Brombeerranken, die über Gleise wachsen, Bahnübergänge ohne Schranken und ganz allgemein Leere auf den Schienen – dies ist der augenblickliche Zustand der Ablachtalbahn, die Stockach mit Mengen im Donautal verbindet. Der private Eigentümer der Bahnstrecke will sie nun verkaufen, wie Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick berichtet. Seine Stadt liegt an der Bahnlinie, und er hat diese neue Lage für einen neuen Vorstoß genutzt. Sein Vorschlag: Die Kommunen könnten die Strecke übernehmen und entwickeln. "Sonst macht es nämlich keiner." Die Meinungen bei seinen Amtskollegen entlang der Strecke seien unterschiedlich. Zwick kommt aber zum Schluss: "Die Mehrheit würde mitmachen" – zumindest wenn die Gemeinderäte zustimmen. Mit Wahlkampf vor der Bürgermeisterwahl am 23. September habe das übrigens nichts zu tun – die Idee sei durch Zufall bei einer Veranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) an die Öffentlichkeit gekommen. Positive Reaktionen von Bürgern und Güterverkehrsunternehmen gebe es schon.

Das südliche Ende der Ablachtalbahn ist Stockach. Bürgermeister Rainer Stolz gibt einiges zu bedenken, wenn man ihn auf das Thema anspricht. Er fände es zwar grundsätzlich gut, die Strecke zu erhalten. Aber bis zu regelmäßigem Personenverkehr sei es ein weiter Weg. Stolz sieht einige Hindernisse, etwa den Autoverkehr in Stockach. Der müsste zusätzlich zum Bahnübergang am Schiesser-Knoten auch an denen in der Tuttlinger Straße und der Berlinger Straße anhalten, samt möglichen Rückstaus auf die Bundesstraße 313 Richtung Zizenhausen – auf der sind am Abzweig zur Berlinger Straße laut Verkehrsuntersuchung von 2017 etwa 9000 Fahrzeuge stadteinwärts und 7500 Fahrzeuge stadtauswärts in 24 Stunden unterwegs. Vom Personenverkehr auf der Bahnstrecke verspreche er sich keine ausreichende Entlastung. Von einer Umfahrung gibt es nur erste Pläne.

Der Bahnübergang in der Tuttlinger Straße in Stockach. Für regelmäßigen Personenverkehr wären hier Schranken nötig – mit entsprechend hohem Investitionsbedarf.
Der Bahnübergang in der Tuttlinger Straße in Stockach. Für regelmäßigen Personenverkehr wären hier Schranken nötig – mit entsprechend hohem Investitionsbedarf. | Bild: Freißmann, Stephan

Und: Ehe ein Personenzug fahren kann, müsse man Millionenaufwand treiben, etwa für Bahnübergänge. Die weiterhin in Aussicht stehenden Landesmittel von 1,5 Millionen Euro jährlich würden nicht genügen. Daher sei die Frage, ob der Mitteleinsatz realistisch sei – zumal parallele Buslinien abgebaut werden müssten. Stolz' Fazit: "In den nächsten fünf bis zehn Jahren sehe ich einen regelmäßigen Verkehr dort nicht."

Das sieht Arne Zwick ähnlich. Die Idee sei, schrittweise vorzugehen. Dass rasch ein regelmäßiger Personenverkehr eingerichtet ist, zeichnet sich auch für den Mühlinger Bürgermeister Manfred Jüppner nicht ab. Aber die Kommunen könnten die Strecke erhalten: "Die schlechteste Möglichkeit wäre, dass sie verkauft wird und weg ist." Deswegen sagt er: "Man kann eigentlich nur begeistert sein, auch wenn es Probleme mit sich bringt." Brombeerranken dürften das kleinste Hindernis für eine Neubelebung sein.