschloss die öffentliche Auslegung.

Das Wohngebiet Sommerresidenz im Stockacher Ortsteil Espasingen auf einem Archivbild.
Das Wohngebiet Sommerresidenz im Stockacher Ortsteil Espasingen auf einem Archivbild. | Bild: Freißmann, Stephan
  • Sommerresidenz: An dieser Stelle im Ortsteil Espasingen ging es nun um Korrekturen am ursprünglichen Entwurf des Bebauungsplans, dem der Gemeinderat im Februar bereits zugestimmt hatte. Das Gebiet ist größtenteils bereits bebaut, allerdings fehlt noch das zentrale Gebäude, das anstelle der früheren Sommerresidenz der Grafen von Bodman entstehen soll. An dieser Stelle lässt der Planentwurf ein Gebäude mit sieben Wohneinheiten zu.

Der Grund für die Überarbeitung des Entwurfs sei gewesen, dass die erste Version in einigen Punkten vom ursprünglich vorgesehenen städtebaulichen Konzept abgewichen sei, heißt es in der aktuellen Sitzungsvorlage. Demnach hätten Tiefgaragen und Balkone mitunter nicht in die Baufenster gepasst. Auch die Anregungen von Andreas Bernhart, CDU-Gemeinderat und Ortsvorsteher von Espasingen, seien in den neuen Planentwurf eingeflossen, bestätigte Stolz auf Nachfrage von Martin Bosch (CDU). Dabei ging es um die Zahl der zulässigen Wohneinheiten und der Stellplätze. Das Gremium stimmte dem Planentwurf zu und beschloss die öffentliche Auslegung.

„Es geht um Verdichtung.“ Rainer Stolz, Bürgermeister, zum Bebauungsplan im Gebiet Galgenäcker
„Es geht um Verdichtung.“ Rainer Stolz, Bürgermeister, zum Bebauungsplan im Gebiet Galgenäcker | Bild: Arndt, Isabelle
  • Galgenäcker-Oberösch: Der gültige Bebauungsplan stammt laut der Sitzungsvorlage aus dem Jahr 1980. Festgeschrieben sind dort demnach relativ kleine Häuser auf großen Grundstücken. Doch jetzt gebe es einen Generationenwechsel in dem Gebiet, erklärte Harald Schweikl dem Gremium. Auch in der Sitzungsvorlage heißt es, dass in jüngerer Zeit immer wieder Fragen zur Schaffung von neuem Wohnraum eingehen. Daher soll der Bebauungsplan geändert werden. Danach sollen die Baufenster größer werden. Auch die Träufe der Dächer sollen höher gebaut werden können, um Dachgeschosse besser zu nutzen. Bürgermeister Rainer Stolz formulierte die Absicht des neuen Bebauungsplans so: „Es geht um Verdichtung.“ Der Planungsausschuss beschloss einstimmig, den Bebauungsplan entsprechend zu ändern.