Die Corona-Krise macht den meisten Unternehmen und Organisationen zu schaffen. Doch je nachdem, wie die bisherigen Jahre gelaufen sind, können sie nun von einem finanziellen Polster zehren. Dies ist bei den Stockacher Stadtwerken, der Volkshochschule Landkreis Konstanz (VHS) und der Deutschen Bodensee-Tourismus (DBT) zu erkennen. An allen drei ist die Stadt Stockach beteiligt. Und alle drei legten im Gemeinderat ihre Zahlen für 2019 vor. Die Bilanzen im Einzelnen:

Ein Rückblick bei den Stadtwerken

Die Stadt ist mit 74,9 Prozent an dem kommunalen Versorger beteiligt. Die restlichen 25,1 Prozent gehören der EnBW kommunale Beteiligungen GmbH. 2019 sei die Übernahme des Stromnetzes in den Stockacher Ortsteilen von der Netze BW das größte Projekt des Unternehmens gewesen, sagte Geschäftsführer Jürgen Fürst in seinem Jahresbericht.

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Auch der Vertrag mit dem Breitbandanbieter Teledata sei um fünf Jahre verlängert worden. Bei den einzelnen Unternehmenssparten habe der Bereich Strom besonders gut abgeschnitten, was an regulatorischen Eingriffen liege, so Fürst. Auch beim Breitband sei man aus den Kinderschuhen heraus gewachsen.

Die Stadtwerke und die Corona-Krise

Einen kurzen Ausblick auf das Corona-Jahr 2020 gab es auch noch. Bei den Bädern werde es wegen der verkürzten Saison und der begrenzten Zahl an zugelassenen Badegästen zwischen 120.000 und 150.000 Euro mehr Defizit geben als ohnehin schon. Im Jahr 2019 lag der Verlust der Unternehmenssparte Bäder bei knapp 400.000 Euro für Frei- und Hallenbad. Zusätzlich investiert die Stadt, unterstützt von Bundesmitteln, einen Millionenbetrag in die Sanierung beider Bäder.

Fürst sagte: „Wir freuen uns, dass Verwaltung und Gemeinderat so klar hinter den Bädern stehen.“ Wasser ist in diesem Jahr auch sonst ein Thema: „Wir beschäftigen uns gerade mit der Struktur der Wasserversorgung“, sagte Fürst auf Anfrage von Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler).

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Was mit dem Geld geschieht

Und das passiert mit dem Geld, das die Stadtwerke erwirtschaftet haben (siehe Kasten): Knapp 121.000 Euro fließen an die Stadt, etwa 188.000 Euro an die EnBW. Der Unterschied kommt dadurch zustande, dass die Anteilseigner in unterschiedlichem Maße an den Unternehmenssparten beteiligt sind. 800.000 Euro fließen in die Gewinnrücklage, davon laut Fürst 100.000 Euro für den Windpark Brand – zunächst aber nur für Voruntersuchungen. Die Beschlüsse erfolgten jeweils einstimmig.

„Das Unternehmen arbeitet sehr erfolgreich, das brauchen wir aber auch“, sagte Bürgermeister Rainer Stolz in der Sitzung. Und Wolfgang Reuther (CDU) schickte den Appell an die Bürger hinterher, solidarisch zu sein und Strom und Gas vom städtischen Versorger abzunehmen.

Ein Plus trotz einem Minus bei der VHS

Bei der VHS, die als Verein organisiert ist, ist die Stadt neben Konstanz, Singen, Radolfzell und dem Landkreis Konstanz einer von fünf Gesellschaftern. Geschäftsführerin Nikola Ferling bezeichnete 2019 als solides Jahr für die VHS. Zwar habe diese einen Fehlbetrag von etwa 6700 Euro erwirtschaftet. Durch Gewinnvortrag aus den Jahren davor habe man am Ende aber ein Plus von etwa 22.700 Euro in der Bilanz stehen. Geplant gewesen sei ein Überschuss von etwa 53.000 Euro, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Zu dem Minus habe beigetragen, dass die Ausgaben gestiegen seien. Beispielsweise hätten die Dozenten für Integrationskurse mehr Honorar bekommen und die Nachfolgerin von Ferlings Stellvertreterin Dorothee Jacobs-Krahnen sei zur Einarbeitung gekommen, sodass man zeitweise überlappend Gehalt habe zahlen müssen.

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Die Einnahmen seien fast gleich geblieben, auch wenn es weniger Bedarf an Integrations- und Deutschkursen gab und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entsprechend weniger Zuschüsse überwies. Dies sei durch ein Mehr bei den Teilnehmergebühren beinahe ausgeglichen worden.

Wie die Finanzen der VHS aussehen

Gleichzeitig konnte die VHS neue Rücklagen bilden und habe derzeit 952.000 Euro auf der hohen Kante, so Ferling – eine gute Ausgangslage für ein „anspruchsvolles“ Jahr 2020, wie sie es ausdrückte. In der Corona-Krise habe man digitale Angebote stark ausgeweitet, sagte Ferling auf Nachfrage von Claudia Weber-Bastong (SPD).

Mit dem SÜDKURIER Medienhaus habe man etwa erfolgreiche innovative Formate entwickelt: „Die Klickzahlen sprechen für sich“, so Ferling. Bürgermeister Rainer Stolz würdigte die Arbeit des Vorstands, gab aber auch bekannt, dass man für 2020 ein Defizit von 400.000 Euro erwarte. Und: „Wir müssen schauen, dass wir die VHS in einer guten Spur halten.“

Die Lage bei der DBT

Bei der Deutschen Bodensee-Tourismus GmbH (DBT), die die Tourismus-Aktivitäten am deutschen Seeufer bündeln will, hält die Stadt Stockach gemeinsam mit der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen vier Prozent der Anteile. Der Jahresüberschuss der DBT betrug 2019 laut der Sitzungsvorlage knapp 140.000 Euro. Allerdings werde dieser mit einem Verlustvortrag von etwa 383.000 Euro verrechnet, sodass unter dem Strich ein Bilanzverlust von knapp 244.000 Euro bleibe.

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Der hohe Verlust erkläre sich aus dem Vorhaben Echt Bodensee Card (EBC), erklärte Bürgermeister Stolz auf Nachfrage von Wolfgang Reuther (CDU). Die Gästekarte war mit großen Schwierigkeiten und unter harscher Kritik gestartet. Die Struktur mit der jetzigen DBT-Geschäftsführerin Ute Stegmann sei allerdings sehr gut, so Stolz.