Seit zwei Wochen können sich Personen, die bereits gegen das Coronavirus geimpft wurden, in Apotheken digitale Impfnachweise ausstellen lassen. Das Interesse an dem Angebot ist groß, nach dem Start herrschte eine große Nachfrage – überregional, aber auch in Stockacher Apotheken. Wie Melanie Krähmer von der Oberen Apotheke in der Hauptstraße berichtet, hätten Kunden sogar schon digitale Impfpässe haben wollen, bevor die Aktion überhaupt angelaufen sei.

Server des RKI geht in die Knie

Die auch überregional große Nachfrage war dann mitunter sogar zu viel für den Server des Robert Koch-Instituts (RKI), über den das Zertifikat mit dem QR-Code für den digitalen Nachweis erstellt wird. „Der ist ein bisschen in die Knie gegangen“, schildert Michael B. Vetter, der seine Apotheke schräg gegenüber der evangelischen Melanchthon-Kirche betreibt. Sowohl er, als auch Melanie Krähmer berichten, dass vor allem am zweiten Tag nach dem Start der Aktion die Technik längere Zeit nicht funktioniert habe. Am Abend habe man darum die Arbeit nachholen müssen.

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Und noch immer ist das Server-Problem noch nicht ganz behoben. So berichtet etwa Annette Feldmann von der Kuony-Apotheke in der Unterstadt, es gebe immer wieder stundenweise Ausfälle. Auch bleibt die Nachfrage laut den Apothekern hoch. „Der Andrang ist nach wie vor groß“, berichtet etwa Michael B. Vetter. Bei den ausgestellten Zertifikaten gehe man mittlerweile in Richtung einer vierstelligen Summe. In der Kuony-Apotheke sind es laut Feldmann ein paar Hundert Zertifikate.

Kurzfristige Anweisungen

Für die Apotheken bedeutet der Service ein Mehraufwand. Schon in der Vorbereitung: Die nötige Technik musste auf den Computern eingerichtet, die Mitarbeiter in den Ablauf und die Funktion eingewiesen werden. Melanie Krähmer weist zudem darauf hin, dass gerade zu Beginn noch Fragen offen gewesen seien, etwa, wie man mit Kunden umgehe, die nicht in Deutschland, sondern im Ausland geimpft wurden. So etwas musste erst einmal abgeklärt werden. Michael B. Vetter gibt zudem zu bedenken, dass ja auch besprochen und erklärt werden müsse, wie gefälschte Impfnachweise erkannt werden können. Und das alles in einer geringen Zeit: Erst zwei Tage vor Beginn der Aktion hätten die Apotheken erfahren, dass sie den Service anbieten sollen.

Und auch in der Durchführung fordert die Ausstellung der digitalen Impfpässe die Apotheken, schließlich müssen alle anderen Aufgaben auch noch erledigt werden und fallen nicht plötzlich weg. Und mit einem Eingeben der Daten und dem Ausdrucken der Zertifikate, von denen pro Impfung jeweils eines erstellt wird, ist es zudem nicht immer getan.

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Man stünde auch bereit, wenn Kunden Schwierigkeiten damit hätten, den digitalen Nachweis per QR-Code auf das Smartphone zu übertragen. „Der Tag wird dann halt zwei bis drei Stunden länger“, sieht Michael B. Vetter den Aufwand pragmatisch. Auch Annette Feldmann berichtet, man habe „schon mehrmals nach Geschäftsschluss die Impfpässe fertig gestellt, damit unsere Kunden die Pässe zeitnah abholen können“. Schwierig sei auch, dass gerade jetzt, im Juni und auch im Juli geplante Urlaube im Team stattfinden, so Feldmann.

Über einen Computer muss Fachapotheker Michael B. Vetter die Daten der Kunden eingeben, damit das Impfzertifikat und der QR-Code generiert werden kann. Dieser kann dann mit dem Smartphone gescannt werden.
Über einen Computer muss Fachapotheker Michael B. Vetter die Daten der Kunden eingeben, damit das Impfzertifikat und der QR-Code generiert werden kann. Dieser kann dann mit dem Smartphone gescannt werden. | Bild: Marinovic, Laura

Trotzdem halten die Apotheker es für richtig, dass in ihren Geschäften die digitalen Impfnachweise ausgestellt werden können. „Es ist einerseits eine Entlastung der schon sehr eingespannten Arztpraxen und andererseits gehört diese Arbeit auch für mich zum Service einer Vorortapotheke“, ist Annette Feldmann überzeugt. Zudem hätten die Kunden sehr viel Verständnis für die Situation und würden den Mitarbeitern auch die Zeit geben, die Impfnachweise zu erstellen.

Auch Michael B. Vetter bietet den Service gerne an. „Jeder muss das leisten, was er kann“, sagt er. „Der Bedarf ist riesengroß und die Notwendigkeit ist auch da.“ Und gerade Apotheken hätten eine gute technische Infrastruktur, da sie immer schon riesige Datenmengen verarbeiten müssten. Auch Melanie Krähmer sagt, ihr Team sei gerne bereit, zu helfen. „Wir wollen zeigen, dass man auf uns zählen kann“, betont die Apothekerin.