Für die positiven Nachrichten gab es im Gemeinderat Applaus: Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Hanke erklärte in der jüngsten Sitzung, dass 2020 trotz Corona-Pandemie voraussichtlich das beste Jahr seit Langem werde. „Wir werden wohl im Corona-Jahr das erste Mal seit zehn Jahren ein ausgeglichenes Jahresergebnis haben“, sagte er. Eigentlich ging es in der Sitzung um den Jahresabschluss 2019, doch er sprach auch viel Aktuelles an. Bürgermeister Rainer Stolz nannte die Prognose für 2020 außerordentlich: „Es wäre ein historisch einmaliges Ergebnis, wenn es so kommt.“

Wo auf dem Bild die sechs Autos stehen, liefen bis vor Kurzem im Boden die Vorbereitungen für den neuen Bettentrakt des Krankenhauses. Das Foto ist mit einem Weitwinkelobjektiv entstanden, deshalb sehen die Objekte rechts und links leicht verzerrt aus.
Wo auf dem Bild die sechs Autos stehen, liefen bis vor Kurzem im Boden die Vorbereitungen für den neuen Bettentrakt des Krankenhauses. Das Foto ist mit einem Weitwinkelobjektiv entstanden, deshalb sehen die Objekte rechts und links leicht verzerrt aus. | Bild: Löffler, Ramona

Rainer Stolz griff die gute Entwicklung auf und sagte, dass es 2019 eine deutliche Verbesserung der Zahlen gegenüber 2018 gegeben habe: „Wir gehen davon aus, dass es so weitergeht.“ Michael Hanke schilderte in seiner Präsentation, dass 2019 von gegenläufigen Entwicklungen geprägt gewesen sei: Chefarztwechsel in der Viszeralchirurgie, mehrere Wochen Vakanz, ein mehrwöchiger Ausfall des Kniegelenkschirurgen und der Wiedereinstieg eines Wirbelsäulenchirurgen.

Hanke berichtete zum Beispiel auch, dass in Stockach viele Patienten aus Konstanz behandelt würden. Es habe 2019 eine Planbetten-Auslastung von 73 Prozent gegeben. „Das ist steigerbar“, so Hanke. Bei den Wahlleistungen, die eher niedrig seien, verspricht er sich einen Anstieg, wenn mit dem Bau des neuen Bettentrakts mehr Ein- und Zwei-Bett-Zimmer zur Verfügung stehen.

Er präsentierte verschiedene Balkengrafiken und zeigte die Veränderungen bei den stationären Patientenzahlen in den vergangenen drei Jahren. In der inneren Medizin gab es 1089 Fälle im Jahr 2019 – nur rund zehn mehr als 2018. In der Viszeral- und Unfallchirurgie sank die Zahl von 950 auf 823. In der Gelenkchirurgie gab es eine Steigerung von 1312 auf 1408.

So sah es im Oktober während der Vorarbeiten im Untergrund für den neuen Bettentrakt des Stockacher Krankenhauses aus.
So sah es im Oktober während der Vorarbeiten im Untergrund für den neuen Bettentrakt des Stockacher Krankenhauses aus. | Bild: Freißmann, Stephan

Das Defizit ist jetzt kleiner

Hanke stellte auch dar, dass 2019 die Leistung wegen höherer Schweregrade über dem Vorjahresniveau gelegen habe. Das Defizit habe von rund 1,1 Millionen auf 900.000 Euro gesenkt werden können. Es habe eine Verbesserung des Betriebsergebnisses um „beachtliche 21 Prozent“ gegeben. Diese Zahl sei für 2019 „branchenuntypisch“.

„Wir schneiden als kleines Krankenhaus sehr gut ab. Wir stehen den großen Häusern in nichts nach“, fasste Hanke zusammen. Die Weiterempfehlungsrate betrage 88 Prozent – es sei die zweithöchste im Landkreis. Bei den Geldmitteln hat das Krankenhaus jedoch ein Problem: Es erhält laut Hanke pauschal 157.000 Euro Fördermittel. „Das reicht nicht. Es müsste doppelt so viel sein“, sagte Hanke ganz klar. Denn wenn Geräte kaputt gehen, müssten diese direkt ersetzt werden. Vorhalte- und Investitionskosten des Krankenhauses würden von Bund und Land nicht ausreichend refinanziert.

Die begonnene Digitalisierung am Krankenhaus werde fortgesetzt. 2021 komme die elektronische Patientenakte, so Hanke. Es werde eine IT-Infrastruktur geben, die zu einem modernen Krankenhaus passe. „Es ist überfällig, diesen Schritt zu gehen.“

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Patienten verschieben wegen Corona Eingriffe

Im laufenden Jahr sei Corona das beherrschende Thema. Hanke schilderte kurz das Hygienekonzept des Krankenhauses und wie getestet werde. Das alles helfe, den Corona-Normalbetrieb aufrecht zu erhalten. In Stockach seien bisher zwölf Corona-Patienten behandelt worden. Bei anderen Patienten habe es Fallzahlverluste gegeben: „Viele verschieben geplante Eingriffe.“ Wegen der Schwere von Fällen und Mehrleistungen gebe es derzeit Verhandlungen mit den Krankenkassen.

Hanke war es noch wichtig zu betonen, dass „alle Mitarbeiter einen tollen Job machen und im Dezember die tarifliche Corona-Prämie erhalten“. Die Prämie des Bundes gebe es hingegen nicht, da das Krankenhaus dafür nicht genug Fälle bearbeite. Stolz lobte ebenfalls das Krankenhaus-Personal.

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Claudia Weber-Bastong (SPD) erkundigte sich nach der Personalversorgung des Krankenhauses. Hanke erklärte, dass es trotz ein paar freien Stellen „grundsätzlich eine gute Besetzung gibt“. Die Fluktuation sei niedrig, viele Mitarbeiter seien sehr betriebstreu. „Es gibt keine Stationsschließungen oder Bettensperrungen. Momentan sind alle Mitarbeiter gesund“, sagte Hanke. Rainer Stolz ergänzte zu dem Thema, dass es sich in einem kleinen Haus stärker bemerkbar mache, wenn mal jemand fehle.

Viel Lob für das Krankenhaus

CDU-Gemeinderat Christoph Stetter hob die Steigerung um 21 Prozent positiv hervor. Er sprach von einem lachenden und einem weinenden Auge in Bezug auf das Krankenhaus: Lachend, weil es vor Ort sei – weinend wegen des Geldes, das hinein fließe. „Aber wenn wir so weitermachen, haben wir nur noch lachende Augen.“

Die Räte stimmten schließlich dem Jahresabschluss 2019 zu, beschlossen den Ausgleich der rund 909.454 Euro Verlust durch die Stadt (siehe Kasten) und entlasteten den Aufsichtsrat. Werner Gaiser sagte schließlich noch: „Wir können alle glücklich und zufrieden sein, dass wir so ein Krankenhaus haben. Es war die richtige Entscheidung, dass es das hier noch gibt.“

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