Dem Tourismus geht es schlecht – sehr schlecht. Da gibt es nichts zu beschönigen. Und so mancher findet noch drastischere Worte für den Zustand der Tourismusbranche, die bodenseeweit, deutschlandweit, weltweit von allen Branchen am meisten betroffen sein dürfte.

„Tourismus, was ist das?“ fragt da zum Beispiel Ralf Bleher, die „rechte Hand“ von Richard Schieß, dem Pächter des Campingplatzes Schachenhorn in Ludwigshafen. Dieser ist traurig, dass sich für den Tourismus und das Camping im Speziellen von politischer Seite nicht mehr Alternativen überlegt werden.

„Fehlentscheidungen“ in der Politik

Zum Beispiel wünscht sich Schieß, der Campingplatz könne für Camper mit eigener Dusche und eigenem WC geöffnet werden. Diese müssten die Sanitäreinrichtungen des Platzes dann gar nicht nutzen und wären quasi autark. Mit genügend Abstand zwischen den Wagen würden keine gesundheitlich gefährdenden Situationen entstehen.

Richard Schieß vom Campingplatz Schachenhorn in Ludwigshafen hofft, dass die Campingplätze bald wieder öffnen können.
Richard Schieß vom Campingplatz Schachenhorn in Ludwigshafen hofft, dass die Campingplätze bald wieder öffnen können. | Bild: Constanze Wyneken

„Aber es werden von der Politik verallgemeinerte Fehlentscheidungen getroffen, aufgrund von Informationsdefizit“, sagt Schieß, dem es nicht darum geht, des Geldes wegen Menschen zu gefährden, sondern um die Existenz vieler touristischer Einrichtungen und Anbieter, ihn selbst eingeschlossen, zu retten.

Alle rechnen mit Veränderungen

„Als größter Übernachtungsgeber in der Gemeinde muss man sich Gedanken machen, wie es weitergehen kann“, sagt Schieß. „Und die Betonung liegt auf dem Wie. Wenn es nicht so geht, wie bisher, dann muss es eben anders gehen.“ Darüber, dass es anders weitergehen wird als bisher, wenn es dann mal weitergeht, sind sich alle einig. Seien es Hoteliers, Anbieter von Ferienwohnungen, touristische Fördervereine oder die Abteilungen Tourismus der Stadt Stockach oder der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen.

„Wir fahren auf Sicht, weil wir nicht wissen, was wird“, sagt Sandra Domogalla, Leiterin der Tourist-Information von Bodman-Ludwigshafen. Es herrsche große Verwirrung, berichtet sie – sowohl bei den Übernachtungsgebern, bei den Gästen, die schon gebucht haben und nicht wissen, ob ihre Reise stattfindet, und auch bei potentiellen Gästen, die gerne buchen würden.

So gut wie keine Buchungen

Armin Belz, Vorsitzender des Tourismus-Fördervereins und Inhaber des Hotels Anker in Bodman, berichtet, dass es bei Ferienwohnungen und Hotels in Bodman bis zum Jahresende so gut wie keine Buchungen gebe. „Das ist deprimierend“, sagt Belz, „und je länger es anhält, desto deprimierender wird es. Wir brauchen dringend ein Go. Aber wir haben den Optimismus nicht verloren.“

Bei Sandra Domogalla laufen alle Anfragen zusammen. Ständig würde sie am Telefon gefragt, wann und wie es weitergehe. „Wir haben ja gar keinen Fahrplan“, sagt sie, „aber wir versuchen, mit allen in gutem Kontakt zu bleiben und auch die Öffnung wieder vorzubereiten.“

Urlaub ohne Freizeiteinrichtungen?

Aber es ist kompliziert. Denn wenn zum Beispiel Ferienwohnungen oder Hotelzimmer wieder vermietet werden, dann müsste es ja auch andere Urlaubsangebote geben. Jedoch sind auch die Freizeiteinrichtungen derzeit noch geschlossen und die Schiffe – mit Ausnahme der Fähren – liegen im Hafen.

Für die Öffnung, die, so hoffen alle, vielleicht in baldiger Zukunft stattfinden könnte, haben der DeHoGa (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), der DTV (Deutscher Tourismusverband) und auch die DBT (Deutsche Bodensee Tourismus GmbH) sich bereits Gedanken gemacht. Vieles muss überdacht werden, damit alles „Corona-konform“ ist und niemand gefährdet wird.

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Dies kann, so erklärt Sandra Domogalla, beispielsweise durch bauliche oder organisatorische Änderungen erfolgen. Es müssen Hygienestandards garantiert und Mindestabstände eingehalten werden. Büffets dürften der Vergangenheit angehören, das Tragen von Mund- und Nasenschutz zur Routine werden.

„Wir haben tolle Wanderwege“

Der Wunsch, etwas zu unternehmen, sei groß, sagt Stefan Keil, Abteilungsleiter Tourismus und Kultur der Stadt Stockach. Er plane weiterhin kleinere Veranstaltungen bis zum Jahresende. „Alles abzusagen und zu resignieren, wäre das falsche Signal.“ Solange es keine weiteren Lockerungen hinsichtlich des Tourismus gäbe, könne man zumindest das besser kennenlernen, was man noch hat. Fast alle gastronomischen Betriebe bieten inzwischen Essen zum Mitnehmen an. „Und wir haben tolle Wanderwege, die nicht nur für Tagestouristen interessant sein dürften.“

„Wir können nur warten, was wird“, sagt Sigrid Meßmer, Betreiberin des derzeit leeren Hotels Fortuna in Stockach.
„Wir können nur warten, was wird“, sagt Sigrid Meßmer, Betreiberin des derzeit leeren Hotels Fortuna in Stockach. | Bild: Constanze Wyneken

Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf einzelne Tourismusbetriebe haben kann, kann man auch beim Hotel Fortuna in Stockach beobachten. Laut Sigrid Meßmer, die das Hotel mit ihrer Familie betreibt, gebe es derzeit nur wenige Geschäftsreisende als Gäste.