Demokratie: Ist das nicht etwas, was im Bundestag in Berlin gemacht wird? Was die Kanzlerin und die Bundesminister angeht? Wo mächtige große Parteien aus ihren verglasten Zentralen heraus mitmischen? Nicht unbedingt. Demokratie geht auch auf der kleinen Ebene. Mit Menschen aus der Nachbarschaft, die sich als Kandidaten aufstellen lassen. Mit Ehrenamt im Gemeinderat statt bezahltem Abgeordnetensitz im Bundestag. Mit zahlreichen kleinen Themen, die die Bürger vor Ort direkt betreffen. Und: ebenfalls nicht ganz frei von Mühen.

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Die CDU im Raum Stockach hat kürzlich ihre Kandidaten für die Kommunalwahl nominiert – nämlich die Bewerber für einen Gemeinderatssitz in Stockach und diejenigen, die für Stockach und seine fünf Umlandgemeinden in den Konstanzer Kreistag einziehen wollen. Bei der Nominierung geht alles streng nach Regularium zu: Es werden Stimmzettel in Urnen geworfen, Versammlungsleiter und Wahlkommission gewählt und am Ende wird abgestimmt, ob alle im Saal die Wahl für ordnungsgemäß hielten.

Ohne Auszähler läuft nichts (von links): Sabrina Weidlich, Christoph Auer, Levin Eisenmann und Wilma Paul.
Ohne Auszähler läuft nichts (von links): Sabrina Weidlich, Christoph Auer, Levin Eisenmann und Wilma Paul. | Bild: Freißmann, Stephan

Kampfkandidaturen bleiben aus, alle Kandidaten werden mindestens mit großer Mehrheit nominiert, die Listenplätze sind vorab ausgemacht – wie es praktisch immer auch in der großen Politik abläuft. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Sie habe eigentlich in die Polit-Rente gehen wollen, gibt Renate Rösgen bei ihrer Vorstellung zu. Nun stehe sie für die Kreistagswahl auf Listenplatz zwei – "nicht wie die ersten vier Mal auf Platz zehn", wie sie anmerkt.

In beiden Gremien, Stockacher Gemeinderat und Konstanzer Kreistag, ist die CDU derzeit die stärkste Fraktion. Viele Redner, die an diesem Abend im Hotel Fortuna beim Stockacher Bahnhof das Wort ergreifen, betonen den Wunsch, dass es dabei bleiben solle. Doch bei der Veranstaltung hörte man auch von Licht und Schatten derer, die die Demokratie mitgestalten wollen.

Die Gemeinderatskandidaten der Stockacher CDU bei der Nominierungsveranstaltung.
Die Gemeinderatskandidaten der Stockacher CDU bei der Nominierungsveranstaltung. | Bild: Freißmann, Stephan

Der Kreisvorsitzende Willi Streit weist in seiner Begrüßung auf die vielen Besucher und deren freudige Gesichter hin: "Ich bin überzeugt: Wir haben ein gutes Jahr vor uns." Doch auch die Mühen kommen zur Sprache, die Parteimitglieder bei der Kandidatensuche kennen: Gerhard Heim aus Seelfingen, der bereits im Gemeinderat sitzt, berichtet in der Vorstellungsrunde, dass es bis kurz vor der Nominierung noch eine weitere Bewerberin aus seinem Wahlbezirk gegeben habe – in letzter Minute habe diese dann zurückgezogen.

Kommt man mit Kandidaten ins Gespräch, die neu auf der Liste stehen, so hört man immer wieder, dass man mit einem guten Team in die Wahlen gehe. Welche Themen haben diese neuen Kandidaten, was treibt sie dazu, ein so aufwendiges Ehrenamt anzustreben? Mitzumachen statt nur über Politik zu reden, ist ein wiederkehrendes Motiv bei solchen Gesprächen. Er habe immer wieder Gespräche über Politik mit seinen Patienten, sagt zum Beispiel der 34-jährige Erich Zepf, der eine Praxis für Physiotherapie leitet. Sein Anliegen: Eine gute Zukunft für Kinder in Stockach zu sichern.

Sie kandidieren für die CDU im Wahlbezirk VII (Stockach und Umgebung) für den Kreistag (v.l.): Manfred Jüppner, Nikolaus Langner, Petra Meier-Hänert, Alois Fritschi, Florian Zindeler, Renate Rösgen, Jürgen Beirer, Simon Käppeler, Matthias Weckbach. Es fehlt Andreas Bernhart.
Sie kandidieren für die CDU im Wahlbezirk VII (Stockach und Umgebung) für den Kreistag (v.l.): Manfred Jüppner, Nikolaus Langner, Petra Meier-Hänert, Alois Fritschi, Florian Zindeler, Renate Rösgen, Jürgen Beirer, Simon Käppeler, Matthias Weckbach. Es fehlt Andreas Bernhart. | Bild: Freißmann, Stephan

Jungen Leuten eine Stimme geben möchte auch Holger Fischer, der sich gleichzeitig ausdrücklich für das Konservative der CDU ausspricht: "Manche Werte braucht man einfach." Dabei sei sein Elternhaus eher sozialdemokratisch orientiert gewesen. Bei Alexandra Bayer ist das anders. Die 48-Jährige stammt aus einer Unternehmerfamilie, sie sei in die CDU hineingewachsen. Bayer steht schon zum zweiten Mal auf dem Stimmzettel, ihr Ergebnis von 2014 habe ihr Mut für eine neue Kandidatur gemacht. Und sie präsentiert sich klar als Vertreterin der Wirtschaft: "Eine gesunde Industrie ist der Motor einer Stadt."

Sollte jemand von ihnen gewählt werden, muss sie oder er sich indes mit vielen verschiedenen Themen auseinandersetzen. In den Themenmix der Kommunalpolitik taucht der Mühlinger Bürgermeister Manfred Jüppner in seinem Bericht aus dem Kreistag ein. Er führt die CDU-Liste für die Kreistagswahl an und referiert über so verschiedene Dinge wie Berufsschulen, Krankenhäuser, Busverkehr und Flüchtlingsunterbringung, die das Gremium beschäftigen.

Und wie will die CDU in der Stadt den Wahlkampf bestreiten und die Wähler von sich überzeugen? Allzu tief will sich Christoph Stetter, seit Kurzem Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, noch nicht in die Karten schauen lassen. Klar ist für ihn aber: "Wir wollen einen anderen Wahlkampf machen." Das heißt: nicht nur Saalveranstaltungen, bei denen man hofft, dass jemand kommt, sondern zum Beispiel eine Bustour durch die Gemeinde, bei der die Kandidaten das Thema Barrierefreiheit aus erster Hand erfahren können. Seine Motivation dafür: Bei den zurückliegenden beiden Kommunalwahlen habe die Wahlbeteiligung bei unter 50 Prozent gelegen. "Das ist eigentlich erschreckend, wenn man sich überlegt, dass es um die Belange der Menschen vor Ort geht", sagt Stetter.