Das Brauereigebäude in Espasingen könnte schon im ersten Halbjahr 2019 verkauft werden, sagt Johannes von Bodman als Vertreter der Eigentümer. Beide Bieter – laut von Bodman Unternehmen, die den Umgang mit Baudenkmalen gewohnt seien – seien weiterhin interessiert. Bei den angrenzenden Neubauten, den Schlosshöfen, wolle man bis spätestens Fasnacht die Bauanträge einreichen. Und beim Eisweiher würden die Gespräche mit der Sielmann-Stiftung laufen, erklärt von Bodman.

An einer vierten Stelle des Gebiets, die als Schlosswiese bezeichnet wird, geht es allerdings weniger harmonisch zu. Dort sollen neun Einfamilienhäuser und ein Mehrfamilienhaus entstehen. Derzeit wird die Fläche als Kleingarten, Schafweide und Abstellfläche genutzt, wie aus Unterlagen für den Stockacher Gemeinderat hervorgeht.

Zwei Anwohner erheben Einspruch

Die Stadtverwaltung hat für diesen Bereich ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet, den entsprechenden Entwurf hat der Gemeinderat im Juli 2018 gebilligt. Doch offenbar sind nicht alle damit einverstanden. Denn neben den üblichen Stellungnahmen von Behörden, Stromversorgungsunternehmen und anderen Trägern öffentlicher Belange, die keine grundsätzliche Kritik vorzubringen hatten, gingen auch Einsprüche von zwei Anliegern ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Einer dieser Anlieger ist Bioweinhändler Peter Riegel, der im Gespräch mehrere Kritikpunkte anführt. Zum Beispiel seien die Wiesen, die bebaut werden sollen, Überschwemmungsgebiet. Und er sehe dort immer wieder seltene und geschützte Tiere wie Eisvögel. Riegel stört sich aber vor allem an einem Detail des Baurechts, das hier genutzt wird: Der Bebauungsplan soll im beschleunigten Verfahren (Paragraf 13b des Baugesetzbuchs) erstellt werden. Dadurch wird keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig. Doch dieser Paragraf bezieht sich laut dem Gesetz nur auf Flächen, "die sich an im Zusammenhang bebaute Ortsteile anschließen".

Wie aus dem Wortlaut seines Einspruchs hervorgeht, der von einem Anwalt formuliert wurde, kann für Riegel davon keine Rede sein. Er wirft daher die Frage auf: Ist das Verfahren, das angewendet werden soll, überhaupt rechtens? Den Einwand, dass sein Einspruch nach Eigennutz aussehe, weist Riegel zurück: "Ich möchte, dass für alle die gleichen Regeln gelten." Riegel, der sein gutes Verhältnis zu Johannes von Bodman betont, möchte erreichen, dass ein reguläres Bebauungsplanverfahren angewendet wird: "Wenn dabei herauskommt, dass die Bauvorhaben kein Problem sind, dann soll gebaut werden."

Gemeinderat will am beschleunigten Verfahren für den Bebauungsplan festhalten

Der Gemeinderat hat kürzlich einstimmig beschlossen, an dem gewählten Verfahren festzuhalten. Gerade im ländlichen Bereich seien auch die Gärten als Teil der Besiedelung zu verstehen, heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung, die der Rat mit billigte. Zu Bedenken in Sachen Naturschutz verwies Harald Schweikl vom Stockacher Baurechtsamt auf einen Umweltreport von 2015, der in den Augen von Peter Riegel einem regulären Bebauungsplanverfahren allerdings nicht genügen würde. Gemeinderat Roland Fiedler (Freie Wähler) sah in den Einsprüchen keine Argumentation, sondern den Versuch, eigenes zu schützen. Der Ortschaftsrat habe den Bebauungsplan zuvor einstimmig empfohlen, sagte Gemeinderat Andreas Bernhart (CDU), der auch Ortsvorsteher ist.

Johannes von Bodman erklärt jedenfalls, dass er sich keine Sorgen um diesen Teil des Projekts mache. Durch die Änderungen im Bebauungsplan seien die Themen der Einsprüche berücksichtigt. Zudem habe er auch das Gespräch gesucht, sagt von Bodman, was Peter Riegel bestätigt.

Projekt ist im Ort nicht grundsätzlich umstritten

Und Ortsvorsteher Bernhart sagt: "Das Projekt ist in Espasingen grundsätzlich nicht umstritten." Zudem sei die Stelle seit mehreren Jahrzehnten Bauerwartungsland. Das bedeutet: Dass gebaut wird, kommt nicht überraschend. Bernhart verteidigt das Verfahren: "Die Abwägung ist ordentlich gemacht worden." Die öffentliche Auslegung des geänderten Bebauungsplans soll laut Harald Schweikl am Montag, 28. Januar, beginnen und bis einschließlich Freitag, 1. März, dauern. Neue Einsprüche dürfen sich dann nur auf die geänderten Passagen beziehen, so der Beschluss des Gemeinderats.